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Mann oh Mann! Risiken für den Vorsorgemuffel

Ziemlich genau 5 Jahre sind es, die Männer im Jahr 2020 statistisch früher als Frauen starben. Und weil diese Relation seit Jahren ähnlich hoch ist, gibt es dafür viele Gründe: wissenschaftlich nachweisbare und irrationale.

 

Und diese ändern sich auch. Waren es früher beispielsweise die Männer, die deutlich häufiger an einem Herzinfarkt starben, so sind es heute eher die Frauen, die ein solches Ereignis weniger überleben. Dabei ist die Raucherquote unter den Männern immer noch signifikant höher als die bei den Frauen. Heidrun Thais bringt es auf den Punkt: „Männer gehen seltener zum Arzt als Frauen. Sie führen ein teilweise risikoreicheres Leben, trinken mehr Alkohol, ernähren sich ungesünder und nehmen seltener an gesundheitsfördernden Angeboten teil“, erklärt die Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Letzteres bestätigen immer wieder die Statistiken der gesetzlichen Krankenkassen und des Robert-Koch-Institutes. Danach nutzen nur etwas mehr als 40 % der Männer beispielsweise die Krebs-Früherkennung, während die Quote bei den Frauen bei gut zwei Dritteln (< 67 %) liegt.

 

Männer wollen nicht zum Arzt

Aber was sind die Gründe dafür, dass Männer durch ein solches Verhalten ganz offensichtlich ihre Gesundheit aufs Spiel setzen? Dass die Wurzeln für solche Verhaltensmuster bereits in der Sozialisation gelegt werden, scheint Herbert Grönemeyers Hymne „Männer“ zwar ohne jeden wissenschaftlichen Anspruch, dafür aber voll umfänglich zu beweisen. Und in der Tat sind solche Typen nicht auf Deutschland und schon gar nicht auf das Ruhrgebiet beschränkt. Allen gemeinsam scheint die zwar falsche, aber tiefe Überzeugung zu sein, dass jedes Wehwehchen irgendwann auch ohne ärztliche Hilfe von selbst wieder verschwindet.

Und weil dem Arzttermin insgesamt so geringe Bedeutung beigemessen wird, ist offenkundig dafür auch jedes Engagement lästig. Dazu befragt, warum sie nicht jedes Jahr einen Termin bei ihrem Hausarzt vereinbaren, meinten vor allem die Männer zwischen 18 und 44, dafür seien sie zu beschäftigt. Zudem sind offenbar viele Männer doch nicht so heldenhafte Urgesteine, als die sie sich gerne sehen. Als Gründe für die Nicht-Wahrnehmung von Früherkennungsterminen werden zumindest oft auch die Furcht vor unangenehmen Untersuchungen beispielsweise der Prostata beziehungsweise die Angst vor schlimmen Ergebnissen genannt. Da wird der Kopf dann doch lieber nach der Vogel-Strauß-Methode in den Sand gesteckt.

 

Keine Zeit fürs Wartezimmer

Daneben sind es aber auch ganz banale Gründe, die Männer vom Arztbesuch abhalten. Viele Angehörige des starken Geschlechtes finden es einfach furchtbar, längere Zeit in Wartezimmern zu verbringen und sich dabei vielleicht sogar mit den Mitwartenden auch noch über Krankheiten unterhalten zu müssen. Um diesen besonders ungeduldigen Zielgruppen entgegenzukommen, bieten immer mehr Ärztinnen und Ärzte Terminsprechstunden an, die die Wartezeiten auf ein Mindestmaß reduzieren. Derartige Angebote werden von Männern gerne wahrgenommen. Zudem benötigen Männer vergleichsweise mehr Vorlaufzeit als Frauen, um mit dem Arzt auch über als unangenehm empfundene Themen zu sprechen. Auch das, so die Experten, sei Folge eines völlig anderen Körperbewusstseins. Der eigene Organismus werde fast wie eine Maschine wahrgenommen. Vielleicht auch deswegen sprechen manche Präventionsmediziner bei Früherkennungsuntersuchungen für Männer von Inspektionsterminen. Zum Arzt gehen manche Männer erst dann, wenn Schmerzen auftreten oder der Körper an der einen oder anderen Stelle erkennbar nicht mehr funktioniert. Problematisch ist in diesem Zusammenhang zudem die Tatsache, dass viele Männer ihre Gesundheit besser einschätzen als sie tatsächlich ist.

