©taramara78_AdobeStock

 

Luft zum Atmen

Im Frühjahr haben wieder viele Menschen Probleme damit, ausreichend Luft zum Atmen zu bekommen.  Denn wenn die Pollen fliegen, führen sie manchmal auch zu allergischen Reaktionen. Kommt dann zum Beispiel in Großstädten eine allgemeine Luftverschmutzung hinzu, tritt bei manchen eine regelrechte Atemnot ein.

 

Dabei ist die häufigste aller Lungenkrankheiten eine, die nahezu jeder Mensch immer wieder einmal durchmacht: die akute Bronchitis. Meist ausgelöst durch Viren, seltener auch durch Bakterien, kommt es zu grippalen Infekten, die sich auf die gesamten oberen – und im Falle der Bronchitis – auch auf die unteren Atemwege auswirken.  80 von 100.000 Menschen erkranken jeden Monat daran. In den Wintermonaten sind es sogar doppelt so viele. Diese Krankheiten sind nicht nur lästig, sondern können den Körper regelrecht lahmlegen. Gefährlich sind sie aber in den meisten Fällen nicht.

 

Wenn die Atemluft krank macht

Anders sieht das bei Lungenerkrankungen aus, die durch Staubpartikel ausgelöst werden. Neben den im Rahmen der Diesel-Affäre aktuell wieder heiß diskutierten Folgen der Belastung durch Feinstaub für die Bevölkerung von Städten sind darunter vor allem bestimmte Berufsgruppen, seltener auch aktive Heimwerker geplagt. So gehört die sogenannte Silikose (auch Staublunge) zu den ältesten Erkrankungen der Menschheit. Sie war in der Antike schon Hippokrates und im 16. Jahrhundert Paracelsus bekannt. Betroffen sind vor allem Menschen, die im  Kohlenbergbau, in der Steinbruch-, Keramik-, Glasindustrie, der Stahl- und Eisenindustrie, in Gießereien sowie im Tunnelbau, aber auch in Dentallabors tätig sind.

 

Chronische Bronchitis

Eine der größten Gefahren für die Lungen geht aber ohne Frage vom Rauchen aus. Die chronisch obstruktive Bronchitis (COPD) kann zum Beispiel eine Folge davon sein. 15 Prozent der Europäer über 40 Jahre leiden darunter. Wird sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann sie zu dauerhaften Schädigungen der Lunge führen. Neben Herzinfarkt und Schlaganfall gehört die COPD zu den häufigsten Todesursachen in Europa. Sie ist aber – wie Ärzte sagen – zwar nicht in jedem Stadium heilbar, jedoch immer therapierbar. Eine Änderung der Lebensweise und die richtige Behandlung können den Krankheitsverlauf daher günstig beeinflussen.

Obwohl die ersten Symptome oft nicht ernst genommen werden, ist hier Früherkennung besonders wichtig. Wenn Husten gepaart mit Auswurf und Atemnot bei körperlichen Belastungen oder Atemgeräusche wie ein trockenes Pfeifen beim Ausatmen immer häufiger werden, ist daher eine Kontrolle durch den Lungenarzt dringend anzuraten. Denn Menschen, die körperlich wenig aktiv sind, bemerken womöglich erst etwas, wenn die COPD schon weit fortgeschritten ist. Insbesondere Raucher können schon daran erkrankt sein, wenn sie noch gar keine Symptome feststellen. Für Klarheit kann eine Lungenfunktionsprüfung beim Arzt sorgen, der dann eventuell weitere Untersuchungen vornimmt.

 

Rauchen ist Risikofaktor Nr. 1

Dabei ist Rauchen zwar nicht die einzige Ursache, gehört aber zu den wichtigsten. Denn nur knapp 20 Prozent der Patienten mit COPD haben in ihrem Leben nie geraucht. Auch Passivrauchen gehört zu den Risiken. Schließlich kann COPD auch genetische Ursachen haben.

Die Krankheit entwickelt sich zunächst schleichend, hat aber oft dramatische Folgen für die Lebenserwartung, die um mehrere Jahre sinken kann. Neben der medikamentösen Therapie ist der sofortige Rauchstopp eine der wichtigsten Maßnahmen. Dazu gesellen sich Bewegungstherapie und eine ausgewogene Ernährung, die den Organismus insgesamt stärken.

