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Wenn das eigene Haus auch die Rente mitbezahlt

 

Herr Kiebler, Sie sind Experte für Immobilienverrentung. Was versteht man unter diesem etwas sperrigen Begriff?

In Deutschland ist die Immobilie für viele Ruheständler der Lebensmittelpunkt. Oft haben sie den Wunsch, bis an ihr Lebensende dort wohnen zu bleiben. Allerdings wäre es doch auch schön, wenn man schon heute auf das in ihnen gebundene Vermögen zurückgreifen könnte. Die Immobilienverrentung auf Nießbrauchbasis ermöglicht genau das: Immobilieneigentümer erhalten eine steuerfreie Einmalzahlung, deren Bemessungsgrundlage der aktuelle Marktpreis der Immobilie ist. Dabei bleiben sie jedoch der wirtschaftliche Eigentümer ihres Hauses oder ihrer Wohnung. Sie wandeln quasi ihr Immobilienvermögen in Barvermögen um, ohne aus ihrem Zuhause ausziehen zu müssen.

 

Dieses Konzept der Immobilienverrentung ist hierzulande noch nicht sehr bekannt. Wo kommt es ursprünglich her?

Die Immobilienverrentung ist vorranging im angelsächsischen Raum verbreitet. Im Jahr 2009 gab es dann auch den Versuch, die amerikanische Verrentungsvariante in Deutschland einzuführen. Aber all diese importierten Konzepte entsprechen nicht dem Sicherheitsbedürfnis hierzulande. Deshalb haben Notare, Wirtschaftsprüfer, Versicherungsmathematiker und vielen andere ein Verrentungskonzept auf Basis des deutschen Nießbrauchrechts entwickelt. Dieses Konzept bietet den deutschen Ruheständlern genau die Sicherheit, die sie sich wünschen, und macht aus Betongold flüssiges, frei verfügbares Vermögen.

 

Welche Vorteile hat die Immobilienverrentung gegenüber dem sonst üblichen Kredit?

Früher konnte jeder, der eine Immobilie hatte, eine Hypothek aufnehmen. Seit März 2016 wurde dem mit der Wohn-Immobilien-Kreditrichtlinie ein Riegel vorgeschoben. Seitdem prüfen Banken und Bausparkassen vor allem zwei Faktoren: Wie hoch ist das aktuelle und das künftige Einkommen? Und wie alt ist der Antragssteller? Der Wert der Immobilie spielt dabei erst einmal keine Rolle. Das führt dazu, dass heutzutage oft schon 60-jährige kein Darlehen mehr bekommen, obwohl sie über eine eigene Immobilie verfügen. Ein anderer wichtiger Aspekt ist, dass viele Menschen gerne eine rechtzeitige Regelung treffen möchten, um beispielsweise Erbstreitigkeiten oder eine extrem hohe Erbschaftssteuer zu vermeiden.

 

Für wie viele Senioren wäre die Immobilienverrentung in Deutschland denn empfehlenswert?

Derzeit gibt es 21 Millionen Rentner. Von diesen besitzen 60 Prozent Immobilieneigentum, dessen Gesamtmarktwert auf rund 10 Milliarden Euro geschätzt wird. Für wen hier die Immobilienverrentung Sinn ergibt, ist aber immer vom Einzelfall abhängig. Da die Bemessungsgrundlage für die Verrentung jedoch immer der aktuelle Markt- und Mietwert ist, können sich Eigentümer derzeit eine sehr hohe Verrentung sichern. Allerdings gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Anbietern, weshalb Interessenten die Verträge vor Unterzeichnung unbedingt bei einem hierfür qualifizierten Notar oder Anwalt prüfen lassen sollten. Die Verträge sind nämlich nicht standardisiert. Wenn hier ein formaler Fehler gemacht wird, kann das dramatische Folgen haben. Nicht immer isst der Bäcker sein eigenes Brot.

 

Würden Sie eine Immobilienverrentung für sich selbst in Betracht ziehen?

Auf jeden Fall. Allerdings ausschließlich auf Nießbrauchbasis. So könnte ich nachts auch weiterhin ruhig schlafen.

 

 

 

 

 

 

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