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Diabetes – Die verkannte Bedrohung

Eine gesunde Lebensweise kann „Volkskrankheiten“ wie Typ-2-Diabetes vorbeugen oder sie sogar verhindern. Ziel ist die Prävention, also die Gesundheitsvorsorge, um Folgeerkrankungen und Komplikationen zu vermeiden und zu verzögern.

 

Vor allem in den Industrienationen nehmen Erkrankungen zu, die mit der Ernährung und dem Lebensstil zusammenhängen, und immer häufiger sind auch jüngere Menschen betroffen. Zu diesen Krankheiten gehören auch Übergewicht, Bluthochdruck, Rückenschmerzen und Depressionen.

 

Die Vorsorge beinhaltet vielschichtige Ansätze und Angebote

Wichtige Bausteine, um das Ernährungs- und Bewegungsverhalten positiv zu beeinflussen, sind die Ernährungstherapie mit konkreten Ernährungsempfehlungen, die Vermeidung beziehungsweise die Reduktion von Übergewicht, die Steigerung der körperlichen Aktivität, die Raucherentwöhnung sowie die Stressbewältigung. So können Erkrankungen verhindert beziehungsweise frühzeitig erkannt und angemessen behandelt werden. Im Falle einer Erkrankung stehen Patientenschulungen und eine adäquate Therapie im Vordergrund.

 

Ein gesunder Lebensstil von Anfang an ist die beste Medizin

Diabetes mellitus gehört zu den schwerwiegendsten und am weitesten verbreiteten Zivilisationskrankheiten. Doch jeder kann aktiv etwas für seine Gesundheit tun und diesen Volkskrankheiten eigenständig entgegenwirken. Eine gesunde Lebensweise ist die beste Gesundheitsvorsorge: Sie senkt das Risiko für zahlreiche Erkrankungen, kann die Lebensdauer erhöhen und das allgemeine Wohlbefinden verbessern.

Wer also möglichst lange gesund bleiben will, sollte Lebensstiländerung, wie regelmäßige körperliche Aktivität, eine ausgewogene, möglichst pflanzlich basierte Ernährung, Verzicht auf Süßigkeiten, Alkohol und Zigaretten im Alltag beherzigen. Diese Maßnahmen tragen auch wesentlich dazu bei, die Entstehung von Diabetes und Übergewicht zu verhindern. Das ist für eine optimale Gesundheitsvorsorge von wesentlicher Bedeutung, denn:

Übergewicht und Typ-2-Diabetes mellitus sind DIE Volkskrankheiten schlechthin

Die Entstehung von Diabetes mellitus wird zwar von vielen Faktoren beeinflusst, wie genetische Ursachen und höheres Lebensalter, aber vor allem Übergewicht und Adipositas (Fettsucht) sind wesentliche Risikofaktoren für die Entwicklung von Typ-2-Diabetes. So erkrankt etwa jeder zweite Übergewichtige früher oder später an Typ-2-Diabetes. Auf der anderen Seite sind etwa 80% der Diabetiker übergewichtig. Die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes steht dabei in einer Wechselbeziehung mit dem Ausmaß des Übergewichts und dessen Dauer.

 

Übergewicht und Body Mass Index (BMI)

Übergewicht ist definiert als Body Mass Index (BMI)

> 25 kg/m2 und Adipositas als BMI > 30 kg/m2.

Der Index setzt die Körpergröße in Relation zum Körpergewicht und wird wie folgt berechnet: BMI = Gewicht in kg : Größe in m²

 

Dicker Bauch und Diabetes: Tendenz steigend

Übergewicht/Adipositas und Diabetes sind eng miteinander verknüpft und beeinflussen sich gegenseitig negativ. Das ist bedenklich, da es sich bei Übergewicht und Diabetes aufgrund ihrer weltweit zunehmenden Häufigkeit in der Bevölkerung um eine regelrechte Pandemie handelt. Hierzulande sind 53% der Frauen, 67% der Männer sowie 15% der Kinder und Jugendlichen übergewichtig. Übergewicht gilt als eines der größten Gesundheitsprobleme der Gegenwart.

