©hailey_copter_AdobeStock

 

Das tut weh!

Vom Umgang mit Schmerzen

 

So unangenehm sie auch sein mögen, sind Schmerzen dennoch für unser Leben wichtig. Denn sie haben eine unverzichtbare Warnfunktion, die den Körper vor schwereren Verletzungen schützt. Wenn man sich an einem spitzen Gegenstand sticht oder sich an einer heißen Herdplatte verbrennt, sind sie sofort da und sorgen so dafür, dass man die Hand schnell zurückzieht und damit weitere Schädigungen vermeidet.

 

Sind bereits größere Verletzungen des Gewebes oder der Knochen entstanden, hilft der Schmerz zudem bei einer ungestörten Heilung. Denn er hindert den Betroffenen daran, die Wunde anzufassen oder das verletzte Körperteil zu bewegen. Wie wichtig das im Alltag ist, zeigt beispielsweise eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Jena über Menschen, die durch einen sehr seltenen Gendefekt keinerlei Schmerzen spüren. Weltweit gibt es davon nach aktuellen Angaben rund 100 Personen. Positiv ist dies für diese Personen dennoch kaum. Denn weil sie nicht durch Schmerz gelernt haben, was für ihren Körper gefährlich ist, weisen sie eine deutlich höhere Unfallhäufigkeit als ihre Mitmenschen auf.

 

Selbstmedikation hilft, …

Aber das sind wirklich die Ausnahmen. Und für akute Schmerzen gibt es eine Vielzahl – teilweise rezeptfreier – Medikamente, die den Betroffenen das Leben im Falle des Falles erträglicher machen.

Richtig und vor allem nur kurzfristig eingenommen, stellen diese auch in der Regel kein Problem dar. Nimmt man sie dagegen in zu hohen Dosierungen oder zu lange ein, kann dies zu erheblichen Nebenwirkungen führen, die letztlich auch chronische Schmerzen verursachen können.

 

… wenn man die richtige Dosierung beachtet

Wie wirksam ein Arzneimittel ist, hängt insbesondere von der Menge des Wirkstoffs ab. Das gilt auch für Schmerzmittel (Analgetika). In geringer Dosierung sind sie ohne Rezept, mit mehr Wirkstoff dagegen nur auf ärztliche Verschreibung erhältlich. Denn wenn ein Medikament stärker ist, steigt natürlich auch das Risiko der Nebenwirkungen.

Das sollten auch alle Menschen beachten, die gerne einmal mehr zu Analgetika greifen. Grundsätzlich gelten für die gebräuchlichsten Schmerzmittel folgende Werte:

  • Acetylsalicylsäure (in einer Dosierung bis zu 500 mg pro Tablette)
  • Diclofenac (bis zu 25 mg pro Tablette)
  • Ibuprofen (bis zu 400 mg pro Tablette)
  • Naproxen (bis zu 250 mg pro Tablette)
  • Paracetamol (bis zu 1.000 mg pro Tablette bis höchstens 10 g pro Packung)

Ist die Dosierung stärker, sind die Präparate verschreibungspflichtig. Denn sie wirken nicht nur stärker, sondern haben auch mehr Nebenwirkungen. Wer also rezeptfreie Medikamente kauft, davon dann aber gleich mehrere Tabletten auf einmal und das dann auch noch über einen längeren Zeitraum einnimmt, geht damit durchaus ein Risiko ein.

Grundsätzlich gilt, dass Schmerzmittel ohne ärztliche Verordnung nicht länger als drei Tage hintereinander und nicht häufiger als an zehn Tagen pro Monat eingenommen werden sollten. Wer dagegen länger Schmerzmittel benötigt, sollte mit seinem Arzt sprechen.

 

Kopfschmerz durch Schmerzmittel

Denn – was kaum jemand weiß: Nimmt man Analgetika in höherer als der empfohlenen Dosierung ein, kann dies sogar Schmerzen auslösen. Dazu gehört unter anderem der sogenannte schmerzmittelinduzierte Kopfschmerz. Für ihn kann bei häufigem Analgetika-Gebrauch unter anderem sprechen, wenn die Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen pro Monat auftreten, es sich um drückende oder beengende (nicht pulsierende) Schmerzen von leichter bis mittlerer Stärke handelt und diese an beiden Seiten des Kopfes vorhanden sind. Spätestens dann ist ein Gang zum Arzt unverzichtbar. Im Fall des Falles kann es im Zweifel dann ziemlich langwierig sein, diese Art von Schmerzen wieder zu beseitigen.

