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Der Apotheken-Kurier-Leserservice für Gesundheitsfragen

Frage eines Patienten (42): Ich bin Kfz Meister und muss in der Werkstatt viel über Kopf arbeiten. Nachdem ich vor zwei Wochen beim Fußballspielen unglücklich gestürzt bin, musste ich an der Schulter operiert werden. Mein Arzt hat mich  die nächsten 8 Wochen krankgeschrieben, weil ich mit meiner kaputten Schulter in der Werkstatt nichts ausrichten kann. Mein Problem: Meine Frau und ich haben schon vor längerer Zeit einen Spanienurlaub gebucht. Darf ich diesen überhaupt antreten, während ich krankgeschrieben bin?

 

Heike Morris, Juristische Leiterin der Unabhängigen  Patientenberatung Deutschland (UPD): Gut, dass Sie nachfragen. Ein Auslandsurlaub während des Krankengeldbezuges muss nämlich immer erst genehmigt werden. Um hier gut gerüstet zu sein, sollte dem Antrag gleich ein ärztliches Attest, dass die Reisefähigkeit bescheinigt und die Vorteile der Reise für die Genesung herausstellt, beigefügt werden. Uns erreichen immer wieder Beschwerden, dass Reisen pauschal abgelehnt werden ohne dass die Umstände von Seiten der Krankenkasse überhaupt geklärt wurden.

 

Auslandsreise nur mit Zustimmung der Krankenkasse

Für Reisen ins Ausland gelten indes besondere Regeln. Um Ihren Anspruch auf Krankengeld nicht zu gefährden, sollten Sie im Vorfeld unbedingt die Zustimmung Ihrer Krankenkasse einholen. Dazu ist die gleichzeitige Übersendung einer Unbedenklichkeitserklärung Ihres behandelnden Arztes empfehlenswert. In diesem Dokument benennt der Arzt medizinische Gründe, weshalb sich die geplante Reise nicht negativ auf Ihre Genesung auswirken oder diese die Erkrankung zumindest nicht hinauszögert. Das könnte in Ihrer Situation beispielweise die Möglichkeit auf Ruhe, Entspannung und Schonung sein. Die Argumente reichen Sie zusammen mit dem Antrag auf Zustimmung schriftlich und rechtzeitig vor Reisebeginn bei Ihrer Krankenkasse ein. In der Regel schaltet die Kasse den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) ein. Dieser gibt eine zusätzliche Einschätzung darüber ab, wie sich die Reise auf die Gesundheit des Versicherten auswirken kann. Wenn Sie die Reise ohne Genehmigung Ihrer Krankenkasse antreten, riskieren Sie viel: Erfährt Ihre Kasse von der Urlaubsreise, zahlt sie für mindestens den Zeitraum des Auslandsaufenthaltes kein Krankengeld. Im schlimmsten Fall können fehlende Nachweise der Arbeitsunfähigkeit den weiteren Krankengeldanspruch und den Versicherungsschutz reduzieren oder sogar ganz entfallen lassen.

 

Inlandsreisen sind unproblematisch

Einfacher ist es, wenn Sie einen Urlaub innerhalb Deutschlands planen: Die vorherige Zustimmung Ihrer Krankenkasse müssen Sie in diesem Fall nicht einholen.

 

Mitwirkungspflichten beachten

Um Ihren Anspruch auf Krankengeld durch die Reise aber nicht zu gefährden – gleich, ob es sich um eine Auslands- oder Inlandsreise handelt – sollten Sie Ihren Mitwirkungspflichten nachkommen. Sie müssen deshalb Ihre medizinischen Behandlungen bzw. vereinbarte Untersuchungen auch im Reisezeitraum wahrnehmen und für Ihre Kasse telefonisch sowie postalisch erreichbar sein. Ich rate Ihnen deshalb: Lassen Sie die Post von einer vertrauten Person regelmäßig kontrollieren, um auf mögliche Schreiben der Krankenkasse fristgerecht reagieren zu können.

 

Was können Sie bei Ablehnung tun?

Wenn Ihre Krankenkasse Ihren Antrag auf Zustimmung zum Urlaub ablehnen sollte, haben Sie die Möglichkeit binnen eines Monats ab Bekanntgabe der ablehnenden Entscheidung Ihrer Krankenkasse Widerspruch einzulegen.

 

Wir bitten um Ihr Verständnis, dass es nicht möglich sein all Ihre wird, Fragen im Heft zu beantworten. Bei Bedarf können Sie sich deshalb direkt an die UPD wenden: kostenfrei unter  

> 0800 0 11 77 22 (montags – freitags von 8.00 bis 22.00 Uhr, samstags von 8.00 bis 18.00 Uhr).

 

 

 

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