©LIGHTFIELD-STUDIOS_AdobeStock

 

Im Alter selbstbestimmt bleiben!

Grundsätzlich ist im Alter alles möglich. Dazu gehört auch, selbstständig und unabhängig zu bleiben. Denn wer ein Leben lang Entscheidungen selbst getroffen hat, möchte das Heft im  Alter nicht aus der Hand geben. Manchmal reicht schon ein  wenig Unterstützung, um als betagter Mensch in den eigenen vier Wänden ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Rechtzeitige Planung kann das spätere Leben erleichtern.

 

In zehn Jahren wird rund ein Drittel der Gesellschaft aus Seniorinnen und Senioren bestehen. 6,1 Millionen von ihnen werden 80 Jahre oder älter sein. Hat Statistische Bundesamt berechnet. Viele werden Unterstützung brauchen, aber dennoch in den eigenen vier Wänden bleiben wollen. Das wirft grundsätzliche Fragen auf, beispielsweise ob das Leben auf dem Land oder in der Stadt lebenswerter ist.

In der Stadt bietet die Infrastruktur Vorteile, auf dem Land sind möglicherweise die sozialen Bindungen enger und die Nachbarschaftshilfe funktioniert besser. Möchte man lieber allein in der vertrauten Wohnung bleiben oder wäre ein Wohnprojekt mit mehreren Generationen eine Möglichkeit, der Alterseinsamkeit entgegenzuwirken? Soll man die vertraute Umgebung aufgeben und in die Nähe der Kinder ziehen? Irgendwann muss sich jeder Mensch mit diesen Fragen auseinandersetzen.  Und – wie kann ich mir im Alltag helfen, um zurechtzukommen?

 

Viele ältere Menschen sind heute fit und beweglich und dennoch erlegt das Alter dem Körper gewisse Einschränkungen auf. Trotz aller Fitness wird es dann schwieriger, sich zu bücken, das Treppensteigen geht nicht mehr so flott, das eine oder andere Zipperlein macht sich bemerkbar. Je besser begehbar eine Wohnung ist, umso einfacher kommen ältere Menschen mit ihren Handicaps zurecht. Umbaumaßnahmen sind im Hinblick auf eine barrierefreie Wohnsituation eine Investition, die sich auszahlt und im Alter die Lebensqualität erhöht, manchmal reichen aber auch schon kleine Veränderungen aus.

 

Beim Wohnen heißt das Stichwort: Barrierefreiheit

 

Ganz Clevere richten schon bei der Familiengründung den Hausbau auf spätere Bedürfnisse aus. Wohnräume ohne Schwellen oder bodengleiche Duschen sind nicht nur praktisch und barrierefrei, sondern wirken auch großzügiger. Doch der Blick in eine barrierefreie Zukunft ist eher die Ausnahme als die Regel. Mit Mitte 20 hat man definitiv andere Sorgen. Wer nicht vorausschauend plant, muss im Alter dann häufig nachbessern.

 

Steile oder enge Treppen, Türschwellen, zu schmale Türen, hohe Badewannenränder bewältigen junge Menschen, ohne darüber nachzudenken. Im Alter werden sie zunehmend zu lästigen und gefährlichen Hindernissen. Manche Barrieren, die eine Wohnung in einen Hürdenlauf verwandeln, lassen sich problemlos selbst entfernen.

Überflüssige Möbelstücke, um die man herum gehen muss, oder Teppiche, deren Ränder Stolperfallen darstellen, lassen sich leicht mit der Hilfe von Familienangehörigen entfernen. Schränke können so eingerichtet werden, dass Gegenstände des täglichen Gebrauchs oder beispielsweise Bett- und Tischwäsche bequem in einer aufrechten Position entnommen werden können. Stabile Sitzgelegenheiten, um sich die Schuhe anzuziehen, ein Sitzhocker in der Dusche oder ein Haltegriff neben der Toilette, der das Aufstehen erleichtert, geben mehr Sicherheit und sind einfach selbst aufzustellen oder anzubringen. Manchmal reicht es schon, mit einem Aufsatz den Toilettensitz zu erhöhen. Griffe, die mit Gummisaugern an der Wand befestigt werden, sind nicht empfehlenswert. Sie können abreißen, wenn sie nicht richtig sitzen und im Notfall das gesamte Körpergewicht halten müssen. Hier sollte ein Handwerker oder Familienangehöriger Haltegriffe fest an der Wand montieren. Gleiches gilt für Handläufe im Treppenhaus, die möglichst beidseitig angebracht werden sollten, oder bei einer Anpassung der Arbeitsplattenhöhe in der Küche.

 

Im Zweifelsfall den Fachmann fragen

 

Werden grundsätzliche Umbaumaßnahmen erforderlich, weil etwa Treppen unüberwindlich werden und ein Treppenlift eingebaut werden soll, Rampen angebaut werden müssen, eine Badewanne durch eine bodengleiche Dusche ersetzt oder gar das Bad von der ersten Etage ins Erdgeschoss verlegt werden soll, muss ein professioneller Umbau erfolgen. Hier ist dann der Fachmann gefragt.

