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Arzttermin am PC

Die Corona-Pandemie hat der Telemedizin in Deutschland einen unerwarteten Aufschwung verschafft. Der Apotheken Kurier sagt, was in der Videosprechstunde geht und was nicht.

 

Seit Oktober 2019 dürfen Ärzte ihre Patienten per Videosprechstunde behandeln – auch wenn sie diese noch nie zuvor persönlich getroffen haben und selbst wenn die Betreuung ausschließlich virtuell stattfindet. Bei welchen Patienten und in welchem Ausmaß die Mediziner das tun, liegt in ihrem fachlichen Ermessen. Verpflichtet, Videosprechstunden anzubieten, sind sie nicht.

Klar ist natürlich, dass nicht alle ärztlichen Leistungen aus der Ferne erbracht werden können. Ein EKG beispielsweise lässt sich nur in der Praxis schreiben, ebenso braucht es für eine Tast- oder auch Ultraschalluntersuchung den direkten menschlichen Kontakt. Was aber an medizinischer Betreuung per Videosprechstunde möglich ist, stellen die gesetzlichen Krankenkassen bei der Abrechnung der Behandlung im direkten Kontakt gleich.

 

Krankschreibung per Telefon

Bis zum 30. Juni  2021 darf eine Ärztin oder ein Arzt auch per Video die Arbeitsunfähigkeit einer Person feststellen („Krankschreibung“), wenn sie sich einen ausreichenden Eindruck vom Gesundheitszustand der Person machen kann und sie wegen einer früheren Behandlung bereits kennt. Die Feststellung der Arbeitsunfähigkeit ist dabei auf höchstens sieben Tage begrenzt. Eine Folgekrankschreibung über Videosprechstunde ist nur zulässig, wenn die vorherige Krankschreibung aufgrund einer unmittelbaren persönlichen Untersuchung ausgestellt wurde. Ein Anspruch der Versicherten auf Krankschreibung per Videosprechstunde besteht ohnehin nicht.

 

„Mit der Corona-Pandemie sind Bedeutung und Akzeptanz der Telemedizin in Deutschland deutlich gestiegen“, erklärt Dr. Josef Mischo, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Fernbehandlung der Bundesärztekammer (BÄK). Videosprechstunden würden von Patientinnen und Patienten auch aus Angst vor Ansteckung immer häufiger nachgefragt. Nach Informationen der BÄK bieten mehr als die Hälfte der Ärzte und Psychotherapeuten in ihren Praxen Videosprechstunden an.

 

Eine besondere Technik brauchen Patienten für die Online-Videosprechstunde nicht. Computer, Tablet oder Smartphone reichen aus, müssen allerdings über einen Bildschirm bzw. ein Display, eine Kamera, Mikrofon und Lautsprecher verfügen und ans Internet angeschlossen sein. Die Verbindung läuft über einen Videodienstanbieter, den die Praxis beauftragt und der besondere Sicherheitsanforderungen erfüllen muss. Das soll sicherstellen, dass die  Gespräche vertraulich bleiben.

 

Wer mit einer Arztpraxis einen Videotermin vereinbart, erhält dafür eine Internetadresse und einen Einwahlcode. Steht die Verbindung, hält der Versicherte seine Gesundheitskarte inklusive Versichertennummer oder auch seinen Personalausweis in die Kamera. Was die Schweigepflicht und die Datensicherheit angeht, muss der Arzt sicherstellen, dass die Videosprechstunde nicht aufgezeichnet wird und frei von Werbung bleibt. Soll ein – technisch verschlüsselter – Kurzarztbrief für eine Anschlussbehandlung verschickt werden, müssen die Patienten zustimmen.

 

 

 

 

 

 

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