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Weihnachtsgeschichten

Weihnachten ist ein Winterfest, oder? Diese Frage ist berechtigter, als sie auf den ersten Blick erscheinen mag. Schließlich stehen die ersten festlich mit goldenen Sternchen und Tannenbäumen verzierten Packungen mit Vanillekipferln und Spekulatius schon in den Supermarktregalen, wenn draußen noch 30 Grad im Schatten herrschen. Zunächst könnte man das natürlich für den letzten Beweis einer unaufhaltsam voranschreitenden Erderwärmung halten. Dabei ist die Verbindung „Weihnachten“ und „Winter“ einfach bloß höchst subjektiv.

 

Besonders deutlich wird das, wenn man Weihnachtsschnappschüsse aus, sagen wir mal, Australien betrachtet: Da liegen die Menschen an Weihnachten mit einer Weihnachtsmütze auf dem Kopf am Strand und baden abwechselnd in der Sonne und im Meer. Schließlich herrscht auf der Südhalbkugel am Weihnachtsabend Hochsommer. Und so unterschiedlich das Wetter, so verschieden sind natürlich auch die Weihnachtstraditionen. Dafür müssen Sie aber gar nicht unbedingt nach Down Under reisen. Ein Blick hinüber zu unseren Nachbarn genügt schon, um die eigenen Vorstellungen, wie Weihnachten zu sein hat, ein bisschen aufzumischen.

 

Same old same old – so sagt man in Englisch, wenn „alles beim Alten bleibt“. Auf der einen Seite kann eine solche Konstanz beruhigend sein. Niemand muss sich großartig umgewöhnen, die alten Muster funktionieren, das Potenzial für Fehler ist minimal, kurz: Wir fühlen uns sicher. Auf der anderen Seite kann eine solche Vertrautheit aber auch langweilig werden. Jedes Jahr wird derselbe Christbaumschmuck aus dem Keller geholt, mit dem einzigen Unterschied, dass in diesem Jahr andere Lämpchen auf der Lichterkette kaputt sind, dieselben Verwandten kommen zu Besuch und erzählen dieselben Geschichten, das gleiche Essen wird aufgetischt, auch in diesem Jahr wieder auf dem guten Geschirr, dass nur zu Festtagen aus dem Schrank geholt wird. Und selbst die Geschenke ähneln sich manchmal doch sehr stark, Stichwort: Socken, Krawatte und Parfüm. Da kann schon einmal der Wunsch nach etwas Abwechslung aufkommen. Warum also nicht über die Weihnachtszeit verreisen?

 

Traditionelle Weihnachten, aber eben doch ganz anders

Es gibt weniger als eine Handvoll Länder, in denen Weihnachten nicht gefeiert wird, darunter die nicht gerade als besinnlich oder gar feierwütig bekannten Staaten Somalia und Nordkorea. Wer eine der unzähligen nationalen oder regionalen Varianten des Weihnachtsfestes kennenlernen will, hat also eine breitgefächerte Auswahl. Ein paar besonders kuriose Weihnachtsfeste von nah und fern haben wir hier für Sie zusammengetragen:

 

Wichtel statt Weihnachtsmann

Wer Weihnachten in Island feiert, könnte auf die Idee kommen, die Isländer hätten Weihnachten mit dem Märchen von Schneewittchen und den Sieben Zwergen in einen Topf geworfen, einmal kräftig gerührt und aus dem Ergebnis ihre ganz eigene Weihnachtstradition geformt. Wie ist es sonst zu erklären, dass auf der Insel im Nordatlantik nicht der Weihnachtsmann, sondern 13 Zwerge namens Yulemen bzw. Jólasveinar die Geschenke bringen. Wobei: Das mit den Geschenken haben sich diese Weihnachtswichtel erst seit kurzem für all die Kinder angewöhnt, die brav waren. Früher spielten sie den Insulanern lieber üble Streiche. Es steckt also auch ein bisschen Knecht Ruprecht in ihnen. Übrigens bauten sich die Isländer ihre Weihnachtsbäume lange selbst, und zwar aus Holzstücken, die sie grün anmalten und mit Weihnachtsschmuck dekorierten. Schließlich herrscht auf der Vulkaninsel chronischer Baummangel. Mittlerweile werden zwar häufig Tannenbäume vom Festland importiert, ganz von ihren traditionellen Holzbäumen lassen wollen die Isländer aber nicht.

 

Glücksspiel an Weihnachten

Das Glück spielt in der spanischen Weihnacht eine große Rolle: Nicht nur wird am 22. Dezember die Weihnachtslotterie ausgespielt, gemessen an der ausgezahlten Gesamtsumme die größte Lotterie der Welt, auch am Heiligabend, der Noche Buena, feiert Fortuna mit: Nach dem Essen wird die „Urne des Schicksals“ auf den Tisch gestellt. Darin befinden sich neben vielen kleinen Geschenken auch Nieten. Jeder am Tisch zieht dann so lange, bis er oder sie ein Geschenk bekommen hat. Die eigentliche Bescherung samt „richtigen“ Geschenken findet traditionell erst am 6. Januar statt. An diesem Tag wird auch zum vorerst letzten Mal das Glück herausgefordert, und zwar in Form des Roscón de Reyes, einem Kuchen in Ringform, in dem eine kleine Figur und eine trockene Bohne eingebacken sind. Wer die Figur in seinem Kuchenstück findet, ist für einen Tag König, wer die Bohne findet, muss den Kuchen für alle Gäste bezahlen – bei selbstgebackenem Roscón wird der Unglücksrabe aber nur symbolisch zur Kasse gebeten.