Wer sichergehen will, kann sich zuvor bei einer professionellen Wohnungsberatung schlau machen, die nicht nur bei den baulichen Maßnahmen berät, sondern auch weiß, ob es Hilfsmittel es gibt, die den Alltag auch ohne Umbau erleichtern können. Zuschüsse oder zinsgünstige Darlehen für eine Modernisierung des Wohnraums beziehungsweise seine barrierefreie Umrüstung vergibt die Kreditanstalt für Wiederaufbau im Rahmen des Programms „Altersgerecht Bauen“.  Informationen zum KfW-Programm „Altersgerecht Umbauen“ gibt es unter: https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Privatpersonen/Bestandsimmobilien/Finanzierungsangebote/Altersgerecht-umbauen-(159)/index-2.html. Professionelle Wohnberatungsstellen in der näheren Umgebung findet man unter www.bag-wohnungsanpassung.de.

 

In der Küche: auf Augenhöhe mit den Elektrogeräten bleiben

 

Je älter man wird, umso schwieriger werden die alltäglichen Arbeitsabläufe. Plötzlich stellt man fest, dass es keine gute Idee ist, wenn schwere Töpfe im unteren Teil des Schranks untergebracht sind und man sich jedes Mal mit einem schweren Topf in der Hand aufrichten muss. Oder dass die niedrige Höhe der Arbeitsplatte Rückenschmerzen hervorruft.

Wie sieht eine altersgerechte Küche aus, die beim selbstbestimmten Wohnen unterstützt? In einer altersgerechten Küche sind die Laufwege sowie die Entfernungen zwischen notwendigen Arbeitsgeräten wie Herd, Kühlschrank und Spüle kurz. Abstellflächen sind in diesen Bereichen ausreichend vorhanden. Schwere Einkaufstaschen müssen nicht mühsam hochgehievt, sondern können in Greifhöhe abgestellt werden. Der Kühlschrank befindet sich auf Augenhöhe. Auch andere häufig genutzte Elektrogeräte sind auf Augenhöhe gebracht – vom Backofen bis zur Spülmaschine. In vielen modernen Küchen ist das bereits der Fall. Denn auch jüngere Menschen wollen ergonomisch arbeiten.

Rückengerecht sind Hochschränke, die das beschwerliche Bücken vermeiden. Einlegeböden aus Glas in den oberen Fächern erleichtern den Überblick und machen unnötige „Kletterpartien“ überflüssig. Ergonomisch sind Arbeitsplatten entweder ohne Unterschränke oder mit stark zurückgesetzten Unterbauten. Sie erlauben es, näher an der Arbeitsplatte und damit aufrecht zu stehen oder auch im Sitzen zu arbeiten. Schranktüren haben Griffe, die ein einfaches, kraftsparendes Öffnen der Tür erlauben.

Manchmal sind es unauffällige Dinge, die das Leben erleichtern. Verändert man sie, fragt man sich, warum man nicht schon früher auf diese gute Idee kam. Beispielsweise den Abfalleimer hochzustellen oder einen Behälter für Biomüll in die Arbeitsfläche so zu integrieren, dass Gemüseabfälle direkt nach dem Schnippeln durch eine Öffnung von oben in einen darunter angebrachten Eimer entsorgt werden können. Der Eimer lässt sich leicht entnehmen und zur Tonne bringen.

 

Kleine Alltagshilfen

Mit Arthrose in den Fingern und nachlassender Muskelkraft wird das Öffnen von Flaschen, Dosen oder Marmeladegläsern zu einer Herausforderung. Dafür gibt es zahlreiche praktische Hilfsmittel, die sich in jeder Küche bequem einsetzen lassen, beispielsweise ein elektrischer Dosenöffner. Die verschiedenen Modelle eignen sich zur Wandmontage, können aber auch als Handapparat eingesetzt werden kann. Praktisch sind Fixierbretter, auf denen mit einem Schieber Gegenstände wie Brot, Schüsseln, Töpfe oder Dosen fixiert werden können, sodass mit einer Hand gearbeitet werden kann, ohne dass Gegenstände verrutschen.

Wenn das Schneiden schwerfällt, weil sich der Messergriff nicht mehr so gut halten lässt, schafft eine elektrische Brotschneidemaschine Abhilfe. Oder Brot und Käse werden einfach gleich geschnitten gekauft. Kartoffeln oder Nudeln abzugießen ist beschwerlich und unfallträchtig. Es muss aber auch nicht sein: Mit einem Siebeinsatz können sie bequem aus dem kochenden Wasser gehoben und abgetropft werden. Für das Hacken von Kräutern oder Zwiebeln eignen sich Wiegemesser mit zwei Griffen besser als ein Messer. Noch praktischer sind kleine Elektrogeräte, die das sozusagen im Handumdrehen übernehmen.

