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Hautsachen

Mit einer Gesamtfläche von eineinhalb bis zwei Quadratmetern ist die Haut das größte Sinnesorgan des Menschen. Sie ermöglicht es uns aber nicht nur, unsere Umwelt zu spüren, sondern schützt uns außerdem vor Krankheitserregern, Parasiten, Austrocknung und dem ebenso lebensnotwendigen wie potenziell schädlichen Sonnenlicht. Und auch das ist noch nicht alles!

 

Häufig sagt man, die Augen seien der  Spiegel der Seele.

Ganz falsch ist das vielleicht nicht. Zutreffender wäre allerdings die Formulierung, die Haut ist der Spiegel der Seele – und unseres gelebten Lebens. Denn was wir gerade fühlen und einmal erlebt haben, zeichnet sich vor allem auf und in unserer Haut ab: Stunden in der prallen Sonne oder im abgedunkelten Büro, emotionale Ausgeglichenheit oder Stress, ein Hormonhaushalt aus den Fugen oder eine ungesunde Ernährungsweise, Zigaretten- oder Alkoholkonsum, Sinneseindrücke wie Kälte oder Angst, Gefühle wie Wut, Scham und Freude – unsere Haut ist das Dokument, in das sich all diese Dinge einschreiben.

 

Die Dreifaltigkeit unserer Haut

Manche Erlebnisse bleiben dabei an der Oberfläche, andere gehen buchstäblich unter die Haut. Denn eigentlich besteht unsere Haut aus drei Schichten. Die äußerste Schicht ist die Oberhaut, auch Epidermis genannt. Sie bildet die Grenze unseres Körpers zur Außenwelt und besteht zu einem Großteil aus Hornzellen, die sich innerhalb eines Monats einmal komplett erneuern. Die Epidermis schützt uns vor dem Eindringen von Keimen und Fremdstoffen wie Bakterien und Pilzen, aber auch vor Sonneneinstrahlung und Verletzungen.

 

Darunter liegt die Lederhaut, auch Cutis genannt. Sie verleiht der Haut nicht nur einen Großteil ihrer Stabilität und Elastizität, sondern beherbergt auch die meisten Blutgefäße und Muskeln sowie einen Großteil der Haarwurzeln, Talg- und Schweißdrüsen. Außerdem liegen hier die Nervenzellen, durch die wir Berührungen, Schmerzen sowie Temperatur- und Druckunterschiede wahrnehmen.

 

Die tiefliegende Unterhaut, fachsprachlich Subkutis genannt, besteht vor allem aus Fettzellen, die in abgeschlossenen Bindegewebskammern gespeichert werden. Zusammen bilden diese einen der wichtigsten und am schnellsten anzapfbaren Energiespeicher des Körpers. Zusätzlich befinden sich im Subkutangewebe weitere Schweiß- und Talgdrüsen, die zum äußeren Schutzfilm der Oberhaut beitragen.

 

Unterschiedliche Hauttypen benötigen auch unterschiedliche Pflegeprodukte

Die Haut ist kein guter Lügner: Meist sieht man ihr die verlebten Jahre an. Denn mit der Zeit wird sie fast zwangsläufig dünner, trockener, spröder und faltiger. Das liegt vor allem daran, dass die Zellen immer weniger Wasser speichern und dass die Produktion von Kollagen, einem Hauptbestandteil der elastischen Lederhaut, allmählich nachlässt. Wie stark sich diese Prozesse in die Haut eingraben, hängt neben der genetischen Veranlagung aber vor allem vom Lebensstil und entsprechenden Umwelteinflüssen ab. Generell gilt: Je mehr Flüssigkeit in Form von Wasser wir dem Körper zuführen, desto besser geht es unserer Haut. Dabei ist es von untergeordneter Bedeutung, ob Sie grundsätzlich eher eine normale Haut, Mischhaut, fettige Haut, empfindliche oder trockene Haut haben.

