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Fröhliche Weihnachten

Advent, Advent, und viele Lichtlein brennen: Wer durch glitzernde Fußgängerzonen schlendert, in festlich beleuchtete Stuben blickt und vielleicht schon bei Kerzenschein und Punsch die ersten Plätzchen genossen hat, kann sich kaum vorstellen, dass die Adventszeit hierzulande bis ins 7. Jahrhundert hinein eine Fastenzeit war.

 

Das Fasten wünschen sich vermutlich die wenigsten Menschen für die Vorweihnachtszeit zurück. Aber vor dem großen Fest mal einen Gang runterzuschalten täte sicherlich vielen gut. Denn die Erwartungen an das Fest des Friedens und der Familie werden von Jahr zu Jahr größer, beobachtet die Düsseldorfer Psychologin Kathrin Lethert. In Zeitschriften und auf Plakaten sind allerorts dekorierte Wohnungen zu sehen, an denen festlich gekleidete Menschen an schön gedeckten Tischen ausgelassen feiern. Dass es auch einmal Streit geben kann und dass auch in den Wochen vor Weihnachten Wäsche gewaschen, Essen gekocht, Geld verdient und Kinder versorgt werden müssen, das steht nicht in den Magazinen.

Wie gut, dass Stressberaterin Kathrin Lethert und Rosemarie Weber vom DHB – Netzwerk Haushalt einige Möglichkeiten kennen, die (Vor-)Weihnachtszeit ganz besonders zu begehen, ohne sich und andere unnötig in (Vorbereitungs-)Stress zu versetzen.

 

Erwartungen besprechen

Wenn Sie sich auf schöne Weihnachtstage freuen und alles dafür vorbereiten möchten, denken Sie an eine der wichtigsten Festvorbereitungen, rät Kathrin Lethert: „Besprechen Sie mit den Menschen, mit denen Sie feiern möchten, was ihnen jeweils am meisten Freude macht.“ Denn jeder erwartet etwas anderes vom großen Fest. Während die eine sich von den Feiertagen vor allem Erholung verspricht, freut sich der andere auf ausgiebige Besuche und darauf, endlich mal wieder die Enkel, alte Schulfreunde oder Geschwister zu sehen. Während die einen reichlich und aufwendig verpackte Geschenke oder ein besonderes Festessen lieben, bevorzugen die anderen eher Schlichtheit und allenfalls symbolische Gaben.

„Lassen Sie deshalb vergangene Weihnachten in Gedanken Revue passieren. Worüber haben Sie sich am meisten gefreut?“ Das kann ein ausgedehnter Spaziergang mit der entfernt lebenden Schwester gewesen sein, ein fröhliches Festessen mit Kind und Kegel in der Großfamilie oder auch der Besuch der Mitternachtsmesse. Schließen Sie Kompromisse, wenn die Interessen auseinandergehen: Am 1. Feiertag Familientreffen, am 2. Feiertag im kleinen Kreis oder umgekehrt. Oder Sie beherbergen dieses Jahr Gäste aus der Familie, ziehen sich aber nächstes Jahr über die Feiertage – (vielleicht sogar in den Urlaub) zurück.

 

Momente der Energie

Dass der letzte Monat im Jahr für viele eher anstrengend als besinnlich ist, erschwert das In-Sich-Gehen, macht es aber nicht unmöglich. Klar: Da soll beruflich "noch schnell vor den Feiertagen“ ein Projekt fertiggestellt werden, Schüler und Studenten absolvieren kurz vor den Ferien etliche Tests, Referate und Hausarbeiten, und scheinbar nebenbei werden Geschenke besorgt und Kartengrüße verfasst. Während die einen Besuche planen, befürchten andere vielleicht, die Feiertage in Einsamkeit zu verbringen - und obendrein sind fast alle erkältet. Bauen Sie deshalb in Ihren Alltag kleine Entspannungsinseln ein, rät Stressberaterin Kathrin Lethert. „Auch kurze Momente können viel Energie schenken, zum Beispiel wenn Sie sich bewusst die Hände eincremen und dabei mit geschlossenen Augen den Duft einatmen, oder wenn Sie sich eine Kerze anzünden und Ihren Lieblingstee trinken.“

 

Die Adventszeit ist auch die Zeit herrlicher Düfte. Tauchen Sie in die Welt der Gerüche ein: Zimt, Weihrauch, Anis, Bratapfel, getrocknete Orangenschalen, Honig oder Tannenzapfen schaffen Atmosphäre und beeinflussen das Wohlbefinden. Stecken Sie beispielsweise ganz einfach ein paar getrocknete Nelken in eine Orange. Auch der Geschmackssinn lässt sich gerne locken: „Spekulatius oder Lebkuchen isst man ja nicht das ganze Jahr über – lassen Sie sich ihr Aroma langsam auf der Zunge zergehen und sich in vorweihnachtliche Stimmung versetzen“, meint Kathrin Lethert.

