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Fernweh & Naherholung

Strahlende Sonne, glitzerndes Meer, leuchtende Farben – für manche Menschen ist der Urlaub eine Art Gegenwelt des grauen Alltags. Für sie stehen die Flucht aus dem Gewohnten und das Lösen aus gesellschaftlichen und beruflichen Konventionen im Vordergrund. Andere treiben Neugier und Abenteuerlust hinaus in die Welt, eine Sehnsucht nach neuen Eindrücken, unbekannten Orten und fremden Kulturen. Sie suchen die Begegnung mit anderen Menschen, mit der Natur – und oftmals auch mit sich selbst. Ob man dafür nun aber in den Langstreckenflieger nach Amerika, Australien oder Südostasien steigen muss oder ob auch schon der Kurztrip in den Spreewald, auf die Alm oder nach Rom die Reiselust befriedigt, hängt von jedem Einzelnen ab.

 

In die Ferne schweifen

Seit Langstreckenflüge auch für den schmalen Geldbeutel erschwinglich wurden, sind manche von uns regelrecht zu modernen Nomaden geworden. Doch Fernreisen erfordern viel Planung. Neben der sorgfältigen Gepäckauswahl gilt es, an alle notwendigen Visa und den ausreichenden Impfschutz zu denken. Damit kann und sollte man sich schon ein paar Monate im Voraus beschäftigen. Ansonsten folgen auf die Vorfreude allzu schnell Ernüchterung und Frust – oder eine potenziell lebensgefährliche Erkrankung. Der Lohn für all diese Vorarbeit: Endlich stehen wir am schneeweißen Sandstrand, beim Tauchen sehen wir Nemo, den kleinen Clownfisch, tätscheln auf den Osterinseln die berühmten Steinköpfe und blicken von steilen Kraterwänden ins Innere der Erde. Allerdings gibt es bei Reisen in exotische Länder auch Nachteile, Stichwort: Essen & Trinken. Häufig entspricht die Wasserqualität nämlich nicht dem deutschen Hygienestandard. Wasser sollte daher industriell abgefüllt oder abgekocht sein. Verzichten Sie vorsichtshalber auf Eiswürfel im Drink. Beim Essen gilt„Peel it, cook it, or leave it“, also „Schäl es, koch es oder lass es liegen“.

 

Der schnelle Blick über den Tellerrand

Deutlich entspannter geht es zu, wenn Sie bloß einmal über den Tellerrand schauen und zum Beispiel kurz bei unseren direkten Nachbarn vorbeischneien oder sich die mediterrane Brise um die Nase wehen lassen möchten. Nicht nur die Flugzeiten fallen dann deutlich kürzer aus – wenn Sie nicht gleich auf die Bahn umsteigen. Auch die klimatische und zeitliche Umstellung ist weniger belastend. Denn wer in Deutschland bei abendlichem, nasskaltem Wetter ins Flugzeug steigt und acht Stunden später bei schwüler Mittagshitze wieder festen Boden betritt, mutet seinem Organismus Schwerst-

arbeit zu. Zwar wird man bei Mittelstreckenflügen auf den Anblick von im Dschungel versunkenen Tempelanlagen und boxenden Kängurus verzichten müssen, auf grandiose Natur, fremde Kulturen und reichlich Abenteuer jedoch nicht – wenn man nicht ohnehin bloß Ruhe und Entspannung sucht.

 

Zu hause ist’s am schönsten

Manchmal versprüht schon ein Spaziergang auf dem Brocken, ein Besuch auf Helgoland oder ein Segeltörn auf dem Bodensee genügend Exotik, um Abenteuerlust und den Wunsch nach einem Tapetenwechsel zu befriedigen. Ein großer Vorteil von solchen Nahzielen ist, dass sie sich auch für Kurzentschlossene anbieten, die ganz unkompliziert mit dem eigenen Auto, dem Wohnmobil, einem Fernbus oder der Bahn anreisen. Langwieriges Einchecken samt nachfolgender Sicherheits- oder Zollkontrolle fallen genauso weg wie Aufpreise für zusätzliche Gepäckstücke oder Übergewicht. Und wenn es morgens unerwartet doch etwas länger dauert, dann nimmt man eben die nächste Verbindung oder fährt ein Stündchen später los. So beginnt der Urlaub im besten Fall schon in dem Moment, in dem die Haustür ins Schloss fällt.