 

Wenn Väterchen Frost die Geschenke bringt

Wer die russische Weihnacht mitfeiern möchte, muss noch nicht mal auf das Weihnachtsfest am 24. Dezember verzichten. Denn in Russland feiert man erst am 7. Januar. Die russisch-orthodoxe Kirche richtet sich nämlich nicht nach dem Gregorianischen, sondern nach dem Julianischen Kalender. Dem Fest geht außerdem eine 40-tägige Fastenzeit voraus, die nur ungefähr unserer Adventszeit entspricht. Außerdem kommt auch nicht das Christkind zu Besuch oder der Weihnachtsmann auf seinem Schlitten angefahren, sondern der geheimnisvolle Väterchen Frost, Ded Moros genannt. Unterstützt wird er von seiner Enkelin, dem Schneemädchen Snegurotschka. Wer doppelt Geschenke einheimsen möchte, einmal vom Weihnachtsmann und dann noch einmal von Väterchen Frost, der dürfte daher sogar ungeschoren davonkommen – außer der Weihnachtsmann und Väterchen Frost sind ein und dieselbe Person. Aber wer weiß das schon?

 

Bunt, lang und laut – Weihnachten auf den Philippinen

Das längste Weihnachtsfest der Welt wird auf den Philippinen gefeiert. Hier beginnt die besinnliche Zeit bereits Mitte Oktober. Allerdings ist „besinnlich“ wohl nicht das richtige Wort, „konsequent“ trifft es besser: Im Radio reiht sich gefühlt ein Weihnachtslied an das nächste, selbst die kleinsten Geschäfte sind so üppig geschmückt wie der Times Square in New York, durch die Straßen marschieren Blaskapellen und im Himmel explodiert Feuerwerk. Und ab dem 16. Dezember finden dann jeden Abend Aufführungen von Bibelgeschichten und Lesungen statt, bis am 24. Dezember ähnlich wie in Mexiko der Suche von Maria und Josef nach einer Unterkunft gedacht wird: Überall werden die Türen geöffnet, damit die beiden mit dem Christuskind Obdach finden mögen.

 

 

Wo die Kinder im Süßigkeiten-Regen stehen

In Mexiko und vielen anderen Ländern Südamerikas erinnert man sich zu Weihnachten der Geschichte hinter dem Fest. Ausdruck hiervon sind die Posadas. Die beginnen am 16. Dezember und dauern neun Tage, die einerseits für die Schwangerschaft der Gottesmutter Maria stehen, andererseits für die vergebliche Herbergssuche von Maria und Josef auf ihrem Weg von Nazareth nach Betlehem. Allerdings geht es dafür doch sehr lustig zu, mit spektakulären Straßenumzügen samt Feuerwerk. Die Kinder gehen

derweil auf die Jagd nach Piñatas, reich verzierten, sternförmigen Gefäßen aus Pappmaché, die aufgehängt und mit verbundenen Augen aufgeschlagen werden müssen, so dass die Kinder darunter in einem Regen aus Süßigkeiten stehen.

 

Ob Fernreise oder Kurztrip – Weihnachtstrubel ade

Viele Menschen fühlen sich von Weihnachten überfordert. Es kommt einfach zu viel zusammen: Geschenke kaufen und einpacken, Weihnachtsdeko anbringen, den richtigen Baum finden und anschließend schmücken, Essen planen und kochen, die Verwandten besuchen oder beherbergen, und und und. Während man dann versucht, all das unter einen Hut zu bekommen, wird einem zusätzlich ständig und unaufhörlich suggeriert, wie harmonisch und beschaulich Weihnachten sei. Da wundert es nicht, dass immer mehr Deutsche über Weihnachten Reißaus nehmen.

 

Die beliebtesten Reiseziele während der Weihnachtszeit sind Ägypten, die Kanarischen Inseln und die Balearen. Bei den Fernzielen führen die Dominikanische Republik und Thailand das Feld an. Wer so weit in die Ferne schweifen möchte, der muss sich je nach Reiseziel jedoch frühzeitig erkundigen, ob und welche Impfungen notwendig sind. Informationen hierzu finden Sie beispielsweise auf der Homepage Ihrer Krankenkasse oder des Auswärtigen Amts. Außerdem sollte man die Belastungen für den Organismus durch den eventuellen Wetterwechsel und den Flug nicht unterschätzen. Wer in Deutschland bei Griesel oder Schnee ins Flugzeug steigt und einige Stunden später in sommerlicher Hitze wieder verlässt, muss damit rechnen, dass der Kreislauf einige Zeit benötigt, um diesen Klimaumschwung zu verkraften. Entsprechend sind auch schnell greifbare Wechselklamotten sinnvoll. Auftritte im Weihnachtsmannkostüm sollte man ab 30 Grad im Schatten jedenfalls den Einheimischen überlassen.

