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Der "kleine Unterschied" ist doch etwas größer...

Frauen leben gesundheitsbewusster und länger als Männer. Aber sie sind auch häufiger auf Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung angewiesen, und wenn sie Medikamente nehmen, erleben sie mehr unerwünschte Nebenwirkungen.

 

Hier einige Aspekte, in denen sich Frauengesundheit von Männergesundheit unterscheidet.

 

Die Psyche

Die Lebenserwartung von Frauen steigt seit Jahrzehnten: Ein Mädchen, das heute geboren wird, wird nach Schätzung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) im Durchschnitt 82,7 Jahre alt – das sind fünf Jahre mehr als ein neu geborener Junge. Zum gesünderen Geschlecht macht das die Frauen deshalb aber nicht automatisch.

So beziehen beispielsweise mehr Frauen als Männer in Deutschland eine Erwerbsunfähigkeitsrente, sehr oft wegen psychischer Erkrankungen: 13% der Frauen in Deutschland und 8% der Männer fühlen sich nach eigenen Angaben seelisch belastet. Besonders Frauen müssen im Laufe ihres Lebens mit psychischen (Doppel-)

Belastungen wie Stress im Beruf, der Pflege von Angehörigen oder dem Tod einer nahestehenden Person umgehen. Auch unrealistische Anforderungen und Rollenerwartungen in Umbruchphasen wie Schwangerschaft und Geburt oder die Wechseljahre können den Stresspegel deutlich erhöhen.

 

Entscheidend für die seelische Gesundheit ist für Frauen, ein ausgewogenes Verhältnis von Anspannung und Entspannung zu finden, persönliche Kraftquellen nutzen und sich zuzutrauen, auch schwierige Situationen und Aufgaben zu bewältigen.

Frauen, die eine dauerhafte Überforderung spüren, sollten nicht zögern, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen, denn psychische Beschwerden sind genauso ernst zu nehmen wie körperliche. Eine hilfreiche Broschüre zur seelischen Gesundheit bietet die Initiative „Tut gut!“, wo Sie eine Broschüre zum Thema herunterladen können.

 

Herz und Kreislauf

Auch von Herzproblemen sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland noch immer die häufigste Todesursache: Jahr für Jahr sterben rund 178.600 Frauen und 152.620 Männer daran. Dabei wurden Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems bei Frauen lange Zeit unterschätzt. Ein inzwischen einigermaßen bekanntes Beispiel für gesundheitliche Verschiedenheiten bei den Geschlechtern sind Herzinfarkte, deren „klassische“, also eher männliche, Alarmsymptome bei Frauen häufig fehlen.

 

Denn neben typischen Erkennungszeichen wie etwa Schmerzen im Brustraum, die in verschiedene Körperregionen ausstrahlen können, machen sich Herzinfarkte bei Frauen häufiger mit sogenannten unspezifischen Symptomen bemerkbar – zum Beispiel mit starker Kurzatmigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder auch mit Beschwerden im Oberbauch. Im Brustbereich spüren Frauen bei einem Herzinfarkt statt starker Schmerzen häufiger „nur“ ein Druck- oder Engegefühl, das aber mindestens genauso ernst genommen werden muss, wie die Deutsche Herzstiftung betont. Bedeutende Unterschiede bestehen auch beim Alter, in dem Herzinfarkte typischerweise auftreten. So sind Frauen bis zu den Wechseljahren vergleichsweise gut vor diesem dramatischen Ereignis geschützt. Parallel zum Nachlassen der Hormonproduktion nimmt der Schutz jedoch ab, weshalb die koronare Herzkrankheit bei Frauen erst ab ca. 60 Jahren häufiger auftritt, während Männer oft schon viel früher betroffen sind. Bemerkenswert ist auch, dass Herz-Kreislauf-Medikamente bei Frauen 1,5- bis 1,7-mal häufiger unerwünschte Nebenwirkungen haben als bei Männern. Außerdem sind diese meist auch noch schwerwiegender als bei Männern und führen öfter zur Einweisung ins Krankenhaus.

 

Ernährung

Ein wichtiger Faktor bei der Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist die Ernährung. Gut für die Frauen: Sie orientieren sich beim Essen tendenziell stärker an gesundheitlichen Gesichtspunkten als Männer – nicht zuletzt, weil sie nach wie vor zu einem überwiegenden Anteil für die Versorgung der Familie und die Zubereitung der Mahlzeiten zuständig sind. Doch Vorsicht: Hinter vermeintlich „gesundheitsorientierter“, kalorien- und fettarmer Ernährung kann sich auch ein stark kontrollierendes Ernährungsverhalten verbergen.