 

Wohlstandssyndrom Diabetes weltweit und hierzulande

Da die Risikofaktoren für Adipositas und Typ-2-Diabetes in hohem Maße zusammenhängen, steigt auch die Anzahl der Diabetiker in besorgniserregendem Ausmaß. Nach Angaben des Diabetes-Atlas der Internationalen Diabetes-Föderation aus dem Jahr 2019 sind weltweit 463 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt, wobei nicht zwischen den Diabetestypen unterschieden wird. Experten gehen davon aus, dass bis 2045 sogar 700.000 Millionen Menschen betroffen sein werden.

In Europa leben circa 58 Millionen Diabetiker, in Deutschland 8 bis 9 Millionen – vermutlich wurde 2021 die Zahl von 8,5 Millionen überschritten. Jährlich kommen mehr als 500.000 Neuerkrankungen hinzu. Aufgrund der höheren Lebenserwartung und bei weiter steigender Neuerkrankungsrate kann die Zahl der Diabetesfälle bis zum Jahr 2040 hierzulande auf bis zu 12 Millionen ansteigen.

Das ist vor allem auf das „Wohlstandssyndrom“ zurückzuführen, bei dem Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette und eine gestörte Insulinwirkung gemeinsam auftreten.

 

Hohe Diabetes-Dunkelziffer

In diese Zahlen ist bereits die hohe Dunkelziffer von den Menschen eingeschlossen, die an Typ-2-Diabetes erkrankt sind, aber davon noch nichts wissen. Häufig wird die Erkrankung erst 3 bis 5 oder sogar 10 Jahre nach ihrer Entstehung diagnostiziert, da sich Typ-2-Diabetes schleichend entwickelt und jahrelang symptomlos verlaufen kann.

Bemerkbar macht sich die Krankheit in der Regel erst bei über einen längeren Zeitraum erhöhten Blutzuckerwerten (Hyperglykämie).

 

Oft gehen mit dem Diabetes zahlreiche Erkrankungen einher

Die häufigsten Begleiterkrankungen des Typ-2-Diabetes sind Bluthochdruck (Hypertonie), Fettstoffwechselstörungen, Herzinfarkt und Schlaganfall. Auch die diabetische Neuropathie (Nervenkrankheit), diabetische Nephropathie (Nierenschaden), das diabetische Fußsyndrom sowie die diabetische Retinopathie (Erkrankung der Netzhaut) sind mögliche Folgeerscheinungen. Das zeigt: Diabetes ist mehr als eine chronische Stoffwechselkrankheit. Vielmehr handelt es sich um ein komplexes Krankheitsbild, bei dem unter anderem Herz, Augen, Nieren und Nerven betroffen sind. Daher ist es von wesentlicher Bedeutung, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen und Risikopersonen vorbeugend zu unterstützen.

 

Notwendigkeit der Prävention von Diabetes

Die Zunahme von Übergewicht und Typ-2-Diabetes in den vergangenen Jahrzehnten ist in erster Linie auf Veränderungen der Umwelt und des Lebensstils zurückzuführen. Es gibt ein großes, ständig verfügbares Lebensmittelangebot mit hohem Zuckerkonsum. Das wirkt sich auf die Essgewohnheiten aus und fördert zudem eine chronische Überkonsumierung. Hinzu kommt Bewegungsmangel, der ebenfalls ein anerkannter Risikofaktor für Typ-2-Diabetes ist. Die gute Nachricht: Umgekehrt kann durch eine Ernährungsumstellung, Gewichtsabnahme und ausreichend Bewegung der Ausbruch der Stoffwechselkrankheit nachweislich verhindert oder zumindest verzögert werden.

 

Die richtige Ernährungs- und Bewegungsstrategie

Bereits eine Gewichtsabnahme von fünf Kilogramm hat einen positiven Einfluss auf die Gesundheit. Bei Übergewicht wird eine Gewichtsabnahme idealerweise bis zu einem BMI < 25 kg/m2, also Normalgewicht, angestrebt. Ist dieses Ziel erreicht, muss das Gewicht gehalten werden. Die Ernährungsempfehlungen zur Prävention von Typ-2-Diabetes entsprechen den allgemeinen Empfehlungen für eine gesunde und vollwertige Ernährung, sprich: ungezuckerte Getränke, täglich fünf Portionen frisches Obst und Gemüse, Getreideprodukte auf Vollkornbasis, pflanzliche Fette wie Olivenöl, Milchprodukte, Tofu, Fisch, wenig (mageres) Fleisch und nur selten fett- und zuckerreiche Lebensmittel. Die körperliche Aktivität sollte insgesamt 30 bis 45 Minuten täglich betragen, das kann auch auf beispielsweise dreimal 10 bis 15 Minuten aufgeteilt werden. Ideal ist eine Mischung aus Kraft- und Ausdauertraining wie Gymnastikübungen, Schwimmen, Walken und Radfahren. Regelmäßige Bewegung wirkt sich zudem günstig auf die Gewichtsabnahme und -stabilisation aus. 