 

Auf Nebenwirkungen achten

Die am häufigsten verwendeten rezeptfreien Schmerzmittel gehören der Gruppe der sogenannten nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) an. Der Name entstand, weil Medikamente dieser Gruppe früher vor allem zur Behandlung von rheumatischen Schmerzen eingesetzt wurden und sie im Gegensatz zu anderen Präparaten keine Steroide enthalten, die eine muskelaufbauende Wirkung haben. Dazu gehören beispielsweise Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen. Eingesetzt werden sie heute vor allem bei Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Regelbeschwerden oder auch Zahnschmerzen. Zudem sind die NSAR entzündungshemmend und haben eine fiebersenkende Wirkung. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Magenprobleme, die von Magenverstimmungen und Bauchschmerzen bis hin zu Magengeschwüren, Schädigungen der Nieren, Schleimhautentzündungen und Blutungen im Magen-Darm-Trakt reichen können.

 

Um den Magen zu schützen, werden oft zusätzlich sogenannte Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol oder Pantoprazol eingesetzt. Dies ist beim kurzfristigen Gebrauch im Rahmen der Selbstmedikation aber meist nicht erforderlich. Über längere Zeit und in zu hoher Dosierung eingenommen, können NSAR wie Diclofenac aber auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigern. Eine Beratung durch Arzt oder Apotheker vor der Einnahme empfiehlt sich also auf jeden Fall – auch wenn man die Präparate selbst ohne Rezept in der Apotheke kauft. Sehr häufig wird zudem Paracetamol verwendet, das zwar auch fiebersenkend ist, aber keine entzündungshemmende Wirkung hat. Allerdings ist auch dieser Wirkstoff nicht ohne, da er über die Leber abgebaut wird und diese bei zu hoher Dosierung schwer schädigen kann. Für Kinder gelten niedrigere Dosierungen. Diese sind genau auf der Packungsbeilage (Beipackzettel) aufgeführt und sollten im Interesse der Kleinen auch beachtet werden. Viel hilft nicht immer viel.

 

So wenig wie möglich, so viel wie nötig

Darüber hinaus sind noch Kombinationen von Wirkstoffen in der Apotheke erhältlich, die allerdings manchmal in die Kritik geraten. Das Prinzip: So wenig wie möglich, so viel wie nötig, ist dafür eine gute Faustregel. Zudem sollte man Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten beachten und prüfen. Und im Zweifel gibt es ja auch noch den Rat der Fachleute wie Ärzte und Apotheker. Letztere sind vor allem bei der Selbstmedikation nicht nur zur Beratung verpflichtet, sie helfen ihren Kundinnen und Kunden auch gerne mit ihrem laienverständlich erklärten Expertenwissen weiter.

 

Wenn die Selbstmedikation ausgereizt ist

Doch auch wenn die Präparate zur Selbstmedikation ausgereizt sind, muss in Deutschland kaum jemand Angst haben, den quälenden Begleiterscheinungen seiner Krankheit hilflos ausgeliefert zu sein. Zum einen gibt es eine ausreichende Vielfalt an sehr starken Schmerzmitteln wie beispielsweise Opioide.