So machen Frauen und Mädchen häufiger Diäten zur Gewichtsabnahme als Männer und Jungen und leiden zu einem weit höheren Anteil als Männer an Essstörungen wie Bulimie (Ess-Brech-Sucht) oder Magersucht. Fest steht: Von einer vollwertigen Ernährung profitieren Frauen und Männer gleichermaßen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, vielfältig und möglichst reich an Gemüse, Obst und Vollkornprodukten zu essen, täglich Milchprodukte und ab und zu Fisch oder Fleisch zu verzehren. 

 

Bewegung

Sport und Bewegung fördern Gesundheit und Wohlbefinden, helfen Stress abzubauen und können sogar manche Beschwerden lindern – etwa Rücken- und Haltungsschäden oder Bluthochdruck. In den letzten Jahren hat sich sowohl in der Wissenschaft als auch in der Öffentlichkeit die Erkenntnis durchgesetzt, dass moderate körperliche Aktivität nicht nur die Gesundheit fördert, sondern eigentlich als „Normalzustand“ des Körpers gelten müsste. Körperliche Aktivität erhöht die Lebenserwartung und vermindert das Risiko, an Herz- und Gefäßerkrankungen oder Diabetes mellitus Typ II zu erkranken. Zudem kann sie vor Osteoporose (Knochenschwund) schützen. Eine besondere Rolle für Frauen spielt die Erkenntnis, dass Sport und Bewegung Krebserkrankungen vorbeugen können, die von weiblichen Geschlechtshormonen beeinflusst werden, zum Beispiel Brustkrebs.

Neben der Krankheitsprävention wirkt sich körperliche Bewegung nachweislich positiv auf das psychische Wohlbefinden, das Selbstwertgefühl und damit die Lebensqualität aus. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts sind rund 64 % aller Frauen und Männer sportlich aktiv – Männer sporteln dabei pro Woche im Durchschnitt länger als Frauen. Im Alter sind beide Geschlechter weniger aktiv als in jüngeren Jahren. Bemerkenswert: In den höheren Altersgruppen (ab 45 Jahre) sind Frauen häufiger sportlich aktiv als Männer.

 

Früherkennung und Vorsorge

Die Früherkennung von bestimmten Krankheiten ist eine wichtige Vorbeugemaßnahme, denn je früher schwere Krankheiten erkannt werden, desto besser sind meist die Möglichkeiten, sie medizinisch zu behandeln.

Wer gesetzlich versichert ist, hat Anspruch auf eine ganze Reihe von Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen. So haben Frauen ab dem Alter von 20 Jahren Anspruch auf eine jährliche körperliche Krebsfrüherkennungsuntersuchung – umgangssprachlich auch Krebsvorsorge.

Dabei können mögliche Veränderungen im äußeren Genitalbereich, am Gebärmutterkörper, an den Eierstöcken und (ab dem Alter von 30 Jahren) auch an den Brüsten und der Haut festgestellt werden. Die Untersuchungsangebote zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs sind altersabhängig.  Frauen zwischen 20 und 34 Jahren können einmal im Jahr den sogenannten Pap-Abstrich machen lassen.

Dieser Abstrich vom Gebärmutterhals wird im Labor auf veränderte Zellen untersucht. Je nach Ergebnis können sich weitere Untersuchungen anschließen: eine weitere zytologische Untersuchung, ein Test auf genitale Infektionen mit humanen Papillomaviren (HPV-Test) oder eine Spiegelung des Gebärmuttermundes. Frauen ab 35 bekommen die Vorsorge nur noch alle drei Jahre, dann aber als Kombination aus Pap-Abstrich und HPV-Test.

 

Zusätzlich dazu können sich Frauen bis 25 Jahre jährlich auf eine Infektion mit Chlamydien testen lassen. Patientinnen über 50 haben Anspruch auf einen jährlichen Test auf verborgenes Blut im Stuhl sowie ab 55 auf zwei Darmspiegelungen im Mindestabstand von zehn Jahren. Zwischen 50 und 69 Jahren erhalten Frauen zudem alle zwei Jahre eine Einladung zum Mammografie-Screening zur Früherkennung von Brustkrebs.

