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USA bis Neuseeland: Betroffener Sebastian wagt Weltreise trotz MS:

„Ich lasse der Multiplen Sklerose keinen Platz in meinem Leben“

Alles begann im Jahr 2010 mit einem Taubheitsgefühl und Kribbeln im rechten Arm. Der damals 30-jährige Sebastian Pitschner-Finn schreibt gerade seine Doktorarbeit und schiebt die Beschwerden zunächst auf den Stress. Doch das Taubheitsgefühl weitet sich aus, Konzentrationsstörungen und Erschöpfung kommen dazu. Noch im selben Jahr erfährt Sebastian, was hinter den Symptomen steckt: Er leidet an schubförmig remittierender Multipler Sklerose, kurz MS. Entmutigen lässt sich Sebastian dadurch aber nicht.

Er lebt sein Leben weiter, ist heute glücklich verheirateter Vater dreier Kinder und hat sich 2019 einen ganz persönlichen Traum erfüllt: Eine Weltreise mit der ganzen Familie – und das trotz MS.

„Ich hatte den Begriff MS vorher nur mal gehört“, erinnert sich Sebastian an die Zeit der Diagnose. „Aber für mich war schnell klar, dass ich mein Leben für die Erkrankung nicht auf den Kopf stellen möchte.“ Nach der Entlassung aus der Klinik macht Sebastian seiner Frau Svende auch deswegen direkt einen Heiratsantrag. „Sie hat sofort ja gesagt. Das war die Unterstützung, die ich mir gewünscht habe“, so der Weltenbummler rückblickend. Die Hochzeit findet im September 2011 statt. Das Glück der Familie wird in den folgenden Jahren mit der Geburt der Zwillinge Lasse und Barne in 2013 und ihrer Tochter in 2019 vervollständigt.

 

Mit Flugzeug, Camper, Zug und Bus einmal um die Welt

„Meine Frau und ich sind schon immer gerne verreist. Und ich habe schon während meines Studiums einige Auslandssemester in den USA, Frankreich und Schweden verbracht“, erinnert sich Sebastian. Den entscheidenden Ausschlag, den Traum einer Weltreise zu realisieren, gab dann eine Dokumentation zum Thema im Kino. Doch die Idee zog auch einiges an Planung und Organisation für die gesamte Familie nach sich. „Meine Frau und ich haben je eine Liste mit Orten geschrieben, die wir gerne sehen möchten, und im nächsten Schritt haben wir angefangen zu recherchieren: Die besten Reisezeiten, eventuelle Gefahren vor Ort und mögliche Routen“, so der Familienvater. „Zusätzlich habe ich die Weltreise direkt zu Beginn der Planung mit meiner MS- Nurse besprochen. Ich bin dann bereits eineinhalb Jahre vor der Reise zu einer Therapie gewechselt, die mir eine hohe Flexibilität und Zeit ohne Therapieanwendung ermöglicht. Und wir haben gemeinsam nach Impfungen und Einreisemodalitäten geschaut und die Reiseapotheke entsprechend erweitert. Zu guter Letzt musste ich dann noch nach einem Neurologen auf unserem Weg recherchieren.“

Startpunkt waren die USA, von dort ging es weiter mit dem Wohnmobil durch Kanada. Mit dem Zug und Bus reiste die Familie weiter nach Mittel- und Südamerika und landete schließlich in Neuseeland und auf den Fiji-Inseln. „Trotz der ganzen Planung und Recherche haben sich – als wir dann unterwegs waren – noch ganz viele Fragen ergeben, z.B. ob und wo man in Mexiko überhaupt Windeln für unsere einjährige Tochter bekommt“, erzählt Sebastian lachend.

Seine Erkrankung war während der Reise nur am Rande Thema. „In Chile wurde meine Therapie routinemäßig aufgefrischt. Ansonsten hat mich die MS glücklicherweise kaum beeinflusst.“

 

Weltreise – ein Erlebnis, das Erinnerungen schafft

Insgesamt war die Familie 286 Tage unterwegs, ist durch 11 Länder gereist, hat in 51 Unterkünften übernachtet und ihre Zeit an 26 Stränden verbracht. Highlight für die gesamte Familie war das Schwimmen mit Walhaien in Belize. „Das hat jeden individuell begeistert und war ein tolles Gemeinschaftserlebnis“, erinnert sich der Wahl-Hamburger. „Wir waren da ganz allein und konnten den Tieren so unglaublich nahe kommen.“ Außerdem ist ihm ein kleiner Surfer-Ort in Panama im Gedächtnis geblieben. „Es gab nur begrenzt Elektrizität und Wasser und nur einen kleinen Supermarkt. Man hat sich so total auf sich, die Menschen um einen herum und auf die Natur fokussieren können. Und die Surfer und deren Mentalität haben mich total inspiriert.“

Aktuell wohnen Sebastian und seine Familie in einem ruhigen Hamburger Vorort und Sebastian ist wieder voll im Alltag als Unternehmensberater angekommen. „Es gibt Situationen, in denen ich denke, jetzt musst du das mal etwas ruhiger angehen, wie auf der Reise. Aber mit meiner Therapie geht es mir sehr gut. Mein Leben kommt mir relativ normal vor“, sagt er heute. Seine Erlebnisse und Gedanken zur Weltreise und seinem Leben mit MS teilt Sebastian auf www.IchBleibeIch.de mit anderen MS-Betroffenen und Interessierten. „Ich freue mich über jeden, der mit mir in Kontakt tritt und den ich bei seinen Fragen unterstützen kann“, sagt Sebastian. Auf seinem Blog „Papi lernt fliegen“ berichtet er zusätzlich von seiner Elternzeit als Vater. „Ich möchte andere Väter ermutigen, ebenfalls ihre Flügel auszubreiten, und zeigen, dass es auch außerhalb des Berufslebens jede Menge Abenteuer gibt. Traut Euch!“

 

 

  

 

 

 

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