 

Pollen-Allergien (Heuschnupfen)

Auslöser ganz anderer, meist sogar völlig natürlicher Art führen zu einer ebenfalls stark zunehmenden Krankheit. Und der Heuschnupfen kann sogar fernab jeder Zivilisation zum Beispiel auf einer Bergwiese im Frühling auftreten. Er ist mittlerweile die häufigste allergische Erkrankung hierzulande und betrifft etwa 30 Prozent aller in Deutschland lebenden Menschen. Ihr Körper hat eine Allergie gegen den Blütenstaub (Pollen) bestimmter Pflanzen entwickelt. Typisch ist das saisonal beschränkte Auftreten zur jeweiligen Pollenflugzeit. Menschen mit Heuschnupfen leiden deshalb jedes Jahr etwa zur gleichen Zeit.

 

Dabei ist es sehr unterschiedlich, auf welche Pflanzen Betroffene allergisch reagieren. Ganz oben auf der Allergen-Skala rangieren früh blühende Bäume wie Hasel, Erle oder Birke sowie Gräser und Getreidepollen (zum Beispiel vom Roggen). Kommen die betreffenden Pollen mit den Schleimhäuten in der Nase oder der Bindehaut am Auge des Allergikers in Kontakt, geht das Leiden in Form einer starken allergischen Reaktion los. Neben Niesreiz und Schnupfen kann diese zu roten, juckenden Augen und einem Fremdkörpergefühl führen. Nicht zuletzt im Gesicht treten zusätzlich auch Hautausschläge oder Schwellungen auf. Der Geruchs- und Geschmackssinn wird eingeschränkt und viele Betroffene reagieren auch mit Lichtempfindlichkeit.

 

Allergie-Auslöser möglichst meiden

Am wirksamsten kann man diesen Beschwerden entgegen- treten, wenn man den Kontakt zu den Allergenen möglichst meidet. Denn dann treten die lästigen Begleiterscheinungen erst gar nicht auf. Allerdings muss man dafür natürlich erst einmal wissen, gegen welche Pollen man allergisch ist. Hier hilft ein Besuch beim Allergologen, der das mit einem Allergietest feststellen kann. Mediziner empfehlen, vorab ein Tagebuch zu führen, in dem die Beschwerdezeiten und die jeweiligen Situationen (zum Beispiel Spaziergänge auf dem Land) dokumentiert werden. So kann der Arzt schon vor dem Test erste Rückschlüsse ziehen. Ständige Begleiter für Menschen mit Heuschnupfen werden ganz sicher auch Pollenflugkalender oder die Pollenflug-Vorhersagen zum Beispiel im Radio. Bei starkem Auftreten kann es neben dem Zuhause-Bleiben nämlich auch helfen, Kleidung und Haare regelmäßig zu waschen. Pollen sind in den entsprechenden Monaten nahezu überall. Ganz vermeiden können Betroffene sie daher nicht.

 

Beratung vor Medikamenteneinnahme wichtig

Hilfreich gegen Heuschnupfen sind Medikamente, die auf unterschiedliche Weise gegen die Beschwerden wirken. Betroffene sollten sich vom Arzt oder Apotheker beraten lassen. Dies gilt ganz besonders für Nasensprays, weil eine verstopfte Nase oder ein Fließschnupfen häufig zu den unangenehmen Symptomen gehören. Zur Verfügung stehen neben abschwellenden auch Antihistaminika- oder Kortison-Nasensprays und Präparate auf Salzwasserbasis. Vor allem die abschwellenden Sprays dürfen nur kurzzeitig angewendet werden, weil sie zu Abhängigkeiten führen können. Daher ist guter Rat nicht teuer, aber sehr förderlich für die Gesundheit. Manchen Menschen hilft schließlich auch eine Akupunktur. Ursächlich wirken diese Maßnahmen aber nicht.

 

An das Allergen gewöhnen

Mithilfe eines Arztes können Allergiker aber ihren Organismus weniger anfällig gegen die Allergene werden lassen, die ihn derzeit noch krank machen. Ärzte sprechen in diesem Zusammenhang von Hyposensibilisierung oder Desensibilisierung. Im Kern geht es dabei darum, das Immunsystem nach und nach an die Pollen zu gewöhnen. Dadurch werden für die Zukunft allergische Reaktionen vermieden.

Von heute auf morgen geht das allerdings leider nicht. Denn für die Hyposensibilisierung braucht es im Durchschnitt ungefähr drei Jahre. Deshalb muss man für diese Methode viel Geduld haben. Dabei wird das Allergen vom Arzt in steigender Dosis in Form von Spritzen, Tropfen oder Tabletten verabreicht, bis der Körper damit zurechtkommt.