 

Leben Männer in Partnerschaften mit einer Frau, dann greift diese oft korrigierend ein. Sie kümmert sich laut einer Studie des Robert-Koch-Institutes um die nächsten Arzttermine oder sagt ihrem Mann, wann notwendige Impfungen anstehen. Insgesamt hat das durchaus positive Effekte. Männer in einer Beziehung leben durchschnittlich zwei Jahre länger als ein Single-Mann. Zudem hat sich das Gesundheitsbewusstsein der Männer zwischen 40 und 60 in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Nicht zuletzt aufgrund des Angebotes rezeptpflichtiger Potenzmittel gehen sie häufiger zu Urologen und nehmen insgesamt etwas mehr Vorsorgetermine wahr. Experten sprechen in diesem Zusammenhang vom „Viagra-Effekt“. Dabei geht das Früherkennungsangebot der Krankenkassen weit über die potenzsteigernden Programme hinaus. 

 

Mit ihrem Medienservice will auch die AOK zu einem Sinneswandel beitragen. Sie wirbt speziell bei Männern dafür, die Früherkennung zu nutzen, wenn noch nichts wehtut. Denn in einem frühen Stadium erkannt, sind auch gefährliche Erkrankungen deutlich besser behandel- und oft auch heilbar.

 

Bunter Strauß an Sicherheit

Daran, dass die Früherkennung von Krankheiten Sinn macht, gibt es heute keinen Zweifel mehr. Im Verlauf der letzten Jahrzehnte hat die Gesundheitspolitik gemeinsam mit den Krankenkassen einen bunten Strauß von Früherkennungsprogrammen zusammengestellt, die allen, die daran teilnehmen, deutlich mehr Sicherheit gewähren. Für Männer gehören dazu Untersuchungen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Nierenerkrankungen sowie Haut-, Prostata- und Darmkrebs. Denn Krebs ist nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache.

 

Neu hinzugekommen ist für Männer seit Januar 2018 die Ultraschalluntersuchung zur Früherkennung eines Bauchaortenaneurysmas. Von dieser gefährlichen Erweiterung der Schlagader im Bauch sind Männer nämlich wesentlich häufiger betroffen als Frauen. Die Kosten aller Früherkennungsuntersuchungen tragen die Krankenkassen. Dies gilt aber erst ab einem bestimmten Alter, da dann das Risiko für die jeweilige Erkrankung steigt. Zusätzlich können Versicherte die jährlichen zahnärztlichen Kontrollen in Anspruch nehmen. Tun sie das regelmäßig, kann die Krankenkasse dafür einen Bonus gewähren. Der AOK Medienservice hat eine Zusammenfassung erstellt, die einen guten Überblick gibt.

 

Check-up 35

Wie der Name schon sagt, können Männer und Frauen ab einem Alter von 35 derzeit alle zwei Jahre einen Gesundheitscheck beim Hausarzt durchführen lassen. Dabei geht es vor allem darum, Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, für Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und Nierenerkrankungen frühzeitig auf die Spur zu kommen. Die Ärztin beziehungsweise der Arzt wird danach fragen, wie der Patient lebt und sich ernährt, wie viel er sich bewegt, ob er raucht und ob es bestimmte Erkrankungen in der Familie gibt. Der Blutdruck wird gemessen, das Blut und der Urin werden im Labor untersucht. Sind zum Beispiel der Blutdruck oder die Blutzuckerwerte erhöht, kann der Arzt dem Versicherten bei Bedarf zum Beispiel Kurse zur Stressbewältigung, Bewegung, Ernährung oder Raucherentwöhnung empfehlen und dafür eine ärztliche Bescheinigung ausstellen. Auf dieser Basis kann die Krankenkasse des Versicherten entscheiden, ob sie die Kosten für den Präventionskurs übernimmt.

 

Hautkrebs-Früherkennung

Beim Hautkrebs-Screening befragt der Arzt den Patienten nach Hautveränderungen und begutachtet die Haut am ganzen Körper – einschließlich des behaarten Kopfes und der Hautfalten. Das Screening kann für alle  Versicherten über 35 Jahren alle zwei Jahre durchgeführt werden. Einen verdächtigen Befund muss eine Fachärztin beziehungsweise ein Facharzt für Dermatologie abklären.

 

Nur für Männer:  Früherkennung Prostatakrebs

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei älteren Männern. Deshalb wird Männern ab einem Alter von 45 Jahren angeboten, jedes Jahr einmal die äußeren und inneren Geschlechtsorgane bei einem Urologen untersuchen zu lassen. Dabei tastet der Arzt die Genitalien und die Lymphknoten in der Leiste ab. Die Prostata ist vom Enddarm aus mit dem Finger gut tastbar. Bei Auffälligkeiten kommt der PSA-Test zum Zug, der in diesem Fall auch von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlt wird. Als reine Früherkennung gibt es den PSA-Test nur als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), die die Patienten selber zahlen müssen. Auch eine Gewebeprobe und eine Ultraschalluntersuchung können helfen, einen auffälligen Befund abzuklären.