 

Reiseimpfungen

Ob es nun in die Karibik, nach Afrika, Südamerika oder Bali geht – die Vorfreude darf nicht dafür sorgen, dass Sie einen wichtigen Punkt aus den Augen verlieren: den richtigen Impfschutz. Der ist abhängig vom Reiseland nämlich lebenswichtig.

Welche Impfungen für welches Urlaubsziel notwendig sind, erfahren Sie bei Ihrem Hausarzt, bei Fernreisen auch bei einem Tropen- oder Reisemediziner. Sehr hilfreich für diese Beratung ist übrigens der leider allzu oft eher stiefmütterlich behandelte Impfpass. Durch ihn erkennt der Arzt nämlich sofort, welche Standardimpfungen vor Urlaubsantritt eventuell ebenfalls aufgefrischt werden sollten.

Für manche Impfungen sind übrigens mehrere Injektionen notwendig, die in Abständen von einigen Tagen oder auch Wochen verabreicht werden müssen. Informieren Sie sich daher frühzeitig und planen Sie die entsprechende Vorlaufzeit ein. Und natürlich sollten Sie auch an die Kleinsten Ihrer Reisegruppe denken, denn manche Impfungen dürfen erst ab einem bestimmten Alter verabreicht werden.

Generell kann Impfen leider ziemlich ins Geld gehen, denn nicht alle Schutzimpfungen werden von den Krankenkassen erstattet. Manche Kassen übernehmen die Kosten auch nur teilweise. Angesichts der Wichtigkeit einer entsprechenden Prophylaxe sollte die Kostenfrage für Impfungen jedoch in den Hintergrund rücken. Am besten kalkuliert man diese Ausgaben gleich als „lebensnotwendig“ ins Reisebudget mit ein.

Gegen einige Krankheiten, die insbesondere bei Fernreisen ein Problem darstellen, gibt es derzeit leider noch keinen wirksamen Impfschutz. Hierzu gehören Malaria, Dengue- und Chikungunyafieber sowie Zika. Überträger dieser Krankheiten sind meist Mücken. Die berüchtigte Schlafkrankheit wird hingegen durch den Stich der Tsetse-Fliege übertragen. Hier bieten lange Kleidung, Mückenabwehrmittel und Netze über dem Bett einen gewissen Schutz. Gegen Malaria können täglich auch Prophylaxe-Tabletten eingenommen werden.

 

Thrombosegefahr

Gerade bei Langstreckenflügen von über 4 Stunden steigt die Gefahr einer Venenthrombose. Zwar ist das Risiko für gesunde Menschen eher gering, wer jedoch an Übergewicht, Herzschwäche, Diabetes und Blut- oder Krebserkrankungen leidet, sollte über eine entsprechende Prophylaxe nachdenken. Auch Menschen über 50, Schwangere oder kürzlich Operierte sind gefährdet. Am einfachsten beugt man durch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von rund einem Viertelliter pro Flugstunde und regelmäßige Bewegung für Füße und Beine vor. Alkohol wirkt zudem entwässernd und sollte trotz aller Vorfreude und Feierlaune vermieden werden. Darüber hinaus können Kompressionsstrümpfe helfen, das Risiko einer Thrombose deutlich zu senken. Männer sollten hier keine Berührungsängste haben! Bei einem entsprechend erhöhten Risiko können nach Absprache mit dem Arzt zudem auch blutverdünnende Medikamente verabreicht werden.

 

Urlaub mit Kindern

Wer mit Kleinkindern verreist, hat manchmal das Gefühl, im Koffer landet so ziemlich der gesamte Hausrat. Und tatsächlich gerät bei der Fülle an notwendigen oder zumindest nützlichen Dingen leicht das ein oder andere Utensil in Vergessenheit – zumindest so lange, bis es dann am Urlaubsort vermisst wird. Neben Kleidung für alle Witterungslagen empfiehlt sich je nach Reisedauer und Ziel daher auch die Mitnahme des gewohnten Essens und Trinkens. So kann eine mögliche Unmutsquelle von vornherein ausgeschaltet werden. 

Bei der Reise im Auto ist natürlich auch der Kindersitz Pflicht, am besten ergänzt durch den Kinderwagen und eventuell einen Hochstuhl. Außerdem sind Pflegeprodukte für Kinder sinnvoll, vor allem ein spezieller Sonnenschutz. Dazu gehören auch eine Sonnenbrille und Schattenspender für den Strand (Schirm) und das Auto (Rollos).

