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Mittelmeerdiät bei Diabetes: So hilft mediterrane Ernährung

Diabetes Kurier Stand: Redaktion Apothekenkurier

Die Mittelmeerdiät gilt laut Deutscher Diabetes Gesellschaft als geeignete Ernährung bei Diabetes Typ 2: viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn, Nüsse und Olivenöl, Fisch 1- bis 2-mal pro Woche, rotes Fleisch und Süßes selten.

Mediterran gedeckter Holztisch mit Gemüse, Hülsenfrüchten, Oliven, Olivenöl und Fisch

Die Ernährung bei Diabetes Typ 2 ist die erste Behandlungsmaßnahme, und die Mittelmeerdiät gehört zu den Ernährungsformen, die die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) dafür als geeignet einstuft. Laut diabinfo.de berichten mehrere Studien bei Menschen mit Typ 2 von einem verbesserten Langzeitblutzucker (HbA1c), einem günstigeren Blutdruck und einem geringeren Körpergewicht. Eine spezielle Diabetes-Diät braucht es dafür nicht.

Was ist die Mittelmeerdiät?

Die Mittelmeerdiät, auch mediterrane Ernährung genannt, orientiert sich an der traditionellen Küche der Mittelmeerländer. diabinfo.de beschreibt sie als überwiegend pflanzenbasierte Mischkost. Typische Bestandteile sind Olivenöl und Oliven, Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst, Getreide, Nüsse, Knoblauch, Zwiebeln und Kräuter. Fisch und Geflügel kommen regelmäßig, aber in Maßen auf den Tisch, Milchprodukte wie Käse und Joghurt ebenfalls in Maßen. Eier, rotes Fleisch und Süßigkeiten sind selten.

Als gleichwertig nennt diabinfo.de die nordische Ernährung, die statt Olivenöl auf Rapsöl setzt und viel Gemüse, Beeren, Vollkornprodukte und Fisch enthält.

Warum eignet sich mediterrane Ernährung bei Diabetes Typ 2?

Die DDG empfiehlt für Menschen mit Typ 2 keine spezielle Ernährungsform, sondern eine Ernährungsweise, wie sie auch für die Allgemeinbevölkerung gilt: viel Gemüse, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte, 2 Portionen Obst, Nüsse für zwischendurch. Die Mittelmeerkost setzt genau das um, und die DDG nennt sie in ihren Patienten-Empfehlungen ausdrücklich als Ernährungsmuster, das im Alltag zur Gewohnheit werden kann.

Zwei Eigenschaften machen sie für den Blutzucker interessant. Erstens gilt die traditionelle mediterrane Ernährung laut diabinfo.de als kohlenhydratreduziert, weil Gemüse, Hülsenfrüchte und Fett einen großen Teil der Mahlzeit ausmachen. Zweitens liefert sie reichlich Ballaststoffe und ungesättigte Fettsäuren. diabinfo.de empfiehlt bei Typ 2 mindestens 30 Gramm Ballaststoffe am Tag, das entspricht etwa 5 Portionen Gemüse und Obst, mindestens 1 Portion Hülsenfrüchte pro Woche und 2 bis 3 Scheiben Vollkornbrot. Bei den Fetten sollen ungesättigte Fettsäuren bevorzugt werden, etwa aus Pflanzenöl, fettreichem Fisch und Nüssen.

Was sagt die Forschung?

diabinfo.de fasst die Studienlage so zusammen: Im Vergleich zu anderen Ernährungsformen beeinflusst die traditionelle mediterrane Ernährung Nüchternblutzucker und Blutfettwerte besonders günstig. Mehrere Studien berichten von einem verbesserten HbA1c-Wert, einem günstigeren Blutdruck und einem geringeren Körpergewicht bei Menschen mit Typ 2. Das wirkt sich auch positiv auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus, das bei Diabetes erhöht ist.