 

Einfluss haben diese Hauttypen eher auf die Art der zusätzlichen Pflegeprodukte wie Gels, Lotionen oder Cremes, die Sie benutzen sollten. So sind synthetische Duft- und Konservierungsstoffe für empfindliche Haut, die schnell juckt, spannt und sich rötet, gänzlich ungeeignet. Hier sollten Sie auf schonende Produkte mit möglichst wenigen Inhaltsstoffen zurückgreifen. Empfehlenswert sind hier Produkte mit Panthenol, Calendula, Aloe Vera, Hamamelis, Mandel- oder Pflaumenkernöl, Süßholzwurzel, Calcium, Magnesium, Zink oder Thermalwasser. Trockene Haut profitiert hingegen von rückfettenden Pflegeprodukten und besonderen Inhaltsstoffen wie Glyzerin, Harnstoff, Hyaluronsäure, Nachtkerzenöl oder Linolsäure. Und fettige Haut möchte mit öl- und seifenfreien, antibakteriellen Produkten gepflegt werden. Auch ein sanftes Peeling oder eine Gesichtsmaske aus Heilerde kann die typischen Beschwerden besonders fettiger Haut lindern.

 

Eine gesunde Haut muss unbedingt vor zu starker Sonneneinstrahlung geschützt werden

Sonneneinstrahlung ist für unsere Haut eine ganz besondere Belastung. Einerseits benötigen wir Sonnenstrahlen, damit unser Organismus gesund bleibt. Zu viel des Guten kann jedoch ernste Konsequenzen nach sich ziehen, allen voran Hautkrebs. Maßgeblich für die Dauer, die wir uns ohne zusätzliche Schutzprodukte in der Sonne aufhalten können, ist die sogenannte Eigenschutzzeit. Bei der Verwendung von Sonnenschutz wird der Lichtschutzfaktor mit der Eigenschutzzeit multipliziert.

 

Das Ergebnis ist die Dauer in Minuten, die Sie vor schädlicher Sonneneinstrahlung geschützt sind – vorausgesetzt, Sie waschen den Schutz nicht in der Brandung herunter oder schwitzen ihn einfach weg. In solchen Fällen baut Nachcremen den Schutz zwar wieder auf, allerdings stellen Sie die Uhr damit nicht wieder auf null, d. h. Ihre ursprüngliche Dauer für das Sonnenbaden verlängert sich nicht!

 

Ob Sie Sonnenmilch oder Sonnencreme verwenden sollten, hängt von verschiedenen Faktoren ab, die letztlich alle unter die Kategorie „Geschmackssache“ fallen. So ist Sonnenmilch meist besser und gleichmäßiger aufzutragen als Sonnencreme. Außerdem zieht sie in der Regel schneller ein. Der Nachteil: Sonnenmilch haftet nicht so sehr an der Haut und lässt sich daher schneller abwaschen – was vor allem beim

Besuch im Schwimmbad oder während des Badeurlaubs am Meer natürlich nicht wünschenswert ist. Wichtiger als die Konsistenz des Produktes ist aber die richtige Anwendung: So sollten Sie beim Auftragen besonders sorgfältig vorgehen und auch an Stellen wie die Ohren, den Nasenrücken, die Augenlider, Achseln und die Fußsohlen denken. Außerdem müssen Sonnenschutzprodukte erst einziehen, damit sie ihre Schutzwirkung entfalten. Wer sich schon zu Hause eincremt, kommt also nicht nur gut geschützt am Wasser an, sondern vermeidet auch das sonst häufige, aber eher unfreiwillige Sand-Peeling.

 

Und wenn Sie trotz aller Vorsicht dennoch einen Sonnenbrand bekommen, sollten Sie die betroffenen Hautstellen schonend herunterkühlen, z. B. durch kühles Wasser oder Kältepackungen – hierbei jedoch bitte unbedingt darauf achten, dass Sie weder Ihren Kreislauf überfordern noch Ihrer Haut nach dem Verbrennen nun auch noch Erfrierungen zufügen! Nach dieser Erstversorgung können Sie dann versuchen, die Selbstheilungskräfte Ihrer Haut mit speziellen Lotionen weiter zu unterstützen.

