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Wintertauglich?

Die kalte Jahreszeit ist eine Herausforderung für den Organismus. Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen müssen nun noch mehr auf sich achten.

 

Das Grau schlägt auf die Stimmung, die Kälte auf die Knochen, Erkältungsviren und COVID-19 versuchen, unsere Atemwege zu entern. Man träumt von Sonne und Wärme oder sehnt sich nach den heißen Tagen des Sommers zurück. Im November stehen die meisten kalten Monate noch bevor. Wer kann, flieht auf eine Stippvisite in den Süden. Doch das Gros der Bevölkerung muss hier aushalten und sich wappnen, um gesund durch den Winter zu kommen. 

 

Damit wir überlebensfähig sind, hat unser Körper in seiner Entwicklungsgeschichte grandiose Anpassungsleistungen vollbracht. So haben wir beispielsweise eine innere Uhr entwickelt, die unseren Tag-Nacht-Rhythmus steuert, ein kompliziertes hormonelles System, das unsere Fortpflanzung sichert, oder ein komplexes Immunsystem, das dafür sorgt, dass wir gefährlichen Keimen etwas entgegensetzen können. 

Unser Organismus ist nicht nur an den Wechsel von Tag und Nacht, sondern auch an den Wechsel der Jahreszeiten angepasst. Forscher fanden heraus, dass die Aktivität der Gene einem jahreszeitlichen Muster folgt. Einige der Gene, die im Winter aktiver sind, spielen oft eine wichtige Rolle im Immunsystem und sind an entzündungsfördernden Vorgängen beteiligt. Außerdem fanden die Wissenschaftler im Fettgewebe Hinweise darauf, dass dort im Winter mehr Signalmoleküle produziert werden, die das Immunsystem befeuern. Die Natur hat uns also gut auf unseren Kampf gegen Krankheitserreger vorbereitet. Doch weil das eine kräftezehrende Angelegenheit ist, braucht das Immunsystem unsere volle Unterstützung, um uns bestmöglich zu schützen.  

 

Raus an die frische Luft

Auch wenn es an kalten Tagen schöner ist, auf der Couch zu sitzen – der tägliche Aufenthalt an der frischen Luft ist gute Übung für die Abwehrkräfte. Die Kältereize fördern die Durchblutung der Schleimhäute und stärken ihre Widerstandkraft gegen Erkältungserreger. Außerdem ist die Außenluft feuchter als die trockene Raumluft, ein weiterer Vorteil. Denn die trockene Heizungsluft in der Wohnung schränkt die Funktion der Flimmerhärchen auf den Schleimhäuten ein. Sie können Bakterien und Viren dann nicht schnell genug abtransportieren, bevor sie sich festsetzen und eine Infektion auslösen. 

Sinken die Temperaturen allerdings sehr stark unter den Gefrierpunkt, sollten beim Spaziergang die Atemwege mit einem Schal vor Mund und Nase geschützt werden. Denn eine zu lange Kälteeinwirkung kann die Abwehrkräfte der Schleimhaut auch herabsetzen. Gut geschützt kann der Spaziergang dann ruhig etwas länger dauern. Beim Aufenthalt an der frischen Luft wird – besonders wenn die Sonne scheint – Vitamin D gebildet. Auch im Winter. Vitamin D stimuliert die Fresszellen im Blut. Das wirkt sich positiv auf die Abwehr von Krankheitserregern aus. Hinzu kommt: Tageslicht wirkt sich positiv auf die Stimmung aus. Das beugt dem Winterblues vor. 

 

Regelmäßig leichte Bewegung

Mit Bewegung lässt sich nicht nur vielen Zivilisationserkrankungen und Übergewicht die Stirn bieten, sie stimuliert auch das Immunsystem. Menschen, die regelmäßig Sport treiben, sind weniger anfällig für Erkältungen als Bewegungsmuffel. 

Um das Immunsystem fit zu machen, muss kein Leistungssport betrieben werden. Schon tägliche Bewegung, wie Radfahren zur Arbeit, Treppensteigen oder abendliche Spaziergänge, stärken seine Abwehrkraft. Absolvieren Sie lieber regelmäßige, leichte Bewegungseinheiten als zwei Stunden Powertraining am Wochenende. 

 

Heiß und kalt im Wechsel

Wer regelmäßig in die Sauna geht, wird seltener krank. Der vorübergehende Anstieg der Körpertemperatur in der Sauna und der anschließende Gang ins Tauchbad machen den Erkältungserregern das Leben schwer und stimulieren das Immunsystem. Einen ähnlichen Effekt haben Wechselduschen. Der Wechsel zwischen heißen und kalten Güssen stärkt die Abwehrkräfte, fördert die Durchblutung, regt den Stoffwechsel an und beugt Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor. So bereiten Sie den Körper optimal auf die bevorstehende Kälte vor. Wer kalte Duschen nicht gewohnt ist, kann sich Stück für Stück herantasten. Zunächst kalte Güsse bis zur Wade, dann die Beine bis zu den Oberschenkeln, schließlich kommen die Arme und dann der samte Rumpf dazu. Anfangs kostet es vielleicht etwas Überwindung. Aber schon nach kurzer Zeit sorgt der morgendliche Frischekick für einen energiegeladenen Start in den Tag. 

