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Das Immunsystem der Seele hilft auch dem Körper!

Resilienz

Während bei den einen Menschen die Nerven schnell blank liegen, haben andere die Ruhe weg. Stress und Ärger perlen an ihnen ab, wie Wasser an einem gut imprägnierten Regenmantel. Sie behalten in Krisen die Nerven und sind für ihre Freunde oft der rettende Fels in der Brandung. Diese psychische Widerstandskraft wird Resilienz genannt. Manchen scheint sie in die Wiege gelegt worden zu sein, andere haben sie sich im Laufe des Lebens angeeignet.

 

Resilienz ist eine Eigenschaft, die eine Person dazu befähigt, Krisen zu bewältigen und Tiefschläge zu verkraften, ohne daran zu verzweifeln. Oft schafft es ein resilienter Mensch sogar, einer katastrophalen Lage noch etwas Gutes abzugewinnen und daran zu wachsen. Resilienz (von lateinisch resilire: zurückspringen, abprallen) ist eigentlich eine Bezeichnung aus der Physik.

 

Sie wird für elastische Materialien verwendet, die sich biegen und verformen lassen und trotzdem immer wieder ihre ursprüngliche Form annehmen. Etwa ein Schwamm, der nach jedem Auspressen wieder in seine alte Form zurückkehrt. So ähnlich verhält es sich auch bei resilienten Menschen. Sie reagieren auf Herausforderungen, passen sich an und gehen unbeschädigt und gestärkt aus der Krise hervor. Es geht dabei aber nicht darum, alle Probleme von sich abprallen zu lassen, sondern den richtigen Umgang damit zu finden.

Das Gegenteil von Resilienz ist Vulnerabilität, was Verwundbarkeit bedeutet. Das sind Menschen, die emotional schnell verwundet sind, sich leicht ärgern und schneller als andere psychische Störungen entwickeln.

 

Resilienz ist nicht die eine Eigenschaft, wie blaue Augen oder braunes Haar. Es gibt eine Reihe von Persönlichkeitsmerkmalen, die dazu führen, ob ein Mensch resilient ist oder nicht. Diese werden sowohl durch seine Gene als auch durch seine Entwicklungsgeschichte beeinflusst, ebenso vom sozialen Umfeld, seiner Herkunft, den finanziellen Lebensumständen oder seiner Religion.

 

Schon im Kindesalter werden die Weichen gestellt, etwa durch einen starken emotionalen Rückhalt innerhalb der Familie, den Freundeskreis, die Schulbildung und viele andere Faktoren. Es ist also ein sehr komplexer Entstehungsprozess. Aber: es ist nie zu spät. Die innere Widerstandskraft lässt sich während des gesamten Lebens stärken. Die folgenden Strategien können Sie dabei unterstützen. Aber haben Sie ein wenig Geduld mit sich selbst. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Wenn Sie nicht allein weiterkommen, suchen Sie sich professionelle Unterstützung.

 

» Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. «  (Reinhold Niebuhr)

 

Akzeptieren, was sich nicht ändern lässt

Bestimmt haben Sie auch schon Situationen erlebt, die Sie einfach nicht ändern können. Sie stehen auf dem Weg in den Urlaub im Stau, der Sturm hat im Garten einen Baum umgeknickt oder Sie haben Ihren Einkaufszettel zu Hause vergessen. Darüber kann man sich stunden- oder sogar tagelang aufregen, immer wieder jammern und klagen, doch was ändert es?

 

Resiliente Menschen denken „Oh, wie ärgerlich“, aber danach machen sie aus der Situation das Beste. Sie haben die Gabe, sich an unabänderliche Situationen anzupassen. Im konkreten Fall könnten Sie die Zeit im Stau für eine kurze Meditation nutzen, Atemübungen machen (das entspannt) oder Musik hören. Ein resilienter Mensch ist vielleicht auch nicht erfreut, wenn er seinen Einkaufszettel nicht findet, betrachtet diese Vergesslichkeit aber als gute Chance, seine Merkfähigkeit zu überprüfen oder zu trainieren.

 

Positive und optimistische Denkweise

Immer gleich vom Schlechtesten auszugehen ist eine bewährte Möglichkeit, sich das Leben zu erschweren. Es ist leichter und angenehmer, sich auf die positiven Seiten einer Sache zu konzentrieren. Ob ein Glas halb voll oder halb leer ist, entscheidet der Betrachter. Angenommen, Sie haben jede Menge zu tun. Mittags haben Sie die Hälfte getan. Wenn Sie denken, dass Sie erst 50 Prozent geschafft haben, wird Ihnen der Nachmittag wie eine quälende Durststrecke erscheinen. Wenn Sie dagegen schon die erste Hälfte erledigt haben, dann schaffen Sie den Rest am Nachmittag locker. Die innere Einstellung sorgt dafür, wie wir die Realität wahrnehmen.

