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Mehr als nur Wassertreten: Kneippen

Wanderer, die während eines langen Fußmarsches zufälligerweise vor einem Kneippbecken landen, loben die Vorsehung und kühlen ihre müden Füße gerne im kalten Nass, treten ein wenig Wasser und können nach kurzer Zeit erfrischt ihren Fußmarsch fortsetzen.

 

Vermutlich mit wohlwollenden Gedanken an den Erfinder. Wassertreten und kalte Güsse sind als „Kneipp-Kur“ ein Begriff. Doch das kommt der Idee von Sebastian Kneipp nur im Ansatz nahe.

Denn die Hydrotherapie ist nur ein Aspekt der auf insgesamt 5 Pfeilern basierenden Kneipp-Kur. Zu den von Kneipp angewandten Maßnahmen gehören daneben auch Phyto-, Ernährung-, Bewegungs- und Ordnungstherapie. Letzteres hört sich für unsere Ohren ein wenig befremdlich an. Doch da Kneipp unter diesem Punkt eine bewusste, der Gesundheit förderliche Lebensweise verstand, könnte man diesen Aspekt heute mit Achtsamkeit übersetzen. Die Kneipp-Methode beruht auf dem Reiz-Reaktions-Prinzip und nutzt die normalen Reize des Körpers therapeutisch.

 

„Das natürlichste und einfachste Abhärtungsmittel  ist das Barfußgehen“

Kaltes Wasser fördert die Durchblutung, weil der Körper versucht, den Wärmeverlust auszugleichen. Durch die  Anregung der Durchblutung werden Abwehrkräfte mobilisiert und damit wird das Immunsystem angekurbelt. Abhärten, nannte das Kneipp und empfahl dazu auch das Barfußlaufen – im Wasser, auf feuchten Wiesen oder im Schnee. Heute bieten viele Kureinrichtungen Barfußpfade an. Als natürliche Fußreflexzonenmassage hat das Laufen mit nackten Füßen nicht nur einen positiven Einfluss auf die inneren Organe. Es unterstützt den gesamten Bewegungsapparat und senkt das Risiko von Fußschäden.

 

„Man muss auf den ganzen Körper wirken, wenn man den Krankheitsstoff beseitigen will“

Bei Kneipp steht der ganze Mensch im Mittelpunkt der Betrachtung. Deshalb empfahl er eine vollwertige, vielfältige Ernährung. Da zu seiner Zeit sehr viel weniger Fleisch auf den Teller kam als heute, gehörte eine gelegentliche Fleischportion für ihn dazu. „Vernünftig verfahren und nicht zu einseitig essen“, war seine Idee. Er empfahl Obst und  Gemüse, vor allem in Form von Rohkost, ergänzend dazu Bewegung. Im Hinblick auf die damals weit verbreiteten einschnürenden Korsetts riet er zu lockerer, nicht ein- engender Kleidung. Heute können wir wissenschaftlich belegen, dass Bewegung Stress abbaut, Krankheiten vorbeugt und Körper und Geist entspannt. Kneipp war seiner Zeit voraus – denn wer es sich damals leisten konnte, bewegte sich so wenig wie möglich.

 

„Die Natur ist die beste Apotheke“

Nach Kneipps Überzeugung hatte Gott gegen jedes Leiden auch ein Kraut wachsen lassen. Er studiert die Wirkung der Pflanzen und ergänzte damit seine Wassertherapie. Die heilende Kraft der Heilkräuter kommt in Tees, Wickeln, Bädern oder Güssen zum Tragen. Als Heilkundler setzte er auf heimische Kräuter und verhalf auch Gewächsen, die bis dahin nur in der Küche verwendet wurden, als Arzneipflanzen zu neuen Ehren, wie etwa dem Salbei oder dem Beifuß. Kneipp wurde zeitlebens von Ärzten und Apothekern als Scharlatan angefeindet. Die Zeit gab ihm Recht. Auch 2021, im Jahr seines 200sten Geburtstags, wird noch immer gekneippt: als therapiebegleitende Maßnahme bei bestehenden Erkrankungen oder zur Prävention.

 

 

  

 

 

 

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