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Von A wie Abstillen bis Z wie Zahnspange

Kaum etwas krempelt das eigene Leben so um wie die Geburt eines Kindes. Alte Gewiss- und Gewohnheiten sind mit einem Mal passé und für viele Jahre liegt das Hauptaugenmerk auf der Entwicklung der lieben Kleinen.

 

Stillen und Abstillen

Vier von fünf Müttern stillen ihre neugeborenen Babys. Gut so! Denn Muttermilch enthält genau die Nährstoffe, die ein Säugling braucht, und stärkt auch sein Immunsystem, unter anderem gegen Allergien. Muttermilch ist außerdem hygienisch einwandfrei, immer richtig temperiert, stets vorhanden und kostet nichts. Last but not least: Stillen fördert die Gefühlsbindung zwischen Mutter und Kind.

Die Nationale Stillkommission empfiehlt deshalb allen Müttern, ihre Säuglinge über die ersten vier Monate ausschließlich zu stillen und spätestens nach einem halben Jahr allmählich andere Kost beizufüttern.

Da aber nicht immer alles so einfach ist, wie es klingt, gilt vor allem: kein Stress! Ob Brustentzündung oder Milchstau, trinkfaules oder heißhungriges Baby, Ernährungsfragen oder schonendes Abstillen – gestresste Eltern tun gut daran, sich Rat und Hilfe zu holen! Zum Beispiel bei einer Hebamme, Stillberaterin oder beim Internetportal der Deutschen Liga für das Kind in Familie und Gesellschaft und der Nationalen Stillkommission unter  www.stillen-info.de/ .

 

Blähungen

Sie liefern Stoff für Gespräche, von denen Eltern nie gedacht hätten, dass sie sie jemals führen würden … und sind leider auch der Grund für etliche schlaflose Nächte: Bauchschmerzen und Blähungen kleiner Babys. Der Magen-Darm-Trakt der ganz Kleinen ist nämlich noch nicht ausgereift. Er bildet häufig noch zu wenige Verdauungsenzyme und die Darmbewegungen müssen sich auch erst einspielen. Dazu kommt, dass Säuglinge beim Trinken an Brust oder Fläschchen nicht nur Milch, sondern auch Luft schlucken – und die verursacht Blähungen.

 

Das hilft:

  • Gestillte Kinder reagieren manchmal auf blähende Speisen, die die Mutter gegessen hat, beispielsweise Zwiebeln, Schokolade, Kohl oder Hülsenfrüchte. Hier hilft nur Ausprobieren – und Weglassen, wenn eine Speise die Beschwerden des Babys tatsächlich verstärkt. Milchflaschen bitte nicht schütteln, sondern das Milchpulver vorsichtig mit dem Löffel ins Wasser rühren, um Luftbläschen zu verhindern. Auch verdauungsberuhigend: Statt Wasser Kümmel- oder Fencheltee verwenden.
  • Auf eine ruhige Atmosphäre beim Trinken achten. Denn je ruhiger das Baby ist, desto weniger Luft schluckt es mit der Milch.
  • Für viele Kinder ist das Bäuerchen nach dem Trinken eine Befreiung. Zum Aufstoßen der störenden Luft legen Eltern das Baby am besten aufrecht an die Schulter. Sanfte Klopfbewegungen am oberen Rücken des Kindes erleichtern die Sache.
  • Ein warmes Kirschkernkissen tut dem geplagten Babybauch oft gut, ebenso eine Massage. Streichen Sie dazu im Uhrzeigersinn sanft über das Bäuchlein des Kleinen, das fördert die Verdauung. Etwas Kümmelöl auf den massierenden Händen unterstützt diese Wirkung. Auch der sogenannte „Fliegergriff“ ist für viele Babys eine Erleichterung: Legen Sie das Kind dazu bäuchlings auf Ihren Unterarm, Arme und Beine baumeln seitwärts herab, das Köpfchen liegt in der Ellbogenbeuge.
  • Auch Schlafen hilft. Denn oft sind schreiende Babys übermüdet und durch ihr Schreien gelangt noch mehr Luft in ihren Bauch. Eine kleine Ausfahrt mit dem Kinderwagen kann manchmal Wunder bewirken.
  • Viele Eltern schwören auf entblähende Emulsionen für Babys Bauch. Vor der Gabe sollten Sie aber auf jeden Fall Rücksprache mit Ihrem Kinderarzt halten.