 

Selbstvertrauen ist Selbstwirksamkeit

„Das kann ich nicht, das habe ich noch nie gemacht, das ist zu schwierig, das überfordert mich!“ Wer so an eine Aufgabe oder Situation herangeht, blockiert sich selbst – und macht sich Stress. Stress sorgt dafür, dass wir nicht klar denken können, und damit verstärkt sich das Gefühl der Unfähigkeit und die Angst zu versagen. Auch resiliente Menschen können nicht alles. Doch ihr Ansatz ist anders. Anstatt sofort zu sagen: „Ich kann das nicht“, denken sie „Ich schaue es mir mal an“, oder „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“.

Haben Sie den Mut, zunächst einmal ganz unvoreingenommen an die Sache heranzugehen. Welche Möglichkeiten haben Sie, die Sache zu lösen? Was sind Ihre Fähigkeiten und Stärken für diesen Job? Ist die Situation oder Aufgabe völlig unbekannt oder haben Sie in der Vergangenheit schon etwas Vergleichbares gemeistert? Resiliente Menschen haben in der Regel ein gesundes Selbstvertrauen, sie glauben an sich und ihre Fähigkeiten – und oft werden sie belohnt, weil die meisten Dinge mit etwas Mut gelingen. Wer grundsätzlich mit seinem Selbstbewusstsein hadert, kann sich beispielsweise durch ein professionelles Coaching unterstützen lassen.

 

Übernehmen Sie Verantwortung für sich selbst

Selbstmitleid tritt in schwierigen Situationen gerne auf. „Warum immer ich? Allen anderen geht es gut, nur mir nicht.“ Und schon schnappt die Falle zu und steckt man fest in der Opferrolle. Das muss nicht sein. Raus aus dieser Falle kommt, wer aktiv Verantwortung für sich selbst und die Situation übernimmt. Dazu gehört, sich eigene Fehler und Versäumnisse einzugestehen, um dann in einem zweiten Schritt Lösungsmöglichkeiten zu suchen.

Damit Ihre Gedanken nicht pausenlos um sich selbst kreisen, schreiben Sie Ihre Ideen auf. Zensieren Sie Ihre Ideen nicht, auch wenn sie vielleicht etwas verrückt sind, damit Sie sich nicht blockieren. Sie können später immer noch entscheiden, was Sie behalten oder verwerfen wollen. Ihre Lösungsideen aufzuschreiben zwingt Sie dazu, den Fokus vom Problem auf die Lösung zu richten.

 

Das setzt einen kreativen Denkprozess in Gang. Diese Methode können Sie übrigens immer anwenden, wenn Sie ein Problem bewältigen müssen. Sie hilft auch, wenn Sie zu den Menschen gehören, deren Gedankenkarussell nachts nicht zur Ruhe kommt. Legen Sie sich einen Block ans Bett. Notieren Sie Ihre Sorgen oder Ideen. Sie werden danach ruhiger schlafen und haben am kommenden Morgen immer noch den Überblick. 

 

Richten Sie den Blick in die Zukunft – Setzen Sie sich Ziele

Es ist wie beim Wandern – der Weg ist das Ziel. Doch mit einem klaren Ziel vor Augen läuft es sich leichter. (Besonders, wenn es sich um das Gasthaus am Ende der Etappe handelt.) Genauso lassen sich auch schwierige Situationen meistern. Mit einer Zielsetzung für die Zukunft kann man die Vergangenheit hinter sich lassen und den Blick nach vorne richten. Die dabei auftretenden Hürden sollte man nicht persönlich nehmen, sondern als wertvolle Erfahrung verbuchen.

 

Freundschaften pflegen

Wer hat das noch nicht erlebt? Der Himmel stürzt ein – und dann sorgt ein Freund oder eine Freundin für den berühmten Silberstreifen am Horizont. Ob es der Lebenspartner, Freunde oder Familienangehörige sind – das Gefühl, in scheinbar ausweglosen Situationen nicht allein zu sein, sorgt dafür, dass sich neuer Lebensmut einstellt. Dabei ist es gar nicht so entscheidend, ob uns jemand einfach die Hand hält oder in den Arm nimmt, uns sein offenes Ohr leiht oder schweigend neben uns auf der Gartenterrasse sitzt.

