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Jetzt wird es wieder frostig

Läuft im Sommer ein Spielfilm, in dem eine Winterlandschaft gezeigt wird, über die der Wind braust, weckt das fast ein wenig Sehnsucht: Wir im Warmen, gemütlich auf das Sofa gekuschelt, eine heiße Tasse Tee, ein toller Film oder spannendes Buch. Im November sieht die Sache anders aus.

 

Wir müssen zur Arbeit, einkaufen oder mit dem Hund ins Freie. Ein kalter Wind treibt Regenschauer vor sich her. Die Kälte kriecht unter die Kleidung und in die Knochen. Die kurzen Tage und der trübe Himmel schlagen aufs Gemüt. Willkommen im November – die Zeit der Triefnasen, der Erkältungen und der kalten Füße beginnt.

Auch wenn gezielte Kältereize das Immunsystem stimulieren, so können frostige Temperaturen den menschlichen Organismus ebenso belasten wie zu große Hitze. Pfeift der Wind um die Ecken, sind Halsschmerzen, Husten, Nasenebenhöhlenentzündungen oder Kopfschmerzen nicht weit.

Doch von November bis April zu Hause bleiben ist nicht nur unrealistisch, sondern auch ungesund. Denn frische Luft und Bewegung werden in jeder Jahreszeit gebraucht. Trotzdem leiden manche Menschen mehr unter Kälte als andere.

 

Dünne Haut macht kälteempfindlich

Kinder haben eine dünnere Haut als Erwachsene. Sie verlieren deshalb schneller Körperwärme und kühlen darum schneller aus. Die Haut von Frauen ist im Schnitt etwa 15% dünner als die der Männer und damit ist ihr Körper schlechter isoliert. Außerdem ist ihre Muskelmasse geringer. Muskelzellen setzen einen Teil ihrer Energie als Wärme frei – ein Grund, warum Männer bei Kälte oft wesentlich dünner bekleidet sind als Frauen und trotzdem nicht frieren. Auch ältere Menschen leiden stärker unter Kälte. Sie besitzen weniger Unterhautfettgewebe und ihre Muskelmasse ist niedriger. Hinzu kommt, dass sie sich oft weniger bewegen und deshalb schlechter durchblutet sind.

 

Muskeln halten warm

Muskeln sind „Körperheizungen“. Sie verbrauchen ständig Energie, benötigen aber nur etwa ein Drittel davon für ihre Arbeit. Den Rest geben sie als Wärme ab – auch im Ruhezustand. Ein muskulöser Körper friert deshalb weniger.

 

Kälte wirkt sich negativ auf manche Erkrankungen aus

Kälte und feuchtkalte Luft setzt Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen, Herzpatienten oder Rheumatikern erheblich zu. Extreme Kälte kann Brustschmerzen und Herzrhythmusstörungen verursachen. Menschen mit koronarer Herzkrankheit sind jetzt besonders gefährdet. Sehr kalte Tage erhöhen das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Bei Asthma und COPD (chronisch obstruktiver Bronchitis) verschlimmern sich im Winter häufig die Beschwerden.

Der Körper produziert bei Kälte mehr Schleim und kommt schneller aus der Puste. Hinzu kommt, dass Kälte die Abwehrkräfte der Atemwege herabsetzt. Das ist bei Vorerkrankten nicht anders als bei Gesunden. Doch sind die Atemwege bereits in Mitleidenschaft gezogen, wirken sich grippale Infekte und Erkältungen zusätzlich belastend auf Lunge und Bronchien aus. Mit Gelenkproblemen ist die Kälte auch kein Vergnügen.

Bei Kälte verspannt die Muskulatur, das beeinträchtigt die Beweglichkeit der Gelenke und die Schmerzen nehmen zu. Jetzt wäre Bewegung gut, denn Muskeln geben Wärme ab. Aber oft machen Betroffene genau das Gegenteil, weil ihre Gelenke bei Bewegung schmerzen. Bei älteren Menschen, die ohnehin nicht mehr so beweglich sind, erhöht sich die Sturzgefahr, denn wenn Arme und Beine kalt werden, fühlen sich die Muskeln steif und unbeweglich an.