 

Zähne und Zahnspange

Zahnpflege beginnt mit dem ersten Zahn, denn die ersten beeinflussen die Gesundheit und das Wachstum der bleibenden Zähne. Da Milchzähne einen weichen Schmelz haben, gilt es, bereits den ersten weißen Zacken, der sich aus dem Kiefer schiebt, mit einem Wattestäbchen zu reinigen. Das hat den nützlichen Nebeneffekt, dass Zahnhygiene für das Kind von Anfang an selbstverständlich ist.

In der Phase des „Zahnens“ wirkt übrigens ein leicht gekühlter Beißring schmerzlindernd. Auch eine sanfte Massage des geschwollenen Zahnfleischs mit dem Finger ist für das Baby angenehm, empfiehlt Dr. Thomas Fendel vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Deutschlands. Schließlich können Gele mit entzündungshemmenden und desinfizierenden Zusätzen helfen. Sobald vier bis fünf Zähne vorhanden sind, kann eine Baby-Zahnbürste verwendet werden. Ab dem dritten Lebensjahr kann das Kind allmählich das Bürsten lernen – doch erst im Schulalter lernen Kinder das richtige Putzen: Erst die Kauflächen reinigen und dann in kreisförmigen Bewegungen die Außen- und Innenseiten vom Zahnfleisch bis zur Krone bürsten.

Bei Kindern zwischen 10 und 16 Jahren sind kieferorthopädische Behandlungen die häufigste Ursache für den Zahnarztbesuch, erklärt Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer Dr. Dietmar Oesterreich. „Schiefe Zähne und Kiefer- anomalien werden häufig durch schädliche Gewohnheiten wie Daumenlutschen oder Nuckeln über das Säuglingsalter hinaus verursacht.“

 

Schlafen

Nach fünf Monaten, so berichten neuseeländische Wissenschaftler, können über die Hälfte der Kinder mit fünf Monaten zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens durchschlafen, nach einem Jahr schaffen es etwa drei Viertel. Ohne die körperliche Nähe zu den Eltern einzuschlafen ist ein wichtiger Entwicklungsschritt, der nicht nur mit einem Gefühl der Geborgenheit, sondern auch viel mit einem geregelten Tag-Nacht-Rhythmus zu tun hat, erklärt Dr. Monika Niehaus, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Deutschlands. Deshalb sollte im Kinderzimmer der Wechsel von hell zu dunkel die Schlafenszeit signalisieren.

Ein immer gleich ablaufendes, liebevolles Ritual vor dem Zubettgehen – zum Beispiel Kuscheln, Singen oder ein Bilderbuch betrachten – erleichtert die Umstellung von der Aktivitätsphase zur Erholungsphase. „Wacht das Kind nachts auf, sollten Eltern nicht sofort reagieren, sondern einige Zeit vergehen lassen, um dem Kind die Chance zu geben, sich selbst zu beruhigen“, meint Monika Niehaus. Und sie rät Eltern davon ab, ihr Kind in dieser Situation hochzuheben. „Beruhigen Sie Ihr Kind lieber mit leisem Zureden und Streicheln beruhigen, dann gewöhnt es sich auch nicht daran, nur mit Körperkontakt einzuschlafen.“  Das gilt auch, wenn ein Kleinkind nachts aufwacht. Dann sollten Eltern nachsehen, um das Kleine zu beruhigen und sich zu versichern, dass es ihm gut geht – mit gedämpfter Stimme, bei so wenig Licht wie möglich und möglichst ohne das Kind aus seinem Bett zu holen. Je älter ein Baby wird, desto mehr und länger sollte es im Übrigen tagsüber aktiv sein – denn die Hauptschlafenszeit ist nachts.

Für Kinder und Teenager gilt: Daddeln an Konsole, Handy und Co sollte mindestens eine Stunde vor dem Schlafengehen absolut tabu sein!

 

Die Haut

Ist der Babypopo wund, wirkt das Eincremen mit einer Zinksalbe abdeckend, schützend, sekretbindend, antibakteriell und es kommt zu einer schnellen Linderung bei Windeldermatitis.  „Salbe dient als Schutzbarriere gegen das feuchte Klima in der Windel. Manchmal sind auch neue Produkte wie Lotionen, Windeln oder Reinigungstücher für gereizte Haut verantwortlich“, erklärt Dr. Monika Niehaus. Wunde Hautregionen brauchen so oft wie möglich frische Luft. Sitzbäder mit Kamille oder Gerbstoffen lindern die Beschwerden, auch können nässende Hautstellen mit Schwarzteebeuteln betupft werden.

