Leistenschmerz vor dem 45. Lebensjahr beruht häufig auf einem Hüftimpingement oder einer Hüftdysplasie, nicht auf Arthrose. Beides lässt sich oft gelenkerhaltend behandeln, solange der Knorpel noch intakt ist.
Ein Hüftimpingement ist ein Engpass im Hüftgelenk: Knöcherne Veränderungen an Hüftkopf oder Pfanne stoßen bei bestimmten Bewegungen aneinander und schädigen Gelenklippe und Knorpel. Zusammen mit der Hüftdysplasie, einer zu kleinen oder zu steilen Pfanne, gehört es zu den Ursachen, die bei jüngeren Menschen in eine frühe Arthrose münden können. Wird die Fehlform rechtzeitig erkannt, lässt sich das eigene Gelenk oft erhalten.
Was ist ein Hüftimpingement?
Beim Hüftimpingement, in der Fachsprache femoroazetabuläres Impingement (FAI), stoßen Oberschenkelkopf oder -hals und Hüftpfanne bei Bewegung aneinander, vor allem bei Beugung. Ursache sind knöcherne Veränderungen: Beim Cam-Typ ist der Übergang von Hüftkopf zu Hals nicht rund genug geformt, beim Pincer-Typ überdeckt die Pfanne den Kopf zu stark, häufig liegt eine Mischform vor. Die IQWiG-Seite gesundheitsinformation.de führt das Impingement als eigenen Risikofaktor für Hüftarthrose: Knöcherne Auswüchse führen zu Engstellen zwischen Hüftkopf und Gelenkpfanne.
Betroffen sind laut Orthinform, dem Patientenportal des Berufsverbands für Orthopädie und Unfallchirurgie, meist Menschen zwischen 16 und 45 Jahren, mit einem Häufigkeitsgipfel zwischen 20 und 30 Jahren; Männer sind häufiger betroffen. Als mögliche Ursachen gelten wiederholte kleine Verletzungen und Hüftreifungsstörungen in der Kindheit; sportliche Aktivität selbst gilt nicht als Risikofaktor.
Was ist eine Hüftdysplasie bei Erwachsenen?
Bei der Hüftdysplasie ist die Hüftpfanne unzureichend ausgeformt, meist zu klein und zu steil, sodass der Hüftkopf nicht ausreichend überdacht wird. Die Fehlbildung ist angeboren und betrifft laut der Patientenbroschüre der Charité bis zu 4 Prozent der Neugeborenen, Frauen häufiger als Männer. Dank der Ultraschalluntersuchung nach der Geburt wird sie seltener erst im Erwachsenenalter entdeckt, kommt dort aber weiterhin vor: Leichte Formen bleiben oft viele Jahre ohne Beschwerden und fallen erst auf, wenn das Gelenk stärker belastet wird.
Das Gelenk ist instabil und nutzt sich schneller ab. Unbehandelt führt die Dysplasie laut Charité häufig schon im mittleren Lebensalter zu einer Hüftarthrose.
Welche Symptome deuten auf Impingement oder Dysplasie?
Beide Fehlformen äußern sich vor allem durch belastungsabhängige Schmerzen in der Leiste, die seltener im seitlichen Becken, im Gesäß oder im Oberschenkel spürbar sind. Beim Impingement treten die Beschwerden typischerweise zu Beginn einer Bewegung nach längerem Sitzen auf, beim Aufstehen aus tiefem Sitz, beim Schuhebinden oder bei Drehbewegungen. Gelegentlich kommt ein Schnappen im Gelenk hinzu. Die Gehstrecke ist meist nicht eingeschränkt.
Bei der Dysplasie beschreibt die Charité belastungsabhängige Schmerzen nach Sport oder Alltagsbelastungen, manchmal ein Hinken, ein Instabilitätsgefühl oder das Gefühl, mit dem Bein wegzuknicken. Anfangs sind die Symptome gelegentlich, später häufiger und anhaltender.
Zur Abgrenzung dient die Bildgebung. Beim Impingement stützt sich die Diagnose auf die Krankengeschichte, die Untersuchung und das Röntgenbild, ergänzt durch eine Magnetresonanztomografie, die Veränderungen am Kopf-Hals-Übergang gut zeigt. Bei der Dysplasie werden standardisierte Röntgenaufnahmen von Becken und Hüfte angefertigt, eine MRT beurteilt den Zustand des Knorpels.
Hüftimpingement
Hüftdysplasie
Hüftarthrose
Ursache
Knöcherne Veränderungen an Hüftkopf oder Pfanne, die aneinanderstoßen
Angeborene, zu kleine oder zu steile Hüftpfanne, Hüftkopf unzureichend überdacht
Abbau der Knorpelschicht; Impingement und Dysplasie zählen zu den Risikofaktoren
Typisches Alter
Meist 16 bis 45 Jahre, Gipfel 20 bis 30 Jahre
Angeboren; leichte Formen werden oft erst im Jugend- oder Erwachsenenalter erkannt
Vor allem Menschen über 45 Jahre
Behandlungsansatz
Physiotherapie, Belastungsanpassung; bei anhaltendem Konflikt Hüftarthroskopie
Physiotherapie; bei anhaltenden Beschwerden Umstellung der Pfanne (PAO)
Bewegung, Physiotherapie, Schmerzmittel; im fortgeschrittenen Stadium Prothese
Wann hilft eine Hüftarthroskopie?
Die Hüftarthroskopie ist beim Impingement das gelenkerhaltende Verfahren der Wahl, wenn der mechanische Konflikt trotz konservativer Behandlung anhält. Über kleine Zugänge wird die knöcherne Fehlform korrigiert, etwa durch Abtragen des Knochenvorsprungs am Kopf-Hals-Übergang. Gleichzeitig werden Schäden an der Gelenklippe (Labrum) und am Knorpel behandelt.