 

Bewegung in der Kälte

Kälte ist kein Grund, auf Bewegung zu verzichten. Für Sportliche ist eine Ausdauersportart oder Bewegungsform, die extreme Belastungen vermeidet, empfehlenswert. Geeignet sind beispielsweise Sportarten wie Langlauf, Wandern, Walken oder Joggen. Aber auch regelmäßige Spaziergänge haben positive Effekte. Um die Atemwege zu entlasten, sollte man möglichst auf Mundatmung verzichten und durch die Nase Luft holen.

Eine wesentliche Funktion der Nase ist das Anwärmen kalter Luftt. Bei verstopfter Nase lassen sich Mund und Nase mit einem Schal bedecken, durch den die eingeatmete Luft ebenfalls vorgewärmt wird. Letzteres empfiehlt sich auch für alle Menschen mit Atemwegserkrankungen oder Herzproblemen. Wobei wir gleich beim nächsten Thema wären: der richtigen Kleidung.

 

Es gibt kein falsches Wetter …

… sondern nur falsche Kleidung. Der Spruch ist uralt, aber die richtige Kleidung ist das A&O an feuchtkalten Tagen. Grundsätzlich sind Zwiebellook und wetterfeste Oberbekleidung optimal. So ist man auf alle Temperaturwechsel bestens vorbereitet und vermeidet Frösteln ebenso wie Schwitzen. Da Luft ein schlechter Wärmeleiter ist, wirken Luftschichten zwischen Kleidungsstücken isolierend.

Mehrere dünne Shirts oder Pullis übereinander wärmen besser als ein dicker Wollpullover. Hände und Füße sind besonders kälteempfindlich, Handschuhe und dicke Socken beugen einem Wärmeverlust vor. Schuhe sollten bequem sitzen, denn mit zu engen Schuhen werden die Füße schneller kalt. Der Kopf wird mit einer Mütze, der Hals mit einem Schal gewärmt. Die letzte Schicht sollte wind- und wasserdicht sein. Beim Sport im Freien wird auch bei Kälte geschwitzt. Stirnbänder unter der Mütze schützen den Kopf, Schlauchschals verrutschen nicht bei Bewegung, mit Wollsocken und winterfesten Sportschuhen bleiben die Füße warm und trocken.

Und weil Hände besonders schnell kalt werden, kann beispielsweise über dünne Fingerhandschuhe noch ein Paar Fäustlinge gestülpt werden. Wer sein Handy immer zur Hand haben will, muss auch keine Angst wegen kalter Finger haben. Es gibt spezielle Smartphone-Handschuhe, mit denen man das Gerät auch im Winter bedienen kann.

 

Booster fürs Immunsystem

Vitamine und Mineralien sollten bei einer ausgewogenen Ernährung eigentlich in ausreichender Menge aufgenommen werden. Doch kann im Winter eine Extraportion Vitamine nicht schaden. Deshalb sollten Obst, Gemüse und Nüsse regelmäßig verzehrt werden. Vitamin C gilt als das Abwehrvitamin schlechthin. Die Natur hat es wieder mal bestens eingerichtet, denn in der kalten Jahreszeit gibt es viel Vitamin-C-reiches Obst und Gemüse. Zitrusfrüchte haben jetzt Saison und sind besonders schmackhaft.

Saison haben auch Kohlsorten, rote Beete oder Kiwis. Gemüse und Obst sind nicht nur wegen ihres Vitamingehalts wichtig im Winter. Sie enthalten viele Ballaststoffe. Diese unterstützen den Darm, der für die Bildung der Abwehrkräfte eine wichtige Rolle spielt. Knoblauch schützt nicht nur vor Vampiren, er stärkt auch das Immunsystem. Er ist reich an Vitaminen, wirkt gegen Bakterien und Pilze und hat eine positive Wirkung bei erhöhten Blutfetten und Cholesterin.

Sehr beliebt sind seit einiger Zeit sogenannte Ingwer-Shots. Sie müssen nicht teuer gekauft werden, sondern lassen sich einfach selbst machen. Da schon ein Gläschen täglich ausreicht, kann man sich einen Vorrat in den Kühlschrank stellen. Das spart Geld und Zeit. Ingwer-Shots enthalten Orangen- und Zitronensaft, geriebenen scharfen Ingwer, geriebene Kurkumawurzel und – nach Geschmack – Honig und Zimt. Ihre Inhaltsstoffe wirken entzündungshemmend und antioxidativ. Die Schärfe des Ingwers wärmt auch in gekühlten Shots von innen, doch wem das nicht reicht, kann sich aus der Ingwerwurzel einen heißen Tee aufbrühen.

