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Herzensangelegenheiten

Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sind in Deutschland die Nummer eins der Todesursachen. Am häufigsten sind dabei koronare Herzerkrankungen, Herzinsuffizienz oder Herzinfarkte. Jedes Jahr sterben über 338.000 Menschen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute: Viele Todesfälle könnten beispielsweise durch einen gesunden Lebensstil vermieden werden.

 

Das Herz-Kreislauf-System ist ein beeindruckendes Leitungssystem. Zwischen 100.000 und 160.000 Kilometer lang ist das Geflecht großer, kleiner und winziger Arterien, Venen und Lymphgefäße, das den menschlichen Körper durchzieht. Sie bilden das Herz-Kreislauf-System, das sämtliche Organe und Gewebe des Körpers mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt und dabei gleichzeitig Abfallstoffe und Kohlendioxid abtransportiert. Treibende Kraft ist unser Körpermotor – das Herz. Seine Pumpleistung sorgt dafür, dass der Organismus bis in die letzte Zelle durchblutet wird. Damit das funktioniert, müssen Herz und Gefäßsystem gesund und elastisch sein.

 

Auch eine Frage des  Lebensstils

Nicht jeder Mensch besitzt ein gesundes Herz. Manche Erkrankungen sind angeboren oder entstehen durch erbliche Vorbelastung. Das lässt sich schwer beeinflussen. Auch der fortschreitende Alterungsprozess geht nicht spurlos an unserem Pumporgan vorbei. Viele Gesundheitsprobleme sind jedoch selbstgemacht. Denn der Lebensstil – zu viele Kalorien, fettreiche Ernährung mit zu viel Zucker und dabei zu wenig Bewegung – der zu Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen und Diabetes führt, belastet das Herz und seine Gefäße. Hinzu kommt das Rauchen, es erhöht das Infarktrisiko bei Männern um das 3-Fache und bei Frauen sogar um das 6-Fache. Wut, Ärger und Stress erhöhen das Infarktrisiko zusätzlich, denn die ausgeschütteten Stresshormone führen zu einer Verkrampfung der Gefäße und damit zu einer Drosselung der Durchblutung.

 

Jedes Jahr gibt es über 338.000 Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wie die Deutsche Herzstiftung betont, könnten viele Sterbefälle durch Herzinfarkt, lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen oder durch andere Herzkrankheiten durch verbessertes Wissen über richtiges Notfallverhalten bei den Betroffenen, durch eine konsequentere Behandlung, durch Vorsorgemaßnahmen wie frühzeitige Blutdruckmessung sowie einen gesunden Lebensstil vermieden werden.

 

Koronare Herzkrankheit – Ablagerungen im Blutgefäß

Elastische, durchgängige Gefäße sind eine Lebensversicherung. Wie der gesamte Körper, so ist auch das Herz von einer guten Durchblutung abhängig. Bei der Koronaren Herzkrankheit (KHK) sind einige oder mehrere Herzkranzgefäße verengt. Ursache sind Ablagerungen – Plaques – an den Gefäßinnenwänden, auch Arterienverkalkung genannt. Sie beeinträchtigen zunehmend die Elastizität des Blutgefäßes und verringern stetig seinen Durchmesser. Der schrumpfende Querschnitt behindert den Blutfluss und damit die Versorgung des Lebensmotors mit Nährstoffen- und Sauerstoff. Außerdem können sich durch die Veränderung der Gefäßwände kleine Blutgerinnsel bilden, die sich in den immer enger werdenden Blutgefäßen leicht festsetzen und es dann gänzlich verstopfen können.

 

Anfangs noch unbemerkt, stellen sich bei der Koronaren Herzkrankheit allmählich Anzeichen einer Angina pectoris (Brustenge) ein: beispielsweise Atemnot zunächst bei Belastung, später dann auch in Ruhe, ein kurzzeitiger Belastungsschmerz, Brennen oder Schmerzen hinter dem Brustbein, Angstzustände. Manchmal strahlen die Schmerzen auch in den Oberbauch aus oder in die Arme und Schultern, manchmal sind die Beschwerden auch ganz unspezifisch, den Betroffenen ist übel oder schwindelig. Dauern Beschwerden einer Angina pectoris bei Belastung oder in Ruhe länger als 15 Minuten an, sollte der Notarzt gerufen werden. Es besteht die Gefahr eines Herzinfarktes.