 

Ankleiden

Schuhe und Strümpfe anzuziehen wird kompliziert, wenn die Beweglichkeit nachlässt. Hier gibt es zum einen verlängerte Schuhanzieher. Damit schlüpft es sich leicht in Schuhe. Um das lästige Binden zu vermeiden, können Schuhe mit Spiralschnürbändern oder Klettverschlüssen getragen werden. Anziehhilfen für Strümpfe oder für die noch schwieriger anzuziehenden Stützstrümpfe gibt es im Reformhaus. Für alle, die nicht gut aus den Schuhen herauskommen, gibt es ebenfalls ein praktisches Instrument: den Stiefelknecht. Er ist ein wenig aus der Mode gekommen, erlaubt aber das Ausziehen der Schuhe ohne Bücken.

 

Lieferservice

Wenn an manchen Tagen das Kochen schwerfällt, kann  ein Lieferservice eine Option sein. Es gibt Anbieter, die wahlweise täglich eine warme Mahlzeit ins Haus liefern  oder nur an bestimmten Wochentagen. Das lässt sich individuell von Woche zu Woche mit dem Lieferdienst vereinbaren. Auch die Gerichte können immer wieder nach Gusto gewählt werden. Mittlerweile haben auch viele Gaststätten einen Lieferservice und bringen das Gewünschte nach Hause.

Immer häufiger lassen sich Senioren auch vom Supermarkt Lebensmittel liefern und bis an die Haustür oder sogar bis in die Küche bringen. Eine große Erleichterung. Zwar muss dabei eine bestimmte Mindestsumme erreicht werden und für das Liefern bezahlt man einen kleinen Aufschlag. Aber wer es sich leisten kann, sollte diese Dienstleistung nutzen.

 

Hilfen im Haushalt

Man muss kein Pflegefall sein, um sich Hilfe ins Haus zu holen. Wenn keine Kinder da sind oder wenn sie nicht in der Nähe wohnen, kann man sich auch eine Hilfe für den Haushalt stundenweise engagieren. Unterstützung beim Putzen wird am häufigsten in Anspruch genommen. Staubwischen lässt sich meistens noch selbst gut übernehmen. Aber die gründliche Reinigung von Böden, der Küche oder dem Bad ist anstrengend. Genau wie Fenster putzen, Wäsche aufhängen, bügeln oder Betten beziehen. Wer kann, sollte sich bei diesen kraftraubenden Tätigkeiten unterstützen lassen.

 

Autofahren

Viele Senioren wollen nicht auf das Auto verzichten. In ländlichen Regionen ist das nachvollziehbar, weil das öffentliche Verkehrsnetz dort nicht gut ausgebaut ist. Trotzdem ist es irgendwann Zeit, auf das Fahrzeug zu verzichten. Es tut weh, weil das Auto für unsere Gesellschaft das Sinnbild der unabhängigen Bewegungsfreiheit ist. Doch wer einmal genau nachrechnet, wird feststellen, dass es viel Geld spart, das Auto aufzugeben. Mit dem eingesparten Geld lassen sich die unbedingt notwendigen Fahrten auch per Taxi erledigen oder man kann eine Unterstützung im Haushalt bezahlen.

 

Das A&O – ein gut aufgeräumtes Oberstübchen

Was nützen die beste Planung und zahlreiche praktische Helfer, wenn der Kopf nicht mehr mitspielt? Das Alter macht auch vor den grauen Zellen nicht halt. Das Gedächtnis lässt nach, manche Antworten sind nicht mehr so schnell parat, weil die Informationsverarbeitung langsamer wird. Doch das Gehirn ist auch in der Lage, Defizite bis zu einem gewissen Punkt auszugleichen, denn mit dem Alter wächst ja bekanntlich die Erfahrung. Außerdem lässt sich dem normalen Abbauprozess aktiv begegnen – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn wenn sich der Mensch regelmäßig bewegt, bleibt auch sein Gehirn rege.

Und wie der Körper, will das Gehirn gut ernährt werden. Neben einer ausgewogenen, nährstoffreichen Nahrung braucht es abwechslungsreiche geistige Kost: Bücher, Zeitschriften, anregende Gespräche, neue Erfahrungen und Eindrücke, Gedächtnistraining, Sudoku, Musik, eine neue Sprache lernen, Hobbys, Freunde und soziale Kontakte – kurz, alles womit es sich beschäftigen kann. Gehirnjogging sollte deshalb jeden Tag auf dem Plan stehen. Denn ein Kopf lässt umso schneller nach, je weniger er gefordert wird. Und weil das Gehirn im Schlaf seine Informationen verarbeitet und sortiert, sollten auch Senioren genügend schlafen.

 

Mit ein wenig Organisation, Initiative und Unterstützung und gelingt es vielen Senioren, weiterhin in den eigenen vier Wänden zu wohnen, ihre Interessen zu pflegen und unabhängig zu bleiben. Selbst wenn kleine Abstriche gemacht werden müssen, bleibt das Leben so selbstbestimmt und lebenswert.

 

 

 

 

 

 

Startseite