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Welche Farbe haben Orangen? GRÜN!

Würde man hierzulande den Versuch unternehmen, einhundert Menschen eine Orange malen zu lassen, wäre das Ergebnis zumindest in einer Hinsicht relativ einheitlich: Die Orange wäre orange. Für viele Menschen ist das eine Art Naturgesetz, genauso wie Feuer heiß ist und alles, was man in die Luft wirft, irgendwann wieder zu Boden fällt. Tatsächlich ist die leuchtend orangene Farbe aber häufig bloß den Erwartungen des Verbrauchers geschuldet, der glaubt, die Orange müsse auch so aussehen, wie sie heißt.

 

Beim Gang durch den Supermarkt stechen sie wegen ihrer leuchtenden Farbe sofort ins Auge: Orangen. Vor allem in subtropischen und tropischen Anbaugebieten sind die Zitrusfrüchte jedoch grün bis gelb. Orange Orangen sind dort so unbekannt wie hierzulande grüne Orangen. Die kräftige orange Färbung entsteht nämlich erst in kühlen Nächten, in denen die Temperaturen für mehrere Stunden unter 17 Grad Celsius sinken. Hierdurch wird das grüne Chlorophyll abgebaut und die ebenfalls enthaltenen Carotinoide treten hervor.

 

Grüne Orangen wären Ladenhüter

„Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht!“ Dieses Sprichwort ist wenig schmeichelhaft, entbehrt aber nicht der Wahrheit. Denn grüne Orangen fänden hierzulande kaum Abnehmer. Viele Verbraucher würden sie fälschlicherweise schlicht für unreif halten. Und es wird nicht viel getan, um dieses Missverständnis aufzuklären – ganz im Gegenteil. Jahrzehntelang wurden Orangen in der EU weniger nach Süße- und Säureverhältnis klassifiziert, sondern nach ihrer Farbe. So durfte höchstens ein Fünftel der Oberfläche grün sein, damit die Frucht in den Verkauf kam.

 

Satte Farbe ist häufig Ergebnis einer aufwendigen Nachbehandlung

Diese Regelung war ganz im Sinne der südeuropäischen Erzeugerländer, die eigens hierfür kräftig investiert haben. Denn selbst Orangen aus dem Mittelmeerraum werden erst ab Januar auf natürliche Weise orange. Die Saison beginnt aber bereits im November, weshalb vor allem bei der frühen Ernte etwas nachgeholfen werden muss: Um eine einheitliche Färbung zu gewährleisten, werden die grünen Früchte mit dem Pflanzenhormon Ethylen begast. Das hat letztlich denselben Effekt wie die kühlen Nächte. Allerdings nicht ganz ohne Nebenwirkungen.

 

Qualitätseinbußen werden in Kauf genommen

Durch die Entgrünung altern die Früchte schneller und büßen an Aroma ein. Außerdem wird die natürliche Schutzschicht der Schale abgewaschen, wodurch Kälte und Schimmelpilze leichteres Spiel haben. Um das zu kompensieren, wird eine künstliche Schutzschicht aufgebracht. Häufig handelt es sich dabei um mit Pestiziden und Fungiziden versetztes Wachs, das beim Schälen an den Fingern haften bleibt. Verbraucher sollten daher auf Bio-Qualität achten. Diese Früchte wurden zwar eventuell entgrünt, aber zumindest nicht mit Pflanzenschutzmitteln behandelt.

 

 

 

 

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