 

Herzinfarkt – Verstopfun im Blutgefäß

Bei einem Herzinfarkt verstopft ein Herzkranzgefäß endgültig. Dadurch wird das dahinterliegende Herzgewebe von der Blutversorgung abgeschnitten und es stirbt ab. Patienten mit KHK haben deshalb ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt. Oft gehen dem Infarkt körperliche Anstrengung, schwankender Blutdruck oder erhöhter Stress voraus. Aber auch in den frühen Morgenstunden ist das Infarktrisiko erhöht.

 

Zu den typischen Symptomen des Herzinfarkts gehören starke Schmerzen und Druckgefühl hinter dem Brustbein, die in den linken Arm, in die Schultern, den Kiefer oder den Oberbauch ausstrahlen können. Hinzu kommen Atemnot, Schwindel, Herzrasen, Übelkeit, Schweißausbrüche und Todesangst. Anzeichen für einen Infarkt sind ein Fall für den Notarzt, der umgehend alarmiert werden sollte. Denn mit jeder Minute stirbt mehr Herzgewebe ab.

 

Nicht immer allerdings verläuft ein Infarkt so auffällig, es gibt auch den sogenannten stummen Infarkt, der unbemerkt verläuft und oft nur zufällig bei einer Herzuntersuchung entdeckt wird. Allerdings bleibt auch er nicht ohne Folgen und verursacht Herzprobleme.

 

Herzinsuffizienz – Muskelschwäche

Herzinsuffizienz ist eine Herzschwäche. Das hat Folgen für den Kreislauf und das Herz. Der Herzmuskel schafft es nicht mehr, genügend Blut durch den Körper zu pumpen. Damit stehen den Körperzellen weniger Sauerstoff und weniger Nährstoffe zur Verfügung und der Körper lagert mehr Flüssigkeit im Gewebe ein, um die Kreislaufverhältnisse zu verbessern. Das führt zu Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe (Ödeme), zunächst an den Füßen, später dann auch in anderen Organen und das schränkt deren Funktion zunehmend ein. Das Ganze ist ein schleichender Prozess.

 

Erstes Anzeichen einer Herzinsuffizienz ist abnehmende Leistungsfähigkeit, beispielsweise beim Treppensteigen oder bei Arbeiten im Haushalt. Außerdem schnelle Ermüdung, Luftnot, aber auch Wassereinlagerung in den Fußknöcheln. Da sich auch in der Lunge Wasser einlagert, treten Atemgeräusche und Husten auf. Ein weiteres Anzeichen ist die Blaufärbung der Haut und Schleimhäute, besonders gut an bläulichen Lippen erkennbar. Da das Gewebe immer schlechter mit sauerstoffreichem Blut versorgt wird, verursacht der Blutfarbstoff des sauerstoffarmen Blutes diese Verfärbung.

 

Auch Herzklappen sind störanfällig

Nicht nur das Gefäßsystem des Herzens kann erkranken, sondern auch seine Klappen. Damit die Pumpe läuft, muss der Herzmuskel kontrahieren (Systole) und wieder erschlaffen (Diastole). In dieser Phase füllen sich beide Herzkammern mit dem Blut aus oder in den entsprechenden Kreislauf. Damit es nicht in die falsche Richtung fließt, verhindern Herzklappen den Rückfluss. Jede Herzhälfte hat eine Segel- und eine Taschenklappe, insgesamt gibt es also vier Herzklappen. Mitralklappe und Aortenklappe links, Trikuspidalklappe und Pulmonalklappe rechts. Erkranken Herzklappen, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder öffnen sie sich nicht mehr richtig (Stenose) und das Blut wird nicht mehr richtig ausgeworfen. Oder sie schließen nur noch unvollkommen (Insuffizienz) und das Blut fließt gegen die vorgesehene Strömungsrichtung zurück. Beides schränkt die Herzfunktion ein.

 

Durchblutungsstörung des Gehirns: Schlaganfall

Eine schlechte Blutversorgung betrifft auch das Gehirn – es kommt zu einem Schlaganfall. In Deutschland gehört der Schlaganfall mit etwa 270.000 Opfern zu den dritthäufigsten Todesursachen. Und nicht nur Alte sind betroffen. Zwar haben sie ein erhöhtes Risiko, aber auch Kinder und Neugeborene können betroffen sein. Zu einem Schlaganfall kommt es, wenn an einer Stelle im Gehirn die Durchblutung gestört ist und das Gewebe dort nicht mehr mit Nährstoffen und vor allen Dingen nicht mehr mit Sauerstoff versorgt wird. Bei einem Schlaganfall ist schnelles Handeln erforderlich, denn schon nach wenigen Sekunden ohne Sauerstoffversorgung wird das Gehirngewebe an dieser Stelle unumkehrbar zerstört. In Folge kommt es dort zu einem Ausfall der Hirnfunktion. Und je nach Schwere und betroffener Gehirnregion zu unterschiedlichen Symptomen. Sie können sich wieder bessern, aber auch bleiben. Etwa zwei Drittel der überlebenden Schlaganfallpatienten sind auf fremde Hilfe angewiesen.