 

Das Immunsystem von innen unterstützen

Eine gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse hilft, die kalten Tage besser zu überstehen. Denn Pflanzen enthalten Vitamine, Mineralien und Spurenelemente sowie sekundäre Pflanzenstoffe, die die Abwehrkräfte stärken. Eine besondere Rolle spielt dabei das Vitamin C. Es sollte auch im Winter kein Problem sein, den täglichen Bedarf zu decken, denn nun haben viele Zitrusfrüchte Saison. Daneben gibt es die Vitamin-C-reichen Wintergemüse, wie Rosenkohl, Rotkohl und Grünkohl. 

 

Schon 100g Rosenkohl decken den Tagesbedarf eines Erwachsenen. Neben Vitamin C enthält Kohl die Vitamine A und B, Kalzium, Eisen, Magnesium und Folsäure. Er ist kalorienarm, aber dafür reich an Ballaststoffen. Eine weitere Vitamin-C-Bombe ist Sauerkraut, das zudem durch seine Milchsäuregärung die Gesundheit des Darms unterstützt, der ja bekanntlich zu einem intakten Immunsystem beiträgt. Des Weiteren dürfen auch Kartoffeln, Brokkoli, Spinat, Steckrüben, Kürbis, rote Beete oder Gemüsepaprika gerne öfter auf dem Tisch stehen. Viele Gemüsesorten, die im Winter angeboten werden, eignen sich auch für die Zubereitung als Ofengemüse oder als wärmende Suppen. 

 

Daneben gibt es auch zahlreiche immunstimulierende Heilpflanzen, die als Tropfen oder Kapseln eingenommen werden können. Weil sie eine Weile brauchen, bis sie ihren Effekt entfalten, muss man rechtzeitig mit der Einnahme beginnen, um gut durch den Winter zu kommen. Und nicht vergessen, ausreichend zu trinken, auch wenn das Durstgefühl im Winter nicht so ausgeprägt ist wie im Sommer. Gerade die Schleimhäute der Atemwege brauchen nun reichlich Feuchtigkeit, um zuverlässig zu funktionieren. Am besten eignen sich Kräuter- und Früchtetees sowie Wasser. 

 

Auch an die äußere Hülle denken

Gesicht, Lippen und Hände sind der kalten Witterung besonders ausgesetzt. Weil die Talgdrüsen der Haut bei Kälte weniger schützendes Hautfett produzieren, kann die Haut in der kalten trocken Außenluft schneller austrocknen. Und die Haut ist unsere erste Barriere gegen schädliche Keime. Schützende reichhaltige Cremes für Gesicht und Hände können das Austrocknen verhindern. Es gibt spezielle Kälteschutzcremes, die nur sehr wenig oder gar kein Wasser enthalten. Sie sind für den Aufenthalt im Freien bei niedrigen Temperaturen gedacht. Wer sie in Innenräumen auf der Haut lässt, riskiert allerdings einen Wärmestau und damit Hautunreinheiten. Nach dem Spaziergang sollten sie wieder schonend entfernt werden.

 

Raue Hände sind im Winter an der Tagesordnung. Das kann vermeiden, wer regelmäßig Handschuhe trägt und die Hände mit einer guten Handcreme pflegt. Am Abend oder über Nacht darf die Creme ruhig dicker aufgetragen werden. Die empfindlichen Lippen können mit einem Lippenpflegestift geschützt werden. 

 

Auch dem Haar setzen Wind und Kälte zu, Mützen laden die Haare statisch auf. Genau wie die Haut reagiert auch das Haar empfindlich auf krasse Temperaturwechsel. Um zusätzliche Austrocknung durch Föhn und heißes Wasser zu vermeiden, ist es im Winter besser, das Haar einfach bei Raumtemperatur an der Luft trocknen zu lassen. Ein gutes Pflegeshampoo und anschließende Pflegespülung machen das Haar glänzend und leichter kämmbar. 

An kalten Tagen in einem heißen Bad zu liegen – was gibt es Schöneres? Doch für die Haut bedeuten ausgedehnte Schaumbäder Zusatzstress, denn heißes Wasser trocknet die von Temperaturwechseln strapazierte Haut nun zusätzlich aus. Ein Bad sollte nicht zu lange dauern und nicht zu heiß sein. Anschließend bekommt die Haut dann eine Extraportion Körperlotion. 