 

Behandlung schützt vor Schlimmerem

Regelmäßige ärztliche Kontrolle hat bei Allergikern zudem weitere Vorteile. Denn mit der Zeit können auch Allergien auf Nahrungsmittel wie beispielsweise Nüsse oder Obst hinzukommen. Heuschnupfen sollte auch deshalb immer ernst genommen werden. Das gilt umso mehr, weil er sich unbehandelt sogar zu einem allergischen Asthma entwickeln kann. Erste Hinweise darauf können Husten und Atemnot sein. Rechtzeitiges ärztliches Handeln ist dann sehr wichtig. Denn die chronische Entzündung der Atemwege gehört durchaus zu den schwereren Erkrankungen. Bei Asthma kommt es durch eine Verkrampfung der Muskulatur, Schwellungen der  Bronchialschleimhaut und eine vermehrte Schleimbildung zu einer Verengung und Überempfindlichkeit der Bronchien. Dabei handelt es sich nicht um eine Infektionskrankheit, sondern um eine Reaktion des Körpers auf Reize aus unserer Umwelt.

 

Steigende Zahl von Asthmatikern

Und die Zahl der daran Erkrankten nimmt stetig zu. Schätzungen zufolge leiden in den Industrieländern rund 5 Prozent der Erwachsenen und bis zu 10 Prozent aller Kinder an Asthma. Die Krankheit beginnt oft bereits im Kindes- oder Jugendalter, kann aber auch erstmals bei Erwachsenen  auftreten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht von weltweit 230 bis 300 Millionen Betroffenen aus. Laut Statistischem Bundesamt waren 2014 in Deutschland 2,766 Mio. Asthmapatienten bei Allgemeinärzten oder Internisten in Behandlung. Hinzu kamen 678.000 junge Patienten, die von Kinder- und Jugendärzten betreut wurden. Dazu gesellt sich eine Dunkelziffer von Menschen, bei denen die Krankheit trotz der Beschwerden noch nicht diagnostiziert wurde.

 

 

Was sind die Frühzeichen?

Das kann mehr als gefährlich werden. Denn jedes Jahr sterben vier bis acht von 100.000 Menschen an den Folgen von Asthma. Wer über asthmatische Symptome Bescheid weiß, kann jedoch rechtzeitig seinen Arzt aufsuchen, der dann die Diagnose stellen und eine entsprechende Therapie einleiten kann. Und auch nach einer Diagnose sollten Asthmatiker auf Einschränkugen achten und den Arzt über Veränderungen  informieren. Das ermöglicht ihm, den Verlauf der Krankheit zu beurteilen.

 

Zu den Krankheitszeichen gehören:

  • Atemnot,
  • Kurzatmigkeit bei körperlicher Belastung,
  • Kurzatmigkeit im Ruhezustand,
  • nächtlicher Husten,
  • Engegefühl und Schmerzen in der Brust,
  • pfeifende Atmung,
  • ständige Müdigkeit und Abgeschlagenheit sowie andauernder Husten. 

 

Weil Asthma nicht immer nach dem gleichen Schema verläuft, ist es sinnvoll, schon für die Diagnose einen Facharzt wie einen Pneumologen (Lungenarzt) aufzusuchen, der zunächst die Lungenfunktion prüft. Auch für Kinder gibt es Ärzte, die sich auf Asthma und Allergien spezialisiert haben. Die frühe Erkennung der Krankheit ist wichtig, weil unbehandeltes oder nicht ausreichend behandeltes Asthma zu chronischen Entzündungsvorgängen an den Bronchien und auch zu einer Vernarbung der Bronchialwand führen kann. Die Patienten sprechen dann nicht mehr so gut auf eine medikamentöse Therapie an.

 

Ursachen noch nicht umfassend geklärt

Auch wenn Mediziner bereits viele Ursachen für die Entstehung von Asthma entdeckt haben, gibt es für die Zunahme der Krankheit noch keine eindeutigen und sicheren Antworten. Offenkundig spielen auch Erbanlagen und Umweltfaktoren eine wesentliche Rolle. Während in Indien und China der Anstieg vor allem auf unkontrollierte  Industrieemissionen wie Stickoxide, Ozon und Feinstaub zurückzuführen ist, gehören in den westlichen Ländern neben dem Rauchen und mangelndem Training auch Übergewicht und die zunehmende Verstädterung zu den Gründen.

 

Frühe Diagnose ist der Schlüssel

Für alle Krankheiten der Atemwege gilt, dass eine möglichst frühe Diagnose der Schlüssel dazu ist, die Beschwerden besser in den Griff zu bekommen. Gegen schädliche Umwelteinflüsse kann man nicht immer etwas tun. Risiken durch das eigene Verhalten kann aber jeder am besten selbst abstellen. Wer möglichst gut auf sich achtet, seine Lebensweise gesünder gestaltet und im Zweifel auch einmal zu viel den Arzt aufsucht, hat daher bessere Aussichten, bis ins Alter viel freie Luft zum Atmen zu haben.

 

 

 

 

 

Startseite