Darüber hinaus beschreibt diabinfo.de zahlreiche Studien, wonach die Mittelmeerkost beim Abnehmen helfen und vor Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen kann. Wie groß diese Effekte im Einzelfall sind, nennt das Portal nicht in Zahlen. Einen Hinweis auf das Potenzial der Ernährung gibt die DDG: In der 2018 veröffentlichten DiRECT-Studie erreichten von den Teilnehmenden mit Typ 2, die mehr als 15 Kilogramm abgenommen hatten, 86 Prozent eine Normalisierung des Blutzuckers. Weitere Beiträge rund um die Erkrankung sammelt der Hub Diabetes Kurier.

Welche Lebensmittel gehören dazu, welche nicht?

Die folgende Einteilung fasst zusammen, wie diabinfo.de die Bestandteile der Mittelmeerkost gewichtet, ergänzt um die Mengen aus den DGE-Empfehlungen und den DDG-Patienten-Empfehlungen.

HäufigkeitLebensmittelOrientierung
TäglichGemüse und Obst, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, Olivenöl oder Rapsöl, Nüsse, Kräuter, Knoblauch, Zwiebeln, Milchprodukte in Maßen5 Portionen Gemüse und Obst, bei Diabetes 3 Gemüse zu 2 Obst; Nüsse 1 kleine Handvoll; Wasser oder ungesüßter Tee rund 1,5 Liter
WöchentlichFisch, Geflügel, Hülsenfrüchte als HauptgerichtFisch 1- bis 2-mal pro Woche; Hülsenfrüchte mindestens 1-mal pro Woche; Fleisch insgesamt höchstens 300 Gramm pro Woche
SeltenRotes Fleisch, Wurst, Eier, Süßigkeiten, Weißmehlprodukte, zuckergesüßte Getränke, FertigprodukteFreier Zucker höchstens 50 Gramm am Tag; zuckergesüßte Getränke und Fruchtsäfte möglichst meiden

Zum Obst gibt die DDG einen Hinweis, der für Menschen mit Diabetes wichtig ist: Große Mengen wirken sich ungünstig auf den Blutzuckerverlauf aus, deshalb ist ein Verhältnis von 3 Portionen Gemüse zu 2 Portionen frischem, unverarbeitetem Obst vorteilhaft. Obstsäfte, Smoothies und Trockenobst liefern in kurzer Zeit viel Zucker. Wer Light-Lebensmittel als Abkürzung erwägt, findet im Beitrag Light-Produkte die Grenzen dieser Idee; spezielle Diabetikerprodukte sind laut diabinfo.de nicht nötig und seit 2012 in Deutschland nicht mehr im Verkauf.

Gilt das auch bei Typ 1?

Ja, mit einem wichtigen Unterschied. Auch bei Typ 1 gibt es laut diabinfo.de keine spezielle Diät, die Mittelmeerdiät wird als mögliche Option genannt. In mehreren Studien mit Kindern und Erwachsenen mit Typ 1 verbesserten sich unter traditioneller mediterraner Ernährung die Blutzuckerkontrolle und die Blutfettwerte. Entscheidend bleibt aber, die Kohlenhydratmenge jeder Mahlzeit zu schätzen und das Insulin darauf abzustimmen: 1 Kohlenhydrateinheit (KE) entspricht 10 Gramm Kohlenhydraten.

Mediterrane Mahlzeiten sind oft fett- und eiweißreich, etwa Fisch mit Olivenöl oder Käse. Fett und Eiweiß lassen den Blutzucker kaum oder nur verzögert steigen, bei sehr reichhaltigen Mahlzeiten kann der Anstieg laut diabinfo.de aber erst 3 bis 5 Stunden nach dem Essen kommen. Wie die Erkrankung entsteht und was sie von Typ 2 unterscheidet, erklärt der Beitrag zu Diabetes Typ 1.

Wie fängt man im Alltag an?

Die DDG rät, Veränderungen nach und nach einzuführen, kleine Schritte erleichtern den Start. Als Bild für die Mahlzeit dient das Tellermodell der DDG: Der halbe Teller besteht aus Gemüse, ein Viertel aus Vollkorn- oder Getreideprodukten, ein Viertel aus eiweißreichen Lebensmitteln wie Fisch, Hülsenfrüchten, Tofu oder Milchprodukten. Mengenmäßig sollen mindestens drei Viertel der Lebensmittel pflanzlichen Ursprungs sein.

