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Gehirnjogging

Das menschliche Gehirn ist ein Gebilde der Superlative: Rund 100 Billionen Synapsen verknüpfen etwa 100 Milliarden Zellen – und legen so den Grundstein für unser Denken und Handeln. Und doch, so sagen viele Forscher, schöpfen wir sein Potenzial nicht völlig aus. Denn das Gehirn ist nicht statisch, sondern kann sich entwickeln. Ähnlich den Muskeln in unserem Körper, soll Sport unser Gehirn leistungsfähiger machen: Denksport.

 

Logikrätsel, Knobelaufgaben und Suchspiele, mit denen die Konzentration, das Gedächtnis oder das räumliche Denken verbessert werden sollen, gibt es schon seit Jahrzehnten. Seitdem die Digitalisierung unseres Alltags Fahrt aufgenommen hat, erlebt das sogenannte Gehirnjogging jedoch einen regelrechten Boom. Zwischen 2005 und 2013 hat sich der Umsatz mit entsprechenden Angeboten von 210 Millionen auf 1,3 Milliarden Dollar mehr als versechsfacht. Verfügbar sind sie meist sowohl für unterwegs, also als App für das Handy, als auch in Form von Websites, auf denen man entsprechende Trainingseinheiten am Rechner zu Hause oder im Büro absolvieren kann. Ihre Gestaltung reicht dabei von wissenschaftlich-nüchtern bis hin zu farbenfroh und lustig. Aber wie genau funktionieren diese Angebote?

                 

Gezieltes Training kann die Hirnleistung verbessern

Die meisten Denksport-Apps haben das Ziel, das sogenannte Arbeitsgedächtnis zu verbessern. Dieser Teil des Gehirns speichert kurzfristig alle Informationen, die wir über unsere Sinne aufnehmen, und verknüpft sie mit dem Langzeitgedächtnis. Je umfassender diese Verknüpfung, desto leichter können wir auf die Informationen zugreifen und mit ihnen arbeiten, uns zum Beispiel Zahlen- und Tonfolgen merken oder Figuren gedanklich im Raum bewegen. Dass entsprechende Denksport-Aufgaben nicht nur trainiert werden können, sondern sich dieses Training auch positiv auf manch andere Bereiche der Kognition auswirkt, zeigte unter anderem eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, die 2017 im Journal of Cognitive Enhancement publiziert wurde. Trotzdem ist bei aller Euphorie auch Zurückhaltung geboten.

 

Gehirnjogging als Krankheitsprävention?

So verspricht beispielsweise manch kommerzieller Anbieter durch seine Trainingsprogramme älteren Menschen, dass diese ihr Risiko für Alzheimer oder andere Demenz-Erkrankungen einfach wegtrainieren könnten. Renommierte Forscherinnen, unter anderem der Stanford University und der Goethe-Universität Frankfurt, mahnen hier zur Vorsicht. Es stehe zwar die Vermutung im Raum, dass es insofern einen Zusammenhang zwischen Gehirnjogging und erhöhter Resilienz gegenüber degenerativen Gehirnerkrankungen gebe, als dass durch gezieltes Training die geistigen Reserven des Gehirns ausgebaut werden könnten. Hierdurch wäre es gesunden Teilen des Gehirns möglich, Aufgaben mit zu übernehmen, die geschädigte Gehirnbereiche nicht mehr leisten können. Wissenschaftlich bewiesen sei das bislang aber nicht. Und eine Garantie, nach regelmäßigem Gehirnjogging nicht an solchen Gebrechen zu erkranken, gebe es daher leider auch nicht. Allerdings: Spaß machen solche Rätsel und Knobelspiele in jedem Fall!

 

 

 

 

 

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