 

Hautkrankheiten

Angesichts all der Strapazen, denen unsere Haut tagtäglich ausgesetzt ist, wundert es nicht, dass sie uns ab und an Beschwerden verursachen kann. Eine der am weitesten verbreiteten Hautkrankheiten ist die Schuppenflechte, auch Psoriasis genannt. Dabei bilden sich rötlich-entzündete, verdickte und juckende Hautstellen, die stark schuppen. Die Ursache ist vor allem genetisch bedingt, die Erkrankung ist also nicht ansteckend. Trotzdem kämpfen viele Betroffene nicht nur gegen die eigentlichen Symptome, sondern auch gegen eine gesellschaftliche Stigmatisierung, die sich häufig in sozialer Ausgrenzung äußert – was wiederum eine massive psychische und emotionale Belastung zur Folge haben kann. Außerdem kommt es vor allem in den westlichen Industrienationen zu immer mehr Fällen von Kontaktallergien und Neurodermitis, was vermutlich auf ungesunde Ernährungsgewohnheiten und die Umweltverschmutzung zurückzuführen ist – und eine höhere Stressbelastung. Denn dass die Psyche einen ganz entscheidenden Einfluss auf unser Hautbild hat, gilt mittlerweile als erwiesen. Auch deshalb ist es durchaus berechtigt, von der Haut als einem Spiegel der Seele zu sprechen.

 

Warum die Fälle von Hautkrebs in naher Zukunft weiter zunehmen werden

Von allen Hauterkrankungen ist Hautkrebs zweifellos die gefährlichste. Jedes Jahr erhalten zwischen 200.000 und 300.000 Menschen diese Diagnose. Damit ist Hautkrebs hierzulande die häufigste Krebsart überhaupt. Die gute Nachricht: Nur ein Prozent aller Todesfälle in Folge einer Krebserkrankung gehen auf Hautkrebs zurück. Im Großteil dieser Fälle handelt es sich um Schwarzen Hautkrebs, ein sogenanntes Malignes Melanom. Fälle von hellem bzw. weißem Hautkrebs wie Basalzellkarzinome und Spinaliome treten zwar häufiger auf, sind aber besser therapierbar. Entdecken Sie bei sich verdächtige Hautveränderungen, sollten Sie zeitnah einen Hautarzt konsultieren. Eine gute Möglichkeit hierfür ist das regelmäßige und kostenlose Hautkrebsscreening, das die gesetzlichen Krankenkassen für Mitglieder ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre anbieten. Leider nutzt bisher nur jeder fünfte Versicherte dieses Angebot.

Meist erkranken vor allem Senioren und Menschen in den mittleren Jahren an Hautkrebs, allerdings sind auch immer mehr Kinder und Jugendliche betroffen. Der größte Risikofaktor hierfür ist eine intensive UV-Bestrahlung durch die Sonne und/oder das Solarium sowie daraus resultierende Sonnenbrände. Gerade bei Kindern und Jugendlichen können frühe Sonnenbrände später im Leben zu einem bösen Erwachen führen. Leider war man diesbezüglich vor allem in den 70er- und 80er- Jahren eher sorglos, und zwar sowohl im Urlaub als auch in Sachen Arbeitsschutz für gefährdete Berufsgruppen. Experten erwarten deshalb für die kommenden Jahre einen weiteren Anstieg der Fallzahlen. Die Devise für die Zukunft lautet daher für Jung und Alt gleichermaßen: Raus aus der prallen Sonne, und wenn schon Sonnenbaden, dann nur mit Sonnenschutz!

 

Sind manche Tattoos nur ästhetisch bedenklich oder potenziell sogar gesundheitsschädlich?