 

Da Freundschaften keine Einbahnstraßen sind, sollte man allerdings hin und wieder signalisieren, wie wichtig sie einem sind oder selbst anderen in der Krise zur Seite stehen. Wer immer nur über sich spricht und nie zuhört, wird auf Dauer keine engen Bindungen haben. Zugewandtheit, Offenheit und emotionale Anteilnahme sind die Währung für krisenfeste Beziehungen und festigen unsere soziale Kompetenz und unsere sozialen Netzwerke.

 

Wer anderen hilft, kann auf Hilfe zählen. So entstehen zuverlässige soziale Beziehungen, die unsere innere Widerstandsfähigkeit stärken. Mitgliedschaften in Vereinen, gemeinsame Aktivitäten, geselliges Miteinander und viele bunte soziale Kontakte geben uns Rückhalt und fördern unsere Resilienz.

 

Zuversicht

Es wird schon werden – wer ohne Angst und zuversichtlich in die Zukunft blickt, kann offen, flexibel und neugierig auf alles reagieren, was da so kommt. Man hat immer eine Wahl.

 

Sich selbst wertschätzen

Um von anderen geschätzt zu werden, muss man sich auch selbst wertschätzen. Dazu gehört, dass man auf sich achtet. Gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, ein erfülltes Sexualleben, Achtsamkeit für eigenen Wünsche und Bedürfnisse, sich hin und wieder belohnen oder sich den Sinn für die schönen Dinge des Lebens erhalten. Das macht zufrieden und sorgt dafür, dass wir uns selbst mögen und mit uns im Reinen sind. So wächst innere Stärke und führt zu einem positiven Selbstwertgefühl. Als Sinnbild für Resilienz dient oft der Bambus: Er biegt sich im Wind, aber er bricht nicht. Und je heftiger ihm der Wind zusetzt, umso stärker verankern ihn seine Wurzeln im Boden.

 

Innere Stärke hilft auch bei körperlichen Erkrankungen

Zwar meint Resilienz in erster Linie die psychische Widerstandsfähigkeit eines Menschen, doch hilft sie auch, körperliche Probleme besser zu bewältigen. In einem Studienvergleich zeigte sich, dass resiliente Menschen selbst bei schweren Erkrankungen in der Lage sind, sich trotz Schmerzen, Operationen oder niederschmetternder Diagnosen ihre psychische Gesundheit zu bewahren. So behalten sie trotz einer schweren Erkrankung ein bejahendes Lebensgefühl. Das wiederum hat positive Effekte auf ihren Krankheitsverlauf. Denn zwischen psychischem und physischem Wohlbefinden besteht eine Wechselwirkung.

 

Negative Gefühle sorgen dafür, dass der Körper Stresshormone ausschüttet. Das wirkt sich auf den gesamten Organismus aus. Bei Dauerstress hemmt Cortisol die Immunzellen. Das führt dazu, dass das Immunsystem nicht seine volle Leistungsfähigkeit hat. In der kalten Jahreszeit sorgt Stress beispielsweise dafür, dass wir leichter zum Opfer von Grippe- oder Erkältungsviren werden können. Wer sich oft in Situationen mit erhöhtem Stresspegel befindet, kommt auch dann nicht mehr runter, wenn die stressige Situation schon längst vorbei ist. Der Stress wird chronisch. Das blockiert nicht nur das Immunsystem, sondern verengt auch die Arterien, steigert den Blutdruck und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Neben Dauerstress gehören auch negative Gefühle zu den Faktoren, die sich ungünstig auf das Immunsystem auswirken – wie beispielsweise Wut, Trauer, Einsamkeit oder mangelndes Selbstwertgefühl. Umgekehrt können positive Gefühle positive Auswirkungen haben. Oder wie es so schön heißt: Glaube und Zuversicht können Berge versetzen. So kommt es manchmal zu einer unverhofften Genesung, obwohl die Ärzte nicht damit gerechnet haben. Bei resilienten Menschen ist diese Chance größer.

 

Wenn Sie Ihre Resilienz trainieren und stärken wollen, können Sie sich bei Ihrer Krankenkasse über existierende Kursangebote informieren. Nutzen Sie diese meist kostenlosen Möglichkeiten – sie sind eine Investition in Ihr körperliches und geistiges Wohlbefinden.

 

 

 

 

 

 

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