Da diese teilweise abhängig machen können, sind hierfür spezielle Betäubungsmittelrezepte erforderlich, die sowohl in der Arztpraxis als auch in der Apotheke besonders dokumentiert werden müssen. Anders als die Mittel zur Bekämpfung des akuten Schmerzes werden sie vor allem dann eingesetzt, wenn der Schmerz bereits chronisch geworden ist. Ausgehend von Grunderkrankungen wie Rückenleiden, Arthrose, rheumatoider Arthritis, Diabetes oder auch Krebs haben sie zu einem Lernprozess des Nervensystems geführt, der sich tief in das Schmerzgedächtnis des Körpers einbrennen kann. Und sie sind keine Seltenheit. Nach Angaben der Deutschen Schmerzgesellschaft leiden in Deutschland mindestens 12 Millionen Menschen an Schmerzen. Dabei hat der chronische Schmerz seine biologische Warnfunktion verloren. Er ist, wie es manche Schmerztherapeuten sagen, ein im Gehirn festgesetztes, sozusagen grundloses Leiden. Einfacher wird es dadurch für die Betroffenen aber nicht. Im Gegenteil: Sie fühlen sich nicht nur von ihrem Umfeld, sondern teilweise auch von ihren Ärzten unverstanden. Zu den Schmerzen gesellen sich so psychische Belastungen, die neben Schlafstörungen und Ängsten auch zu Depressionen führen können.

 

Wo gibt es qualifizierte Hilfe?

Denn auch wenn es hierfür inzwischen eigene Weiterbildungen gibt, hinkt Deutschland auf diesem Gebiet anderen Ländern immer noch hinterher. Dennoch gibt es inzwischen mit teilweisen Lücken auf dem Lande nahezu flächendeckend Hilfen. Immerhin hat sich ein Netz von einer vierstelligen Zahl an niedergelassenen Schmerzmedizinern entwickelt, das durch inzwischen rund 150 sogenannte Schmerzzentren ergänzt wird. Deren Adressen findet man beispielsweise auf der Webseite der Deutschen Schmerzgesellschaft (DGS).

Auf den Internetseiten der Kassenärztlichen Vereinigungen bzw. der Kassenärztlichen Bundesvereinigung kann man zudem lesen, welche Ärztinnen und Ärzte sich auf die Spezielle Schmerztherapie konzentrieren. Um die Adressen von Selbsthilfegruppen zu erfahren, können Schmerzpatienten zudem die Internetseiten der Kontaktstelle NAKOS, des Vereins SchmezLOS e.V. oder der Deutschen Schmerzliga nutzen. Die Deutsche Gesellschaft für Psychologische Schmerztherapie und Forschung e. V. hilft bei der Suche nach psychologischen Schmerztherapeuten, die Webseite www.rehazentren.de bei der nach speziell auf Schmerzen spezialisierten Rehakliniken weiter.

 

Teamwork verschiedener Fachrichtungen

Inzwischen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Therapie von Menschen mit chronischen Schmerzen keine Domäne für Einzelkämpfer ist. Sie ist gerade bei komplexen Schmerzen vielmehr umso erfolgversprechender, je mehr spezialisierte Therapeutinnen und Therapeuten daran beteiligt sind. Experten sprechen in diesem Zusammenhang von einer multimodalen Schmerztherapie. Dahinter steht ein Konzept, bei dem alle Behandler ihre Therapien mit- und aufeinander abstimmen.

So wird beispielsweise die Arbeit von Schmerz-, Physio- und Psychotherapeuten miteinander kombiniert. In der Konsequenz werden so in einem ganzheitlichen Ansatz neben der rein körperlichen auch die psychische und die soziale Ebene der Patienten berücksichtigt. Nicht medikamentöse Verfahren werden dabei nicht als Alternative, sondern als Ergänzung zur klassischen Arzneimitteltherapie betrachtet. Eine weitere Voraussetzung für den Erfolg dieser Therapien ist aber auch die aktive Mitwirkung der Patienten selbst. Letztlich müssen sie dazu bereit und in der Lage sein, wieder in die Bewegung zu kommen sowie ihre chronische Schmerzerkrankung selbst verbessern zu wollen. Eben dabei helfen auch aktive Verfahren wie Physio-, Psycho- oder Ergotherapie – wenn sie sinnvoll kombiniert sind.

 

Dies kann im Einzelfall ein längerer Weg sein, der einiges abverlangt. Am Ende kann dann aber der Lohn winken, dass man seinen Körper besser versteht und Ängste verliert. Greifen dann die Therapien, nehmen die Betroffenen endlich wieder aktiver am Leben teil und empfinden nach Jahren der Zurückgezogenheit auch wieder Freude daran, gemeinsam mit Familie oder Freunden das Leben wieder zu genießen.

 

 

 

 

 

 

Startseite