 

Aber es muss ja nicht gleich das andere Ende der Welt sein. Auch ein Kurzurlaub innerhalb Deutschlands oder zu unseren Nachbarn eröffnet neue Perspektiven. Und deutlich weniger belastend sind solche Kurztrips allemal, vor allem, wenn man das eingeschneite Auto stehen lässt und stattdessen ganz gemütlich die Bahn nimmt. Neben Städtereisen bieten sich hierfür insbesondere Wellness-Urlaube an. So schlägt man auch dem Weihnachtsstress ein Schnippchen: vielleicht in den Bergen, wo der Blick zwischen Whirlpool, Saunagängen und Massagen über verschneite Gipfel und erleuchtete Täler schweift und man tatsächlich spürt, wovon man zur Weihnachtszeit sonst immer nur hört: Besinnlichkeit und Ruhe.

 

Ein frohes Fest für den Gaumen

Lässt man die Kirche mal außen vor, wie es mittlerweile die meisten Deutschen machen, geht es am Geburtstag des Christkindes vor allem um die Familie, die Standfestigkeit des Baums, die Qualität und Quantität der Geschenke, und – nicht zu vergessen – um das Essen. Manch einer oder eine tischt bei dieser Gelegenheit gerne großzügig auf, beispielsweise einen Gänsebraten mit Rotkohl und Klößen. Andere mögen es besinnlicher und tun sich an Würstchen mit Kartoffelsalat oder regional verschiedenen Ausführungen des Weihnachtskarpfens gütlich. Dafür wird dann meist an den darauffolgenden Weihnachtstagen ordentlich geschlemmt. Unabhängig vom eigentlichen Festtagsessen darf eines aber niemals fehlen: Reichlich Plätzchen, Pralinen, Schokolade und sonstige Naschereien, eben all die Sachen die man später für das neugewonnene Hüftgold verantwortlich macht. Den Rechenschieber zum Kalorienzählen lässt man zur Weihnachtszeit ohnehin besser im Schrank.

 

Doch was sich nach den Festtagen in dem einen oder anderen Pölsterchen niederschlägt, kann auch ganz akut für Beschwerden sorgen, beispielsweise in Form von Sodbrennen, Völlegefühl oder Bauchgrimmen. Den so oft bemühten Verdauungsschnaps sollte man in solchen Fällen besser ausschlagen, der bremst die Verdauung nämlich zusätzlich aus. Eine Ausnahme sind Kräuterliköre, die Anis, Minze oder Kümmel enthalten und dadurch wirklich verdauungsfördernd wirken können. Besser und gesünder ist allerdings ein anregender Kräutertee, zum Beispiel Pfefferminz, Fenchel, Kümmel oder Kamille. Anders als mit Schnaps kommt mit einem solchen Tee auch wieder der Flüssigkeitshaushalt ins Lot. Eine weitere Möglichkeit, einen trägen Bauch wieder auf Touren zu bringen, ist ein kleiner Spaziergang. Warm eingepackt sorgt die Kombination von frischer Luft und Bewegung innerhalb kürzester Zeit nicht nur für gute Laune, sondern auch dafür, dass der gesamte Stoffwechsel samt Immunsystem wieder in Wallung kommt. Und ganz nebenbei verbrennt man dadurch auch noch gleich die eine oder andere Kalorie, die man sich zuvor gegönnt hat.

 

Etwas paradox mag der Ratschlag anmuten, mehrere Gänge zu servieren. Schließlich isst man dann ja noch mehr, oder? Nicht unbedingt. Jedenfalls nicht, wenn vor dem meist fettigen Hauptgang schon eine leichte Suppe oder ein knackiger Salat gereicht wurde. Beides stillt nämlich schon einmal den gröbsten Hunger und sorgt so dafür, dass wir danach nicht nur langsamer, sondern tendenziell auch weniger essen.

 

Pausen zwischen den Gängen helfen ebenfalls dabei, die ungezügelte Völlerei etwas im Zaum zu halten. Denn unser Magen benötigt durchschnittlich etwa eine Viertelstunde, bis er dem Gehirn gemeldet hat, dass er gut gefüllt und nun satt ist. Außerdem bleibt so auch genügend Zeit für die vielleicht schönste und wichtigste Weihnachtstradition: einander all jene Geschichten zu erzählen, die uns im sich nun dem Ende zuneigenden Jahr widerfahren sind.

 

Ganz gleich, ob Sie im Kreise Ihrer Lieben unter dem heimischen Weihnachtsbaum feiern oder lieber vor dem winterlichen Trubel in wärmere Gefilde flüchten: Genießen Sie Ihr Weihnachtsfest.

 

 

 

 

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