Eine Wochenplan-Idee, die diese Vorgaben umsetzt:

  • Montag: Linsensuppe mit Gemüse, dazu Vollkornbrot
  • Dienstag: Ofengemüse mit Kichererbsen und Olivenöl, Joghurt mit Beeren
  • Mittwoch: Gebratener Fisch mit Tomatensalat und Vollkornreis
  • Donnerstag: Gemüsepfanne mit weißen Bohnen und Kräutern
  • Freitag: Geflügel mit Paprika, Zucchini und einer kleinen Portion Vollkornnudeln
  • Samstag: Großer Salat mit Oliven, Feta und Vollkornbrot
  • Sonntag: Zweites Fischgericht der Woche, etwa Lachs mit gedünstetem Gemüse

Als Zwischenmahlzeit empfiehlt die DDG eine Handvoll naturbelassener, ungesalzener Nüsse. Zum Trinken eignen sich laut DDG Wasser, Tee oder Kaffee ohne Zucker, insgesamt 1,5 bis 2 Liter am Tag. An heißen Tagen passen die leichten Gerichte besonders gut; mehr dazu im Beitrag was essen bei Hitze.

Worauf achten: Alkohol, Kohlenhydrate, Fett

Beim Alkohol ist das Glas Wein, das zur Mittelmeerküche gehört, der heikelste Punkt. diabinfo.de verweist auf die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen, die rät, ganz auf Alkohol zu verzichten oder ihn möglichst zu reduzieren. Bei Insulin oder bestimmten blutzuckersenkenden Tabletten steigt das Risiko schwerer Unterzuckerungen, besonders nachts. Wer trinkt, sollte das nur zu einer kohlenhydrathaltigen Mahlzeit tun. Die DDG nennt als risikoarme Menge laut DGE unter 27 Gramm Alkohol pro Woche, das sind etwa 280 Milliliter Wein oder 660 Milliliter Bier, und rät davon ab, täglich Alkohol zu trinken.

Bei den Kohlenhydraten zählt die Qualität. Weißbrot, Nudeln und Reis gehören zwar zur Küche der Region, treiben den Blutzucker aber schneller nach oben als Vollkornvarianten. diabinfo.de rät zu Vollkornprodukten mit hohem Anteil ganzer Körner, Kartoffeln und Mais in Maßen, Weißmehlprodukte und freien Zucker nur in geringen Mengen. Beim Fett zählt die Art: Olivenöl, Nüsse und fettreicher Fisch liefern die empfohlenen ungesättigten Fettsäuren. Wer abnehmen möchte, stimmt die Mengen mit der Ernährungsberatung ab, denn Gewichtsverlust verbessert laut diabinfo.de die Blutzuckerwerte bei Übergewicht deutlich.

Wann zur Apotheke oder in die Praxis?

Jede Umstellung der Ernährung sollte mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt abgestimmt werden, weil Medikamente oder Insulindosen angepasst werden müssen. diabinfo.de empfiehlt allen Menschen mit Diabetes ein Schulungsprogramm mit Ernährungsberatung. Treten nach ungewohnten Mahlzeiten Anzeichen einer Unterzuckerung auf, messen Sie den Blutzucker und suchen Sie bei wiederholten Episoden die Praxis auf. In der Apotheke erhalten Sie Rat zu Blutzuckermessung und Wechselwirkungen mit Ihren Medikamenten.

Quellen

  1. Welche Ernährungsform bei Diabetes?, diabinfo.de, Helmholtz Munich, DZD und DDZ (2023)
  2. Diabetes Typ 2: Ernährung, diabinfo.de, Helmholtz Munich, DZD und DDZ (2024)
  3. Ernährung bei Diabetes Typ 1, diabinfo.de, Helmholtz Munich, DZD und DDZ (2020)
  4. Patienten-Empfehlungen zur Ernährung bei Typ-2-Diabetes, Deutsche Diabetes Gesellschaft (2026, Basis Praxisempfehlung 2024)
  5. Gut essen und trinken: Die DGE-Empfehlungen, Deutsche Gesellschaft für Ernährung

Redaktion Apothekenkurier · Rubrik Diabetes Kurier · Stand 3. November 2026. Die Beiträge ersetzen keine ärztliche Beratung.

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