Und während Windeln meist relativ problemlos zu bekommen sind, müssen sich Eltern, die das gewohnte Töpfchen vergessen haben, auf ein wahres Donnerwetter gefasst machen. Gleiches gilt für den Schnuller, das Lieblingsstofftier und generell alle Sachen, mit denen sich Ihr Kind gerne die Zeit vertreibt. Sparen Sie hier lieber keinen Platz ein, denn sonst gerät die Stimmung allzu schnell in Schieflage. Wenn Sie dann noch das Babyphon einpacken, können Sie Ihrem Schatz ganz entspannt beim wohligen Schlummern lauschen.

 

Sicheres Zuhause

Leider ist die Urlaubszeit der einen die Arbeitszeit der anderen, nämlich der Einbrecher. Häusern oder Wohnungen, die aktuell ganz offensichtlich unbewohnt sind und über keine sichtbare Alarmanlage verfügen, können sie kaum widerstehen. Und um das zu merken, reichen ihnen schon wenige Anzeichen: Quillt der Briefkasten über, ist wohl niemand zu Hause. Bestellen Sie also die Tageszeitung ab und fragen Sie einen Nachbarn, ob der Ihren Briefkasten regelmäßig für Sie leeren kann. Aber hinterlassen Sie auf dem Briefkasten keine Notiz an den Postboten, dass er Pakete für die nächsten Wochen bitte nebenan abgeben soll. Ein solcher Hinweis auf Ihre Abwesenheit ist ebenso zu vermeiden wie offensichtliche Facebook-Posts oder die Nachricht auf dem Anrufbeantworter, dass sie zum vierwöchigen Familienurlaub an die Costa Brava aufgebrochen sind – ansonsten werden die Langfinger nämlich Ihr Zuhause aufbrechen.

Eventuell kann Ihr Nachbar morgens auch die Rollläden für Sie hochziehen und kurz lüften – so kommen Sie auch noch in ein frisch gelüftetes Zuhause zurück. Überhaupt zahlt sich gute Nachbarschaft vor allem während der Urlaubszeit aus: Ein plötzlich überwucherter, sonst aber top gepflegter Vorgarten schreit dem Ede förmlich ins Gesicht, dass er hier leichtes Spiel haben wird. Aber wer könnte ab und zu mal den Rasen mähen? Genau, der Nachbar. Und wenn er schon einmal dabei ist, stellt er ja vielleicht auch noch die Mülltonnen zum Leeren vor die Tür. Wenn Sie jetzt noch eine Zeitschaltuhr oder einen Sensor installieren, damit abends über Haustür und Garage und im Innern in einem oder mehreren Zimmern das Licht und eventuell sogar das Radio angehen, dürfte das die meisten Einbrecher von vornherein entmutigen. Aber Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste: Wertvolle Gegenstände gehören fotografiert und in den Tresor oder ins Bankschließfach, sensible Daten sollten gesichert werden. Und bitte: Schließen Sie ab! Dann bezahlen Sie Ihre materiellen Schätze zu Hause nicht mit dem Erfahrungsschatz, den Sie gerade erst im Urlaub gewonnen haben.

 

Vorfreude

Niederländische Forscher fanden vor ein paar Jahren heraus, dass das subjektive Glücksgefühl gerade in der Phase vor Urlaubsbeginn besonders groß ist – und zwar trotz aller notwendigen Vorbereitungen, Behördengänge und Nadelpikser. Die Vorfreude auf die bevorstehende Reise scheint sogar ein geradezu elementarer Punkt einer jeden Urlaubserfahrung zu sein. Der Grund hierfür ist wohl, dass der nahende Urlaub zunehmend greifbar scheint und wir uns in Gedanken bereits ausmalen, wie wir diese Auszeit verbringen werden. So planen wir nicht nur voraus, wir träumen auch voraus. Allerdings nimmt das Glücksgefühl nach dem Urlaub meist schnell wieder ab. Ein Grund hierfür könnte sein, dass wir uns nach unserer Rückkehr um all das kümmern müssen, was während des Urlaubs „liegengeblieben“ ist.

 

Doch selbst wenn der Alltag uns irgendwann wieder einholt: Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub! Planen Sie also einfach so bald wie möglich die nächste, kleine Auszeit. Vor allem Kurztrips eignen sich gut, um nicht nur die irgendwann wieder aufkeimende Reiselust zu stillen, sondern auch, um die Vorfreude das ganze Jahr über zu einem ständigen Begleiter zu machen!

 

 

 

 

 

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