Orthinform beschreibt die Arthroskopie als sinnvoll, wo sie noch möglich ist, und betont, dass die Ergebnisse umso besser ausfallen, je jünger die Betroffenen sind. Es gibt aber einen Zeitpunkt, ab dem der Eingriff nicht mehr sinnvoll ist. Gute Ergebnisse setzen Erfahrung und hohe Fallzahlen voraus, die bisher nur wenige Zentren in Deutschland bieten.
Was ist eine Umstellungsosteotomie?
Bei der Dysplasie liegt das Problem in der Form des Beckenknochens, deshalb reicht ein Eingriff im Gelenk nicht aus. Die am häufigsten verwendete Technik ist die periazetabuläre Osteotomie nach Ganz (PAO): Die Hüftpfanne wird aus dem Becken gelöst, gedreht und so über dem Hüftkopf positioniert, dass dieser besser überdacht wird. Anschließend wird sie in der neuen Position fixiert und heilt laut Charité normalerweise nach 6 bis 8 Wochen ein.
Moderne, weichteilschonende Techniken kommen über einen einzelnen Hautschnitt von etwa 7 bis 10 Zentimetern in der Leiste aus; die Operation dauert etwa 90 Minuten. Ziel ist, Schmerzen zu reduzieren, das Gelenk langfristig zu erhalten und die Entstehung einer Arthrose zu verhindern oder zumindest zu verzögern.
Welche Alternativen gibt es vor der OP?
Bei milden Formen beider Fehlstellungen steht zunächst ein konservativer Versuch: Anpassung der sportlichen Belastung, Physiotherapie zur Kräftigung der hüftumgreifenden Muskulatur und ein Übungsprogramm, das das Gelenk stabilisiert. Entzündungshemmende Schmerzmittel helfen, in Bewegung zu bleiben. Gelenkschonend sind laut Orthinform und gesundheitsinformation.de Schwimmen, Radfahren oder Wandern; ruckartige Belastungen sind ungünstiger. Wer Bewegung mit Erholung verbinden möchte, findet im Beitrag über Wandern in Bad Gastein Anregungen für sanfte Touren.
Spritzen sind kein Ersatz für die Ursachenbehandlung. Zu Kortisonspritzen in das Hüftgelenk schreibt gesundheitsinformation.de, dass sie Arthrosebeschwerden nachweislich lindern, die Wirkung aber meist nur 2 bis 3 Monate anhält und wiederholte Spritzen den Knorpel langfristig schwächen können. Für Hyaluronsäure-Spritzen ist eine Wirkung nicht nachgewiesen.
Wie läuft die Nachbehandlung?
Nach einer Arthroskopie richtet sich die Nachbehandlung nach dem Operationsbefund; üblich ist eine Teilbelastung mit Unterarmgehstützen und anschließende Physiotherapie. Nach einer PAO beschreibt die Charité den Ablauf genauer: Die Patientinnen und Patienten stehen ab dem ersten Tag nach der Operation auf, belasten das Bein mit 2 Unterarmgehstützen für 4 bis 6 Wochen nur teilweise und erreichen in der Regel nach 8 bis 10 Wochen die Vollbelastung. Der Klinikaufenthalt dauert etwa 5 bis 7 Tage.
Sport ist nach abgeschlossener Knochenheilung und Muskelkräftigung meist nach 3 bis 6 Monaten wieder möglich, die Arbeitsunfähigkeit beträgt je nach Beruf etwa 6 bis 12 Wochen. Für die Erholung danach kann auch ein Kurzurlaub zur Erholung mit viel Ruhe und wenig Gepäck sinnvoll sein, abgestimmt mit dem Behandlungsteam.
Wann ist doch eine Prothese nötig?
Ist der Knorpel bereits weitgehend abgebaut, können gelenkerhaltende Eingriffe den Verschleiß nicht mehr aufhalten. Dann gilt, was gesundheitsinformation.de für die Hüftarthrose beschreibt: Ein künstliches Hüftgelenk kommt infrage, wenn die Arthrose im Röntgenbild deutlich erkennbar ist, starke Schmerzen und Einschränkungen im Alltag verursacht und konservative Maßnahmen mindestens 3 Monate lang nicht ausreichend geholfen haben. Nach 10 Jahren sind über 95 Prozent der heute üblichen Prothesen intakt, etwa 85 Prozent halten über 20 Jahre.
Genau deshalb lohnt sich der frühe Blick auf die Ursache: Das Austauschrisiko einer Prothese ist umso höher, je jünger die Person bei der ersten Operation ist. Bei Männern mit Erst-OP im Alter von 50 Jahren liegt es laut gesundheitsinformation.de bei etwa 30 Prozent, mit 70 Jahren bei 8 Prozent. Wird eine Fehlform früh korrigiert, lässt sich der Gelenkersatz laut Charité verzögern oder verhindern. Weitere Beiträge zu Bewegung, Gelenken und Ernährung finden Sie im Hub Gesundheit & Ernährung.
Wann zur Apotheke oder in die Praxis?
Leistenschmerzen, die über Wochen anhalten, nach langem Sitzen oder beim tiefen Beugen auftreten oder von einem Schnappen und Instabilitätsgefühl begleitet sind, sollten orthopädisch abgeklärt werden, besonders vor dem 45. Lebensjahr. Lassen Sie sich von Ihrer Hausarztpraxis an eine auf Hüftchirurgie spezialisierte Praxis oder ein Zentrum überweisen. In der Apotheke erhalten Sie Rat zur Anwendung von Schmerzmitteln, die nur zeitlich begrenzt und in Absprache eingenommen werden sollten.
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