 

Genügend Schlaf 

Wenn wir krank sind, schlafen wir viel und haben das Bedürfnis, uns auszuruhen. Dieser Mechanismus ist sinnvoll, denn im Schlaf hat der Körper die Möglichkeit, sich zu regenerieren. Im Winter, wenn das Immunsystem unter Hochdruck arbeiten muss, um uns vor allen möglichen Keimen zu beschützen, ist ausreichend Schlaf eine wichtige Gesundheitsprophylaxe. Denn guter Schlaf unterstützt das Immunsystem. Schlechter Schlaf schwächt dagegen die Arbeit der Abwehr-Immunzellen, sie haben dann größere Probleme, infizierte Zellen zu finden und abzutöten. Achten Sie darum besonders in der dunklen Jahreszeit auf Ihre innere Uhr und gehen Sie abends schlafen, wenn Sie müde sind. Sorgen Sie dafür, dass Sie ausreichend Schlaf bekommen. Schlaf ist die beste Medizin, sagt der Volksmund. 

 

Zwischendurch zur Ruhe kommen

Versuchen Sie, Stress so gut es geht zu vermeiden, denn auch er belastet das Immunsystem und schwächt es. Gönnen Sie sich regelmäßige Auszeiten, in denen Sie entspannen. Ob Sie dabei ein Buch lesen, meditieren, Musik hören oder Yoga-Übungen machen – Hauptsache, Sie kommen runter. Vermeiden Sie alles, was Ihr Immunsystem schwächt. Dazu gehören auch Nikotin und übermäßiger Alkoholkonsum. In der dunklen Jahreszeit können ätherische Öle zum Wohlbefinden beitragen, denn Düfte wirken über die Nase unmittelbar auf das Gehirn und damit auf unser Nervensystem. Aromen wie Mandarine oder Orange wirken nicht nur wärmend, sondern hellen auch die Stimmung auf. Pfefferminze oder Zitrone unterstützen die Konzentrationsfähigkeit, sie wirken dazu erfrischend, befreiend und belebend. Und nach einem stressigen Tag hilft Lavendel beim Relaxen. 

 

Vorsicht bei Vorerkrankungen

Während bei gesunden Menschen im Winter hauptsächlich das Immunsystem unter Druck gerät und damit ihre Infektanfälligkeit steigt, müssen chronisch Erkrankte nun besonders auf sich achten. Denn die niedrigen Temperaturen wirken sich zusätzlich auf ihre bestehenden Schwachstellen aus. Bei Kälte stellt der Körper die Gefäße in Händen und Füßen enger, damit er seine innere „Betriebstemperatur“ von 36 bis 37 Grad konstant halten kann. Nur so können alle lebenswichtigen Organe versorgt werden. Für Menschen, die beispielsweise wegen einer Arteriosklerose ohnehin schon verengte Gefäße haben, kann das fatal enden. Im schlimmsten Fall drohen Schlaganfall oder Herzinfarkt, bei einer vorliegenden koronaren Herzerkrankung kann es zu einer Angina pectoris kommen. 

 

Menschen mit Herzerkrankungen müssen bei kaltem Wetter nicht zu Hause bleiben, aber sie sollten besonders auf sich achten und nichts übertreiben. Auf schweißtreibende Anstrengungen, wie etwa Schneeschippen, sollten sie lieber verzichten. 

Ähnlich sieht es mit den sowieso schon verengten Gefäßen von Lungenpatienten aus. Beim Einatmen der kalten Luft ziehen sich die Bronchien noch mehr zusammen und sie haben noch mehr mit Atemnot oder Hustenattacken zu kämpfen. 

Gefährlich werden die niedrigen Temperaturen auch für Diabetiker. Da sie häufig unter Empfindungsstörungen leiden, kann es bei ihnen zu Erfrierungen an den Gliedmaßen kommen, weil sie die Kälte einfach nicht richtig spüren. 

 

Vorerkrankte sollten darum ein besonderes Augenmerk auf wettertaugliche Kleidung richten, Handschuhe tragen sowie Hals und Mund mit einem Schal bedecken. So wird die kalte Luft etwas vorgewärmt, bevor sie auf die Lunge trifft. Kopfbedeckungen, warme Socken und gefütterte Schuhe – bei Vorerkrankungen ist es wichtig, sich vor Kälte zu schützen. Dann steht auch an frostigen Tagen einem Aufenthalt im Freien nichts im Wege. 

 

Ein Tipp

Sobald Sie merken, dass Sie etwas „ausbrüten“, stellen Sie Ihr Bewegungsprogramm, Saunabesuche oder Wechselduschen vorübergehend ein. Denn um das Immunsystem nicht zusätzlich zu fordern, sollten Sie Ihren Kreislauf nicht überlasten. 

 

 

 

 

 

 

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