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Leben im und mit dem Alter

Altwerden ist nichts für Feiglinge, erkannte schon die US-amerikanische Skandalschauspielerin Mae West. Und tatsächlich kann einem das Älterwerden noch einiges mehr abringen als bloß ein paar Haare, Erinnerungen und federnde Sprungkraft. Entscheidend dabei ist, dass man sich nicht selbst zum vermeintlich alten Eisen legt, sondern auch diese Lebenszeit aktiv gestaltet und nutzt.

Der Zahn der Zeit, der nagt und knabbert, und zwar nicht nur an jedem Einzelnen von uns, sondern auch an der gesamten Bevölkerung: Seit 1991 ist die Zahl der 65-Jährigen und Älteren von 12 Millionen auf gute 18 Millionen angewachsen, Tendenz weiter steigend. Leider können aber nicht alle diese Menschen das Altwerden als Geschenk begreifen. Zu sehr setzen ihnen körperliche oder auch seelische Probleme zu. Letztere können nicht selten die Form der sogenannten Altersdepression annehmen.

 

Die Krux ist die Gesundheit

Neben demenziellen Erkrankungen gehören Depressionen zu den häufigsten psychischen Alterserkrankungen. Vor allem leichtere Depressionen treten bei älteren Menschen zwei- bis dreimal so häufig auf wie bei Jüngeren. Grundsätzlich unterscheidet sich eine solche Altersdepression nicht wesentlich von anderen Depressionen. Allerdings gibt es doch eine Besonderheit: Probleme, die durch die Depression als besonders bedrohlich empfunden werden, sind meist gesundheitlicher Natur. Auch deswegen ist die Diagnostik manchmal schwierig.

 

Auch eine Altersdepression  lässt sich behandeln

Konnte der Arzt die Depression von anderen Erkrankungen abgrenzen und bestätigen, kann die Therapie wie bei anderen Depressionen auch mithilfe von Medikamenten oder einer Psychotherapie erfolgen. Gerade für eine psychotherapeutische Behandlung ist die Hemmschwelle bei vielen Senioren aber sehr hoch. Sie möchten ihr Seelenleben häufig einfach nicht mehr vor einer zunächst fremden Person ausbreiten. Gerade einmal 6% der Patienten in Psychotherapie sind über 60 Jahre alt. Bei einer medikamentösen Behandlung ist es wiederum wichtig, darauf zu achten, dass keinerlei Wechselwirkungen mit anderen bereits einzunehmenden Medikamenten entstehen. Wichtig ist die Behandlung aber allemal, denn laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes steigt mit zunehmendem Alter die Suizidrate extrem an.

 

Zufriedenheit durch Gelassenheit

Die Ursache für eine Altersdepression ist häufig das Gefühl, das Leben im höheren Alter sei geprägt von zunehmender Schwäche und Leid. Natürlich kann dieses Gefühl aus dem eigenen Erlebten entstehen. Es gelingt einfach nicht immer, alle Schicksalsschläge ohne Verbitterung zu akzeptieren. Psychogerontologen weisen allerdings darauf hin, dass es neben der tatsächlichen geistigen und körperlichen Gesundheit genau darauf ankommt: nämlich, die eigenen Lebensumstände anzunehmen und das Leben auch weiterhin möglichst selbstbestimmt und aktiv zu führen. Hierbei haben ältere Menschen gegenüber den Jüngeren aber einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: die gewachsene Gelassenheit, eigene Ansprüche mit den Möglichkeiten in Einklang zu bringen.

 

Nehmen Sie die Sache in die Hand!

Natürlich geht es hierbei nicht um die Verdrängung von Wünschen, ganz im Gegenteil. Es geht darum, das eigene Potenzial zu erkennen und entsprechend aktiv zu werden. Und zu tun gibt es meist eine Menge. Schließlich war ein Großteil des Lebens üblicherweise von beruflichen und/oder familiären Verpflichtungen geprägt. Das Bewusstsein der eigenen Freiheit kann da regelrecht beflügeln. Hatten Sie zum Beispiel mal dieses eine Hobby, für das Sie dann einfach keine Zeit mehr hatten? Jetzt können Sie die Gelegenheit beim Schopfe packen! Reisen, Weiterbildung, Malen? Was steht dem noch im Wege? Ist man einmal ganz ehrlich, möglicherweise nur man selbst. Eventuell ist es nun ja auch an der Zeit, die eigene Wohnsituation auf den Prüfstand zu stellen. Vielleicht sind Haus oder Wohnung mittlerweile zu groß oder einfach nicht altersgerecht. Da kann ein Umzug genau der Neuanfang sein, den man braucht, um neuen Schwung zu holen – vor allem, wenn dadurch auch der Alltag leichter von der Hand geht.

 

Mut zur Freiheit

In manchen Fällen ist es auch die mangelnde Tagesstruktur, die älteren Menschen nach einem jahrelangen Arbeits- und Familienalltag stark zusetzt. Schließlich lassen der Druck von außen, die Erwartungshaltung anderer und damit auch der Zwang, manche Dinge zu tun oder zu lassen, meist deutlich nach. Plötzlich merkt man, dass die Lebensgestaltung zum überwiegenden Teil ganz alleine bewerkstelligt werden kann oder muss. Und diese Erkenntnis kann zu einem Gefühl führen, das wir wohl alle schon einmal gespürt haben: Angst vor der Freiheit. Dabei ist Freiheit doch mit das Schönste, was man auf der Welt erfahren kann – und was man sich bis ins hohe Alter hinein wünscht.

 

 

  

 

 

 

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