 

Ursache der Durchblutungsstörung ist meistens ein Blutgerinnsel, das ein hirnversorgendes Blutgefäß verstopft. Ein Schlaganfall kann aber auch durch ein geplatztes Blutgefäß ausgelöst werden. In diesem Fall verursacht das austretende Blut die Schädigung, weil es den Druck im Kopf erhöht und so zum Absterben von Nervenzellen führt.Zu den Symptomen eines Schlaganfalls gehören Seh-, Sprach-, Wahrnehmungs- und Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen, Lähmungserscheinungen an Armen, Beinen oder im Gesicht. Die Betroffenen sind verwirrt, können sich nicht mehr orientieren, schwer oder gar nicht artikulieren und haben Schwierigkeiten mit dem Schlucken. Oft leiden sie unter schweren Kopfschmerzen.

 

Um dem Risiko einer Herz-Kreislauferkrankung vorzubeugen, aber auch um mit einer Herz-Kreislauferkrankung besser leben zu können, spielt der Lebensstil eine entscheidende Rolle. Ganz oben auf der Liste – eine gesunde, abwechslungsreiche Ernährung. Das heißt, sie soll vitalstoffreich, aber kalorienarm sein und dem Körper alle wichtigen Nährstoffe zuführen, damit er optimal versorgt wird. Und sie soll ihm die Stoffe vorenthalten, die ihm Schaden zufügen können.

 

Auf den Tisch gehören regelmäßig frisches Obst und Gemüse und möglichst zweimal pro Woche Fisch. Gesättigte, tierische Fette, wie sie in Butter, Käse und Wurst stecken, sollten sparsam genossen werden. Besser sind ungesättigte, kaltgepresste pflanzliche Öle. Produkte aus vollem Korn sind besser als Produkte aus Weißmehl. Nüsse sind eine Alternative zu Schokolade, denn sie enthalten viele wertvolle Mineralien, Vitamine und Ballaststoffe. Da sie aber nicht gerade kalorienarm sind, sollten pro Tag nicht mehr als 30 Gramm verzehrt werden. Ganz wichtig bei einer Herz-Kreislauf-gemäßen Ernährung – geizen Sie mit Salz.

 

Und wenn Sie sich dann noch regelmäßig bewegen, Ihre Ausdauer stärken, Stress vermeiden und aufs Rauchen verzichten, leisten Sie Ihrem Herz, Ihrem Gefäßsystem und damit sich selbst gute Dienste.

 

Das Herz ist ein beeindruckendes Organ

Mit einer Frequenz von 60–bis 80 Schlägen pro Minute wälzt ein durchschnittliches Herz täglich die gesamte Blutmenge des menschlichen Körpers von circa fünf Litern um. Am Ende jedes Tages hat das Herz etwa 100.000-mal gepocht und wurde von rund 8.000 Litern Blut durchströmt. Dieser Blutstrom versorgt den gesamten Körper.

 

Das Herz-Kreislauf-Kystem besteht eigentlich aus zwei Systemen, die Hand in Hand arbeiten: dem großen Körperkreislauf und dem kleinen Lungenkreislauf. Das Herz ist dabei sozusagen der Verkehrsknotenpunkt der beiden Kreislauf-Systeme.

 

Das Herz besteht aus zwei Hälften, die jeweils eine Herzkammer und einen Vorhof besitzen. Die rechte Hauptkammer pumpt das sauerstoffarme Blut, das aus dem großen Kreislauf des Körpers über das Venensystem zum Herzen zurücktransportiert wurde, über die Lungenschlagader in die Lungen. Im kleinen Kreislauf der Lunge gibt das Blut Kohlendioxid ab und nimmt Sauerstoff auf. So angereichert strömt das Blut wieder ins Herz zurück. Nun wird es von der linken Herzhälfte über die Hauptschlagader in den großen Körperkreislauf gepumpt, wo es seine Versorgungsfunktion übernimmt.

 

 

 

 

 

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