 

Was macht die Kälte mit uns?

Bei niedrigen Temperaturen schützt sich der Körper vor Auskühlung, denn seine Betriebstemperatur von ca. 37 Grad Celsius möchte er aufrechthalten. Er senkt darum die Durchblutung, indem er die Blutgefäße verengt, um unnötige Wärmeverluste zu verhindern. Außerdem verteilt er das Blut zu den lebenswichtigen Organen in der Körpermitte und reduziert die Durchblutung an „unwichtigen“ Stellen. Deshalb werden beispielsweise Hände und Füße zuerst kalt.

 

Haut vor Kälte schützen

Gesicht und Hände sind Kälte, Wind und Nässe besonders ausgesetzt. Talgdrüsen arbeiten unter acht Grad nicht oder nur sehr eingeschränkt. Damit verliert die Haut ihren Schutzfilm. Die Gesichtshaut wird trocken, sie juckt, schuppt und rötet sich. Auch die Lippen werden bei Kälte trocken und rissig. Trockene Haut braucht im Winter vermehrt Fett.

Eine reichhaltige Creme mit guten pflegenden Ölen schützt die Haut. Die Lippen sind für eine pflegende Fettschicht dankbar, ebenso wie die Hände. Ihre Haut besitzt ohnehin kaum Talgdrüsen, weshalb sie bei Kälte besonders schnell rau und rissig werden. Hochwertige Handcremes oder auch mal eine Pflegepackung über Nacht sorgen dafür, dass die Hände gepflegt und zart über den Winter kommen.

 

Wärme von innen

Nach einem Spaziergang durch feuchte Kälte sind heiße Tees, Suppen und Eintöpfe Magenwärmer und Seelentröster zugleich. Je nachdem, welche Zutaten und Gewürze verwendet werden, lässt sich dieser Effekt noch steigern. So sollen zum Beispiel Kürbis, Pastinaken und rote Beete nach Ayurveda wärmend wirken, ebenso Möhre, rote Linsen oder Kidneybohnen. Gewürzt mit Curry, Chili, Ingwer, Kardamom, Knoblauch, Pfeffer oder Kümmel lassen sich aus den Wintergemüsen schmackhafte Suppen herstellen. Oder ein herzhaftes Chili con Carne mit Rind oder Lammfleisch, das uns ebenfalls zum Schwitzen bringt.

Es kommt nicht von ungefähr, dass Gewürze wie Anis, Kardamom, Ingwer, Zimt, Muskat und Vanille traditionell im Weihnachtsgebäck verwendet werden. Auch sie gehören zu den wärmespendenden Gewürzen. Wer nicht unbedingt in Plätzchen schwelgen will, kann sie natürlich auch für Tees verwenden. Und wenn’s so gar nicht warm werden will? Dann bleibt immer noch ein Gang in die Sauna. Wenn das coronabedingt nicht möglich ist, dann kann ein heißes Bad die Glieder wieder wärmen. Das hat durch seine Wärme auch eine medizinische Wirkung, denn durch das Aufheizen des Körpers wird quasi ein künstliches Fieber erzeugt, mit einem positiven Effekt auf das Immunsystem. Trotzdem sollte man es nur in Maßen genießen.

Denn zu langes Baden schwächt den Säureschutzmantel der Haut und lässt sie austrocknen. 10 bis 15 Minuten reichen aus. Nach einem warmen Bad wird Ruhe empfohlen. Das lässt man sich im November nicht zweimal sagen. Wenn‘s draußen kalt, regnerisch und windig ist, legt man sich anschließend gerne gut zugedeckt noch eine halbe Stunde auf die Couch.

 

Alkohol gegen Kälte?

Ist es kalt, wird gerne mit einem Glühwein von innen gewärmt. Zwar fühlt man sich zunächst gut behaglicher, das Getränk ist heiß, der Alkohol erweitert die Blutgefäße der Haut und durch die bessere Durchblutung macht sich Wärme breit. Doch genauso schnell wird diese Wärme von der Haut an die Luft abgegeben und man beginnt wieder zu frösteln.

Besser ist es, Getränke oder Nahrung zu sich zu nehmen, welche die Durchblutung der inneren Organe steigert. Das wärmt den Körper besser von innen.

 

 

 

 

 

 

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