 

Der richtige Lifestyle ist Prophylaxe und Therapie

Es ist erwiesen, dass bereits kleine Veränderungen des Lebensstils Typ-2-Diabetes verhindern oder zumindest abschwächen können. So haben Studien gezeigt, dass durch eine optimale Lebensstiländerung in einem Frühstadium der Erkrankung bei etwa 60% der Betroffenen der Ausbruch der Erkrankung erfolgreich abgewendet beziehungsweise verzögert werden konnte. Mit der richtigen „Lifestyle-Anpassung“ können

viele Diabetiker also häufig die Medikamente reduzieren oder eventuell sogar ganz darauf verzichten.

 

Moderne Diabetes-Medikamente

Falls die Basistherapie nicht ausreicht, um die Stoffwechsellage entscheidend zu verbessern, ist Typ-2-Diabetes heute mit modernden Medikamenten gut behandelbar. Hierfür stehen verschiedene orale Antidiabetika zur Verfügung, wie Metformin als Erstlinienmedikation, Glitazone, Glinide, Inkretine und SGLT2-Hemmer. Diese haben wesentlich dazu beigetragen, die Therapie des Typ-2-Diabetes zu revolutionieren. So verbessern die Inkretin-basierte Therapie und die SGLT2-Hemmer die Kontrolle des Blutzuckerspiegels ohne Hypoglykämierisiko (Unterzuckerung). Die Auswahl des Medikaments richtet sich dabei nach dem individuellen Patientenprofil, dem Ausmaß des Übergewichts, Begleiterkrankungen und dem Grad der Stoffwechselentgleisung.

 

Fazit: Der Volkskrankheit Diabetes eigenverantwortlich entgegenwirken

Unabhängig von der Therapie lassen sich dauerhafte Erfolge nur in Kombination mit Ernährungsumstellung und Lebensstilmodifikation erreichen. Daher sind Eigenverantwortung und Motivation der Betroffenen die Schlüsselfaktoren für eine langfristige und erfolgreiche Diabetes-Prophylaxe und -Therapie.

 

 

Klassifikation der Diabetes-Typen

 

Die überwiegende Mehrheit, 90 bis 95 %, leidet unter Typ-2-Diabetes, 5 bis 10 % unter Typ-1-Diabetes.

 

Typ-1-Diabetes: Beim selteneren insulinpflichtigen Typ-1-Diabetes handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die zur Zerstörung von Insulin-produzierenden Zellen führt. Dadurch wird zu wenig oder gar kein Insulin produziert. Die Zellen können nicht mehr genug Glukose aufnehmen, und die Konzentration der Glukose im Blut nimmt zu. Das führt zu Gefäßschädigungen. Um die Glucose in die Zellen zu transportieren, müssen die Betroffenen regelmäßig Insulin spritzen. Es gibt auch die Möglichkeit der Insulinpumpentherapie. Typ-1-Diabetes beginnt meist im Kindes- und Jugendalter.

 

Typ-2-Diabetes: Die chronische Stoffwechselkrankheit tritt vor allem bei übergewichtigen Menschen nach dem 40. Lebensjahr auf und wurde daher früher Altersdiabetes genannt. Doch auch immer mehr Kinder und Jugendliche sind davon betroffen. Sie sind auch meist übergewichtig und/oder haben durch die Eltern oder Großeltern eine erbliche Veranlagung für Typ-2-Diabetes. Für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes ist zum Großteil der Lebensstil mit zu wenig Bewegung, ungesunder Ernährung, Übergewicht sowie auch psychosozialem Stress verantwortlich.

 

Schwangerschaftsdiabetes: Hormonveränderungen in der Schwangerschaft können den sogenannten Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) auslösen. Die betroffenen Frauen haben ein erhöhtes Risiko, nach der Geburt Typ-2-Diabetes mellitus zu entwickeln. Daher wird in der Schwangerschaft ein oraler Glukosetoleranztest durchgeführt.

 

 

 

 

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