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Balkonien und (Schreber-)Gärtnern

Erinnern Sie sich noch an den Kinderbuchklassiker „Oh, wie schön ist Panama?“ Darin „entdecken“ Tiger und Bär, dass man nicht unbedingt in die Ferne schweifen muss, um sein Glück zu finden. Seit einigen Jahren spiegelt sich diese Erkenntnis auch in der wachsenden Attraktivität zweier Dinge wider, die lange Zeit als Inbegriff der Spießigkeit galten: der grünen Oase auf dem Balkon und dem Gärtnern, gerne auch im Kleingartenverein.

Eigentlich könnte man meinen, die Sehnsucht nach einem Ausweg aus Enge und Isolation durch einen eigenen Garten sei das Ergebnis der Corona-Pandemie. Tatsächlich ist dieser Trend aber nun schon etliche Jahre alt. Davon können vor allem die Kleingartenanlagen in Ballungszentren ein Liedchen singen.

 

Die Pandemie war für sie nur noch der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Manche Vereine haben ihre Wartelisten für Interessenten mittlerweile geschlossen, weil der Andrang einfach zu groß war.

 

Endlich mal wieder Bestimmer sein

Dabei ist es wohl weniger das Vereinsleben, das die Städter ins Grün zieht, als vielmehr die Sehnsucht nach einem eigenen kleinen Reich, in dem man sich verwirklichen kann. Einmal König der Erde sein? Im eigenen Garten kein Problem. Und dass man ein guter König ist, merkt man spätestens, wenn Untertan Erde es einem mit unbehandeltem Obst und Gemüse dankt.

 

Vor diesem Hintergrund ist es wohl auch zu erklären, dass immer mehr Gartenbesitzer ihren jahrelang brachliegenden Rasen- oder Steingarten in einen Ertragsgarten umwandeln. Das freut nicht nur den naturliebenden Menschen, sondern auch die menschengeplagte Natur. Denn wo unterschiedliche Pflanzen blühen und gedeihen können, entwickelt sich nach und nach auch ein funktionierendes Ökosystem.

 

Neuer Trend: Acker to go

Der Trend zurück zur Natur treibt mancherorts, vor allem natürlich in den Ballungszentren, aber auch etwas seltsame Blüten. So kann man mittlerweile komplett vorbereitete Parzellen mieten, auf denen die sonst kosmopolitisch flanierenden Städter im Grunde nur noch etwas hacken, jäten und gießen müssen – und am Ende natürlich ernten.

Hier geht es nicht so sehr darum, ein kleines Refugium zu schaffen, in dem man seine sprichwörtlichen Flügel ausbreiten darf, sondern um einen ökologisch nachhaltigeren Lebensstil.

Und viel Zeit braucht man dafür nicht. Um am Ende in den Genuss des eigenen Gemüses zu kommen, muss man gerade einmal zwei bis drei Stunden pro Woche investieren. Wer seine Zeit sonst im sterilen Büro verbringt, empfindet diese Arbeit leicht als Wellness.

 

Platz ist selbst im kleinsten Beet

Selbstverwirklichung und gesunde Ernährung sind aber auch ohne viel Fläche möglich. Selbst ein kleines Balkonien kann ausreichen, um Salate, Kräuter und etwas Gemüse anzubauen. Und wer auch keinen Balkon hat, weicht eben auf die Fensterbank aus.  Ratgeber für solche „Kleinstgärtner“ finden sich mittlerweile zuhauf im Internet und im Buchhandel. Eigentlich ideal für alle, die einfach mal ausprobieren möchten, wie grün ihr Daumen nun wirklich ist.

 

 

  

 

 

 

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