Gleichermaßen für Frauen und Männer gilt: Ab 35 Jahren gibt es alle drei Jahre einen allgemeinen Gesundheits-Check-up zur Früherkennung zum Beispiel von Nieren-, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes bzw. auch auf unentdeckte Infektionen, außerdem alle zwei Jahre ein Hautkrebs-Screening, bei dem die Haut des gesamten Körpers in Augenschein genommen wird. 

 

Wechseljahre

Die Wechseljahre sind die Zeit, in der sich die weibliche Hormonproduktion umstellt und die Regelblutung – und mit ihr die Bereitschaft des Körpers, schwanger zu werden – ganz verschwindet. Die meisten Frauen erleben diese Umstellung zwischen Mitte 40 und Mitte 50. Statistisch gesehen fühlt sich etwa jede dritte Frau während der Wechseljahre nicht anders als zuvor. Ein weiteres Drittel aller Frauen erlebt in dieser Zeit Phasen mit lästigen, aber nicht sehr starken Beschwerden. Von wirklich belastenden Begleiterscheinungen berichtet ebenfalls ein Drittel. Bei starken Beschwerden ist es ratsam, medizinisch klären zu lassen, ob die Ursache dafür tatsächlich in der hormonellen Umstellung liegt oder ob es andere Gründe dafür gibt.

 

Blasenschwäche und Beckenboden

Aufgrund ihres schwächeren Bindegewebes und ihrer schwächeren Beckenbodenmuskulatur sind Frauen häufiger von Blasenschwäche betroffen als Männer.  Die wiederum kann zu einer Absenkung der Gebärmutter und anderer Beckenorgane führen sowie den Verschlussmechanismus der Blase beeinträchtigen.

Durch die hormonellen Veränderungen produziert der weibliche Körper weniger Östrogen. Dadurch verliert das Gewebe zusätzlich an Elastizität. Ebenfalls bedingt durch den Östrogenmangel werden die Schleimhäute im Genitalbereich schlechter durchblutet, wodurch der pH-Wert der Scheide ansteigen kann. Das wiederum kann das Eindringen von Keimen und Krankheitserregern erleichtern und in der Folge zu Blasenentzündungen und Harnwegsinfektionen führen. All das belastet die Blase. Der Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz bietet unter http://www.bgv-blasenschwaeche.de/beckenboden.html verschiedene Übungen zur Kräftigung des Beckenbodens.

 

Medikamentenwirkungen

Fachleute wissen schon länger, dass Frauen insgesamt mehr unerwünschte Wirkungen durch Medikamente erfahren als Männer. Erklärt wird das häufig mit dem Einfluss von Hormonen, Lebensstil und auch mit dem unterschiedlichen Stoffwechsel, berichtet die österreichische Medizinsoziologin Sylvia Groth. Darüber hinaus haben mehrere Studien gezeigt, „dass weibliche Leberzellen auf manche Wirkstoffe empfindlicher reagieren als männliche“.

So hätten acht von den zehn verschreibungspflichtigen Medikamenten, die zwischen 1997 und 2000 wegen lebensbedrohlicher Folgen inzwischen vom Markt genommen worden seien, bei Frauen mehr negative Wirkungen verursacht als bei Männern. „Aus diesem Grund hat das schwedische Karolinska Institut in Stockholm eine Datenbank entwickelt, die für eine Reihe von Medikamenten auch geschlechtsspezifische Informationen angibt“. Auch das Deutsche Arzneimittelgesetz fordert, dass bei Medikamentenstudien die Wirkung der Mittel auf Frauen und Männer möglichst einzeln erfasst und ausgewiesen werden sollte.

Auch beim Alkohol haben Frauen im Übrigen biologisch ein niedrigeres Limit – sie werden schneller betrunken. Denn zum einen baut die weibliche Leber den Alkohol langsamer ab, weil sie von manchen Enzymen weniger hat.

Zum anderen enthält der männliche Körper mehr Flüssigkeit als Frauen, deren Körper wiederum im Durchschnitt einen höheren Fettanteil hat. Alkohol verteilt sich aber nur auf die Flüssigkeit und nicht ins Fettgewebe, sodass die Alkoholkonzentration im Blut bei gleicher Trinkmenge bei Frauen höher ist. Deshalb haben sie auch ein höheres Risiko für Leber-, Herz- und Gehirnschäden, wenn sie zu viel trinken.

 

 

 

 

 

 

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