 

Gemeinsam wirken

Selbst gebackene Plätzchen? Ein festlich geschmückter Baum? Eleganter Tisch- und Fensterschmuck? Wenn alle das möchten und schätzen, ist es umso schöner, wenn auch alle daran mitwirken, meint Rosemarie Weber vom DHB – Netzwerk Haushalt. Das stärkt die Gemeinschaft und verteilt den Aufwand auf mehrere Schultern. So lässt sich die Weihnachtsbäckerei im Familien- oder Freundeskreis gut zu einem Event umgestalten, bei dem das Miteinander im Vordergrund steht. „Das Backwerk braucht dazu überhaupt nicht ausgefeilt und perfekt zu sein, ein einfaches Rezept reicht vollkommen.“ Auch wenn es um Dekoration oder Weihnachtsessen geht, liegt der Schlüssel zu Entlastung und Vorfreude im Zusammenwirken, meint die Meisterin der Hauswirtschaft. „Mit Familie oder Freunden einen Baum zu schmücken macht Freude, und gleichzeitig können sich alle gleichermaßen einbringen.“ Und Aufgaben übernehmen: Wer kümmert sich um den Baumständer? Wer möchte den Tisch dekorieren? Oder sich um die Getränke, den Nachtisch oder andere Festtagseinkäufe kümmern?

 

Geschenke von Herzen

Schenken ist ein menschliches Grundbedürfnis, und zwar ein sehr schönes. Für viele Menschen irgendetwas Passendes zu finden ist aber zeitaufwendig und geht auch oft genug schief. Dabei muss ja gar nicht jeder jedem etwas schenken. Auch in der Familie kann Wichteln eine schöne Sache sein, empfiehlt Stressberaterin Lethert: Jeder zieht aus dem Lostopf nur eine Person, der er dann eine Freude machen darf. So bekommt zwar nicht jeder etwas von jedem, aber jeder von einer Person ein liebevolles und mit mehr Zeit ausgesuchtes Geschenk.

 

Entziehen Sie sich auch der Eskalationsspirale von „größer, besser, teurer“. Ein paar handgeschriebene Zeilen von Herzen bedeuten dem Empfänger oft mehr als eine weitere aufwendig verpackte Weihnachtskerze. Auch Selbstgemachtes kommt häufig gut an: ob ein Glas eingemachte Zwetschgenmarmelade vom Herbst oder ein vom Nachwuchs gemaltes Bild. „Aber nur, wenn Sie auch selbst Spaß am Werkeln haben“, betont Rosemarie Weber.

Bestimmt gibt es aber etwas, was auch Sie gerne tun – backen, Marmelade einkochen, Obst einmachen, organisieren, gärtnern. Auch ein Gutschein für einen Abend Babysitten, einen gemeinsamen Ausflug oder einen Konzertbesuch ist eine feine Sache.

Die Verpackung braucht dabei überhaupt nicht pompös zu sein: Fotokalenderblätter, originelle Motive aus Magazinen und Zeitungen oder auch Tücher eignen sich hervorragend als Geschenkpapier – und begrenzen darüber hinaus die Abfallflut.

Auch Second Hand zu kaufen und zu verschenken ist eine gute und originelle Idee. Einfach mal in einen Trödelladen gehen und sich inspirieren lassen! Oder Second Hand ganz persönlich: Verschenken Sie Dinge aus Ihrem eigenen Besitz. Zum Beispiel ein Buch, das Sie gern gelesen haben und von dem Sie glauben, dass es gut zu der beschenkten Person passt. Oder die Tasse, die ihr schon immer so gut gefallen hat und von der Sie sich ohne zu großes Leid trennen können.

 

Nachhaltige Weihnachten

Apropos Nachhaltigkeit: Kein anderes Jahr war bislang so von Befürchtungen und Diskussionen zum Thema Klimawandel und Umweltverschmutzung geprägt. Warum nicht zum Fest des Friedens und der Hoffnung ein Signal für mehr Nachhaltigkeit setzen?

 

Zum Beispiel beim Essen

Muss man wirklich so viel davon einkaufen, auch wenn man im Grunde weiß, dass das niemals alles gegessen wird? Wie wäre es, stattdessen realistische Mengen einzukaufen und dafür darauf zu achten, dass die Lebensmittel fair, ökologisch und mit Rücksicht auf das Tierwohl hergestellt wurden? Das passt zum Weihnachtsgedanken und gesünder ist es sicherlich auch.

 

Oder beim Unterwegssein

Gefühlt ist über die Feiertage mindestens jeder zweite auf Reisen - die meisten mit dem Auto. Warum nicht einfach mal die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen? Oder, wenn es zu viel wird, einmal einen Besuch absagen, die Feiertage in Ruhe zu Hause genießen und dabei die Umwelt und die eigenen Nerven schonen?

 

Nächstenliebe leben

Die Hauptakteure der biblischen Weihnachtsgeschichte sind Menschen, denen das Leben nicht gerade prächtig mitgespielt hat. Schauen Sie sich in Ihrer Umgebung nach Menschen um, die sich über Anschluss freuen könnten: Warum nicht den indischen Studienkollegen Ihres Sohnes zur Feier einladen? Oder zum Verwandtentreffen am 1. Feiertag auch die frisch verwitwete Mutter Ihres Schwagers dazubitten? Selbstverständlich nur, wenn auch die anderen einverstanden sind. Die Chance auf eine gute Begegnung, die allen guttut, ist groß.

 

 

 

 

 

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