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Nervenkitzel im Eiskanal  – Co-Pilot im „Rennbob-Taxi“

Den absoluten Adrenalinkick – zum Glück nebst eingebauter Bremse - gibt es im Rennbob-Taxi.  Das Abenteuer in der Eisrinne dauert nicht mal eine Minute – und ist dennoch atemraubend wie unvergesslich.

 

Viele kennen das aus dem Fernsehen: Vier in hautenge Rennanzüge gezwängte Männer stehen mit Vollvisierhelmen vor einem in der Sonne glänzenden Bob. Auf Kommando rennen sie los, springen nacheinander in das Gefährt und rattern los, direkt auf die erste Kurve zu. Gebannt sieht man zu, wie sich die Athleten im Eiskanal in die Tiefe stürzen, durch Steilwandkurven und über senkrechte Wände flitzen, bis der Ritt auf der Rasierklinge durch den Griff in die Bremsseile ein Ende hat.

 

Einmal Co-Pilot sein

Jetzt zittern mir die Knie, denn ich habe solch einen Trip in die Tiefe gebucht, als Co-Pilot in einem Viererbob. Das bieten einige Bobbahnen an. In meinem Fall ist es jene am bayerischen Königssee, es gibt sie zum Beispiel auch im sächsischen Winterberg, in Innsbruck oder in St. Moritz (mehr Informationen im Internet unter dem Stichwort „Rennbob-Taxi“).  Für mich geht es somit auf einer der legendärsten Kunsteisbahnen namens Bobbahn Königssee steil abwärts. Sie gilt als die älteste und als eine der besten Weltmeisterschaftsstrecken. Am Fuße des majestätischen Watzmanns schlängelt sie sich in Richtung Tal. Von oben, vom Start aus, kann ich mir nicht vorstellen, dass wir bereits in einer knappen Minute da unten sein sollen. Mein Herz pocht heftig, als wir endlich, nach einer ausführlichen Einweisung, loslegen.

 

„Freier Fall“ im Eis

Anfangs denke ich noch leicht beruhigt „geht doch“, denn es rattert und ruckelt bloß ziemlich. Aber binnen weniger Sekunden beschleunigt der Bob enorm, ähnlich wie in einer Achterbahn, hundert Sachen sind es sicher, es gibt keine Knautschzone, es drückt einen nach unten, nicht daran zu denken, den Kopf bloß ein paar Millimeter nach oben zu bewegen. Der schlägt jetzt auf die Brust, durch insgesamt vierzehn Kurven schießt das Gerät, alle vier Sekunden eine. Sie haben so furchteinflößende Namen wie „Schlangengrube“ oder „Teufelsmühle“. Dabei entstehen unfassbare Kräfte, bis zum Sechsfachen der Erdbeschleunigung, die Schläge im Innern des Gefährts sind entsprechend brutal, das Gefährt beschleunigt auf rund 120 Sachen. Deshalb sollten Menschen mit Wirbelsäulenschäden oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen und auch Schwangere nicht in so einen Höllenschlitten steigen. Als Krönung des Adrenalinritts gilt die vollkommen senkrecht aufragende „Echowand“, die mir schon vor dem Start puren Respekt eingeflößt hat. Das geht nicht gut, schießt es mir durch den Kopf, der Bob muss herunterfallen.

Aber nichts ist – zum Glück – in diesem Sport scheinbar unmöglich, der Bob kommt nebst seiner Fracht unbeschadet über die Wand, bald darauf schlittern wir schon aus. Die Erleichterung ist grenzenlos. Der Stolz, etwas ziemlich Verrücktes getan zu haben, aber auch.

 

 

 

 

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