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Berühmte Heilbäder in Europa

DEAUVILLE  – das Strandbad von Paris

Manche Städte sind das Ergebnis des Willens eines einzigen Menschen. So auch Deauville. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte ein Halbbruder Napoleons III. die Idee, der Pariser Oberschicht ein eigenes Seebad zu errichten. Aus dem verschlafenen Fischernest Dosville mit gerade einmal 100 Einwohnern wurde so kurzerhand das mondäne Deauville – Sommerfrische für die Pariser Hautevolee.

 

Wer die 643 Meter langen Planches de Deauville, die Holzpromenade mit den berühmten Umkleidekabinen entlanggeht, der möchte entweder sehen oder gesehen werden. Schließlich zieht es nur wenige Gäste in den rund 200 Kilometer nordwestlich von Paris gelegenen Küstenort, um von dort in die kalten Fluten des Ärmelkanals zu steigen. Doch nicht nur die hier versammelten Reichen und Schönen laden zum Schauen ein. Unzählige Künstler haben sich schon daran versucht, den breiten Sandstrand mit seinen farbenfrohen Sonnenschirmen in Szene zu setzen und die umtosten Klippen und rollenden Hügel der Côte Fleurie zu bannen – wobei es wohl niemandem so gut gelang wie dem Wegbereiter des Impressionismus Eugène Boudin, der hier seinem Wunsch gemäß im Angesicht des Meeres verstarb.

 

Vom Traum zum Königreich der Eleganz

Gerade einmal vier Jahre kostete es Charles de Morny, seinen Traum von einem Pariser Seebad zu verwirklichen. Auch planerisch orientierte er sich an der nahen Hauptstadt, wie der Stadtkern eindrucksvoll belegt. Neben zahlreichen Villen im neonormannischen Stil entstanden damals auch das erste Kasino und das berühmte Hippodrom, auf dem auch heute noch Pferderennen, Wettbewerbe, Polo-Meisterschaften und Auktionen stattfinden. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das alte Kasino erneuert. Dazu gesellten sich nun außerdem zwei Luxushotels, um den internationalen Jetset auch standesgemäß bewirten zu können. Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein, als allmählich der Massentourismus einsetzte, beherbergte Deauville zahlreiche Stars, Künstler und Kreative, wie beispielsweise die Modeschöpferin Coco Chanel, die 1973 hier ihre erste Prêt-à-porter-Boutique eröffnete.

 

Selbstbewusst in die Zukunft

Der Glanz von damals mag mittlerweile etwas verblasst sein, doch noch immer ist Deauville international ein Begriff. Das mag auch am 1975 ins Leben gerufenen Festival du Cinéma Américain liegen, das jedes Jahr Mitte September zahlreiche Hollywood-Stars an die nordfranzösische Küste spült. Doch auch die Stadt selbst hat sich einen großen Teil ihres Charmes bewahrt. So staunen Besucher beim Flanieren über den einzigartigen Stilmix aus Neonormannisch, Second Empire, Jugendstil und Art déco, der sich durch einen umfassenden Denkmalschutz erhalten konnte. Zusätzlich wurde mit dem Bau des Zentrums für Thalassotherapie aber auch ein neues Kapitel aufgeschlagen. Ob Meerwasserbehandlungen, Algenwickel, Schlammpackungen oder Meersalznebelmassagen – damals wie heute lebt man in Deauville nicht nur am, sondern auch mit dem Meer.

 

 

 

 

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