Eine sorgfältige Hautpflege hilft auch bei Neurodermitis, der in Deutschland häufigsten chronischen Hauterkrankung, von der laut Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte Deutschlands immer mehr Kinder betroffen sind. Für die Basispflege gilt grundsätzlich: fett auf trocken, feucht auf feucht. Eine Kühlung der Haut empfinden die Kinder meist als angenehm. So können gekühlte Hautpflegeprodukte, leichte Kleidung z. B. aus Baumwolle, Seide, Mikrofasern (zur Vermeidung eines Wärmestaus) sowie Temperaturen im Kinderschlafzimmer von etwa 19 bis 20°C helfen. Darüber hinaus stehen zur Behandlung der Neurodermitis entzündungshemmende cortisonfreie Salben zur Verfügung.

 

Schnuller weg

Der Schnuller tröstet das Baby und entlastet die Eltern. Spätestens nach dem zweiten Lebensjahr sollten sich die Kleinen aber von ihm verabschieden. Zwar haben die Kleinen einen angeborenen Saugreflex – sonst säßen sie ja buchstäblich auf dem Trockenen. „Aber jedes Kind ist anders, und ich würde immer erst einmal abwarten, wie es sich

entwickelt.“ Die meisten Babys holen sich ihre Portion Geborgenheit am liebsten über Körperkontakt, einen vertrauten Geruch, ein Kuscheltuch, Wärme, die Stimme von Mama und Papa oder auch lieb gewordene Geräusche. Ein Schnuller ist kein Dauerberuhiger, sondern sollte immer nur kurzzeitig zum Einsatz kommen, wenn es eben gerade nicht anders geht. Sind die ersten Zähnchen da und können die Kleinen festere Nahrung zu sich nehmen, mögen sie Dinge, auf denen sie herumkauen können – zum Beispiel einen Beißring. Jetzt sollten Eltern den Saugreflex nicht künstlich verlängern: Das Fläschchen sollte dem Trinkbecher weichen, die Breikost der festen Nahrung. Der neue Kaureflex fördert ganz natürlich die Schnullerentwöhnung – was wiederum gut für die Zahnstellung ist. Auch wenn der  „Königsweg“ der Schnullerentwöhnung noch nicht gefunden wurde. Es gibt Rituale, die dabei helfen, etwa eine „Abschiedsfeier“ oder die berüchtigte „Schnullerfee“, die den Sauger nachts holt und dafür ein kleines Geschenk zurücklässt. Wichtig ist aber, dass der Schnuller nicht ohne die innere Bereitschaft des Kindes verschwindet.

 

Sauber werden

„Kinder werden tagsüber durchschnittlich mit 28 Monaten trocken, nachts mit 33 Monaten – mit oder ohne Sauberkeitserziehung“, berichtet die Verhaltensbiologin und Buchautorin Dr. Gabriele Haug-Schnabel von der Universität Freiburg. Entscheidend ist dabei nicht nur die Kontrolle über die Schließmuskeln, sondern auch die Entwicklung des eigenen Willens und der Fähigkeit, bewusst nach ihm zu handeln – und auch einmal eine Handlung auf später verschieben zu können, wenn die Blase drückt. Mit ungefähr zweieinhalb beginnen kleine Windelträger damit, sich für ihr kleineres oder größeres Geschäft in eine ruhige Ecke zu verziehen – oder sich dafür auf Töpfchen oder Toilette zu setzen. Schafft es das Kind, tagsüber sein kleines oder großes Bedürfnis rechtzeitig wahrzunehmen und ein „stilles Örtchen“ aufzusuchen, ist schon einmal ein großer Schritt getan. Praktische Kleidung, die sich leicht hochziehen lassen, tut ihr Übriges.

Meist stellt sich einige Monate später von ganz allein auch die „trockene Nacht“ ein. Wenn die Windel über zwei oder gar drei Wochen trocken geblieben ist, können Eltern sie auch weglassen, meint Haug-Schnabel – sie rät aber zu wasserdichten Bettlaken.