Eigentlich sollen Tattoos glücklich machen und hübsch aussehen. Oder zumindest interessant. Allerdings kann es durch Tätowierungen nicht nur in ästhetischer Hinsicht auch zu gänzlich unerwarteten und unerwünschten Effekten kommen: Juckreiz, Schwellungen und Infektionen.

Bei einer Umfrage im deutschsprachigen Raum gaben rund zwei Drittel aller Befragten an, nach dem Stechen eines Tattoos an Hautreaktionen wie Jucken, Brennen oder Ekzemen gelitten zu haben. Die Gründe hierfür können neben einem nicht sterilen Arbeitsumfeld auch eine allergische Reaktion auf einen oder mehrere Bestandteile der Tätowierfarbe sein. Die enthalten nämlich mitunter so problematische Stoffe wie Arsen, Chrom, Quecksilber, Kobalt oder Nickel. Auch Stoffe wie Dibutylphthalat, Methenamin, Dibenzofuran, Benzophenon oder 9-Fluorenon, die allesamt im Verdacht stehen, krebserregend sowie frucht- oder erbgutschädigend zu sein, sind häufig Bestandteil von zugelassenen Tätowierfarben. Experten wünschen sich für die Zukunft daher eine Regelung, die sich an den Richtlinien für Kosmetika orientiert. Ihre nicht ganz unverständliche Sichtweise: Was nicht auf die Haut gehört, hat in der Haut erst recht nichts zu suchen.

 

Streicheleinheiten sind wichtig für Körper und Geist

Trotz ihrer Bedeutung für unseren Organismus ist die Haut aber nicht bloß ein Organ. Sie ist auch ein Tor zum Erleben und zur Sinnlichkeit. Vielleicht abends, wenn eine warme Brise weht, wenn am Strand feiner Sand durch unsere Finger rieselt, auf der Wiese junges Gras zwischen den Zehen  kitzelt oder ein geliebter Mensch uns in den Arm nimmt. Ohne all diese Streicheleinheiten wäre unser Leben so viel ärmer und blasser. Es ist doch schön, dass wir in unserer Haut stecken. Und das in jedem Alter!

 

In einem Kasten > Abbildung lllu Hauttypen

 

Welcher Hauttyp sind Sie?

Auch wenn die Grenzen fließend sind, unterscheiden Dermatologen zwischen sechs verschiedenen Hauttypen.

 

Hauttyp 1: Menschen mit Hauttyp 1 haben sehr helle Haut, häufig Sommersprossen und blonde oder rote Haare. Sie können ohne Sonnenschutz rund 10 Minuten in der Sonne bleiben, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen.

Hauttyp 2: Der Hauttyp 2 hat ebenfalls eine relativ helle Haut und blondes bis hellbraunes Haar. Die Eigenschutzzeit beträgt 20 Minuten.

Hauttyp 3: Menschen mit Hauttyp 3 können hingegen schon 30 Minuten in der Sonne bleiben, ohne einen Sonnenbrand befürchten zu müssen. Sie haben eine helle bis leicht dunkle Hautfarbe und dunkelblondes oder braunes Haar.

Hauttyp 4: Menschen mit Hauttyp 4 haben von Natur aus eine hellbraune bis olivfarbene Hautfarbe, dazu meist dunkelbraunes Haar. Eigenschutzzeit: 40 Minuten.

Hauttyp 5: Der Hauttyp 5 hat dunkelbraune Haut und dunkles, meist schwarzes Haar. Er kann bis zu 50 Minuten in der Sonne bleiben, allerdings tritt ein Sonnenbrand auch bei Überschreiten dieser Grenze eher selten auf.

Hauttyp 6: Menschen des Hauttyps 6 haben eine dunkelbraune, fast schwarze Hautfarbe und schwarze Haare. Ihre Eigenschutzzeit beläuft sich auf eine Stunde. Ein Sonnenbrand tritt aber nur sehr selten auf.

 

 

 

 

 

 

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