 

Früherkennung Darmkrebs

Darmkrebs ist die dritthäufigste Krebserkrankung bei Männern. Ab einem Alter von 50 Jahren haben Männer genauso wie Frauen einen Anspruch auf Untersuchungen zur Damkrebsfrüherkennung. Dabei handelt es sich um zwei Verfahren: Zwischen dem 50. und 54. Lebensjahr können die Versicherten jährlich eine Stuhlprobe einreichen. Blut im Stuhl kann ein Anzeichen für Darmkrebs sein. Bei einem auffälligen Befund erfolgt dann eine Darmspiegelung zur Abklärung, ob eine bösartige Erkrankung die Ursache ist.

 

Es gibt viele gutartige Ursachen, warum Blut im Stuhl auftreten kann, zum Beispiel Hämorrhoiden. Ab einem Alter von 55 Jahren (für Männer ab 50) stehen jedem Mann und jeder Frau zwei große Darmspiegelungen zu, im Abstand von mindestens zehn Jahren. Großer Vorteil der Darmspiegelung, auch Koloskopie genannt: Sie ist die einzige wirkliche Vorsorgeuntersuchung, bei der der Arzt Vorstufen von Darmkrebs, sogenannte Polypen oder Adenome, entfernen und dadurch möglicherweise eine Krebsentwicklung verhindern kann.

 

Damit ist sie ein Grund dafür, dass seit Einführung der Darmspiegelung zur Früherkennung weniger Menschen an Darmkrebs erkranken und sterben. Menschen, denen eine Darmspiegelung zu unangenehm ist, können sich auch alternativ für den Test auf verborgenes Blut im Stuhl entscheiden, der ihnen dann alle zwei Jahre zusteht.

 

Neu und nur für Männer: Früherkennung Bauchaortenaneurysma

Ein Aneurysma ist eine wenig bekannte, dafür umso gefährlichere Erkrankung: Wenn die Schlagader im Bauch ausgebeult ist - zum Beispiel durch Bluthochdruck - kann sie platzen. Das größte Risiko für diesen Notfall tragen Männer ab 65 Jahren.

 

Deshalb wird ihnen von den gesetzlichen Krankenkassen  seit Januar 2018 eine einmalige Ultraschalluntersuchung des Bauches angeboten, womit eine solche Erweiterung der Schlagader zuverlässig entdeckt und gegebenenfalls operiert werden kann.

 

Zahnärztliche Kontrolle

Mindestens einmal pro Kalenderhalbjahr sollte jeder Erwachsene seine Zähne und das Zahnfleisch untersuchen lassen. Gegebenenfalls entfernt der Zahnarzt gleich noch Zahnstein, prüft die Sensibilität der Zähne oder veranlasst eine Röntgenuntersuchung. Ist im Bonusheft die regelmäßige Zahnvorsorge verzeichnet, belohnen das die gesetzlichen Krankenkassen, indem sie einen höheren Zuschuss bei Zahnersatz gewähren.

 

Aber natürlich ist die Wahrnehmung der Vorsorgetermine nur eine Möglichkeit für Männer, in die eigene Gesundheit zu investieren. Ausreichende Bewegung sowie eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung gehören natürlich auch dazu. Und das können Männer im Kreis ihrer Freunde oder Familie erheblich besser, als wenn sie auch hier als Einzelkämpfer tätig werden.

 

Dabei schützen Bewegung oder eine gute Ernährung nicht nur vor Krankheiten wie Diabetes, sie können auch bei einer bereits bestehenden die Blutzuckerwerte nachhaltig verbessern. Und nicht zuletzt: Mit einem solchen Aktivprogramm sind wir auch alle leistungsfähiger. Und wer möchte das nicht sein – beruflich wie privat?

 

Früherkennung auf einen Blick:

 

Ab 18 • für Männer und Frauen: Zahnvorsorge, 2-mal jährlich

 

Ab 35 • für Männer und Frauen: Check-up 35, Risikofaktoren, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus, Nierenerkrankungen

 

Ab 35 • für Männer und Frauen: Früherkennung Hautkrebs

 

Ab 45 • für Männer: Früherkennung Prostatakrebs und Krebs des äußeren Genitals

 

Ab 50 • für Männer und Frauen: Früherkennung Darmkrebs

 

Ab 65 • für Männer:  Früherkennung Bauchaortenaneurysma

 

 

 

 

 

 

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