 

Sehen und Hören

Wenn ein Baby das „Licht der Welt erblickt“, nimmt es seine Umwelt zunächst noch verschwommen wahr. Scharf sieht es nur in einem Bereich zwischen 20 und 25 Zentimeter vor der eigenen Nase. Besonders spannend sind Gesichter, vor allem das der Mutter. Mit ihr nimmt das Neugeborene bereits wenige Stunden nach der Geburt erstmals Blickkontakt auf. Bisher kannte es ja nur ihre Stimme und den Rhythmus ihres Herzschlags. Denn genauso wie es bereits im Mutterbauch hell und dunkel unterscheiden kann, verfügt ein gesundes Baby auch schon vor der Geburt über ein funktionierendes Gehör. Ob das Gehör normal ausgebildet ist, wird in der Regel auf der Wochenbettstation überprüft. Allerdings können manche Hörstörungen auch erst später im Leben auftreten, beispielsweise durch bestimmte Viruserkrankungen. Aber auch durch gutgemeintes Putzen können Eltern Schaden anrichten, vor allem

wenn Wattestäbchen zum Einsatz kommen. Besser ist ein feuchtes, warmes Tuch, mit dem die Ohrmuschel sanft gereinigt wird.

 

Bereit für die Schule?

Früher schien alles ganz einfach: Konnte ein Kind mit der rechten Hand über den Kopf das linke Ohr berühren, war groß genug und gesund, galt es als „schulreif“. Heute liegt das Augenmerk nicht mehr nur auf körperlichen Fähigkeiten. Darüber, ob ein Kind „schulfähig“ ist, geben emotionale Aspekte wie Belastbarkeit, Frusttoleranz und Selbstbewusstsein ebenso Aufschluss wie Fingerfertigkeit, Eigeninitiative, Gleichgewichtssinn und natürlich Auffassungsgabe. Je mehr Eltern die Selbstständigkeit des Kindes von Anfang an fördern, desto leichter tut es sich auf diesen Gebieten und erst recht im Leben.

Dazu gehört, den Kleinen wo möglich eigene Entscheidungen zuzugestehen, ebenso wie ihnen häusliche Aufgaben wie anziehen, Brot schmieren oder mal die Treppe kehren zu übertragen (auch wenn das Ganze dann etwas länger dauert). Und natürlich: Fragen und Interessen des Kindes ernst nehmen und ihm viel Raum für Spiel und Bewegung lassen. 

 

Ernährung

Gut jedes vierte Kind zwischen 5 und 17 Jahren ist nach einer aktuellen Studie des Robert-Koch-Institutes übergewichtig. Das ist nicht nur schlecht für Blutzuckerspiegel, Fitness und Gelenke, sondern belastet betroffene Kinder auch seelisch. Umgekehrt ist eine vitamin- und nährstoffreiche Ernährung eine gute Grundlage für die gesunde kindliche Entwicklung. Wie aber lässt sich Gesundes am besten an die lieben Kleinen ran und vor allem in sie reinkriegen?

Ganz wichtig ist Vielfalt, denn Babys und Kleinkinder sind zunächst einmal für alles offen. Deshalb sollten auch Babys, die im Alltag Fertigbrei bekommen, zumindest ab und zu selbst Zubereitetes essen, nach und nach auch Vollkornprodukte und Obststücke. Das schafft positive Gewohnheiten, schult den Geschmack und gewöhnt den Nachwuchs auch schon an die Familienküche. Gut ist, wenn das Kind unter verschiedenen gesunden Alternativen wählen darf, beispielsweise unter zwei verschiedenen Gemüsesorten, mit oder ohne Soße (in der sich trefflich püriertes Gemüse verstecken lässt) oder unter verschiedenen Rohkostschnipseln, Brotsorten, Aufstrichen oder auch Obststücken.

Kleinkinder sind übrigens mit der Süße von Obst völlig zufrieden, solange sie noch keine Schokolade, Gummibärchen etc. kennengelernt haben. Eltern tun gut daran, diese „Unschuld“ – zumindest beim ersten Kind – so lange wie möglich zu erhalten und Süßes auch niemals als Belohnung oder als Tröster einzusetzen. Ernährungswissenschaftlerin Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung betont, dass Kinder und auch Teenager durchaus zu vollwertiger Nahrung greifen, „wenn sie nicht immerzu mit süßeren, fetteren Alternativen gelockt werden. Der Faktor Gewohnheit ist hier sehr stark.“

 

Wir hoffen, Ihnen mit unseren Tipps etwas zu helfen und wünschen viel Freude und Spaß mit Ihren Kindern. Und genießen Sie die Zeit, sie beim Aufwachsen und in ihrer Entwicklung zu erleben.

 

 

 

 

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