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Erstes Medikament gegen primär progrediente und schubförmige Multiple Sklerose  (PPMS)

Erstmals wurde in Europa ein Medikament zugelassen, das sowohl zur Behandlung der frühen primär progredienten Multiplen Sklerose (PPMS) als auch der schubförmigen Multiplen Sklerose (MS) eingesetzt werden kann.

Nach Schätzungen der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft sind etwa 200.000 Menschen in Deutschland von MS betroffen, einer sogenannten Autoimmunerkrankung. Bei MS werden die schützenden Isolierungsschichten der Nervenfasern geschädigt und damit wird die Signalweiterleitung der Nervenbahnen gestört. Das kann zu körperlichen und geistigen Einschränkungen führen. MS ist eine der Hauptursachen einer neurologischen Behinderung bei jungen Erwachsenen und bislang unheilbar.

 

Drei unterschiedliche Verlaufsformen

MS tritt als schubförmige MS oder schubförmig remittierende MS (Relapsing Remitting MS – RRMS) auf.  Dabei treten plötzlich Krankheitsschübe auf, deren Symptome nach einer Weile wieder vollständig oder teilweise verschwinden können, die aber auf Dauer trotzdem zu einer Schädigung führen. Sie betrifft etwa 80 Prozent aller Betroffenen.

 

Beim primär progredienten Verlauf (Primary Progressive MS – PPMS) treten keine Schübe auf. Hier „schleicht“ sich die Erkrankung ein und führt zu einer kontinuierlichen Verschlechterung. Davon sind 10 – 15 Prozent der Erkrankten betroffen. Da die Erkrankung oft schneller fortschreitet, sind sie im Krankheitsverlauf schon früh auf Mobilitätshilfen oder den Rollstuhl angewiesen.

 

Die sekundäre progrediente Verlaufsform (Secondary Progressive MS – SPMS) beginnt zunächst schubförmig, nimmt dann aber einen Krankheitsverlauf mit kontinuierlicher Verschlechterung, wobei es zusätzlich noch  zu Schüben kommen kann. Unter der Bezeichnung RMS werden die beiden MS-Formen zusammengefasst, bei denen Schübe auftreten (also RRMS und SPMS)

 

Neue Behandlungsoption bei PPMS und RMS

Für die schwerwiegende Verlaufsform PPMS gab es bislang keine zugelassene Behandlungsmöglichkeit. Der neu zugelassene Wirkstoff kann nun das Fortschreiten der Behinderung bei Patienten mit PPMS nachweislich verzögern. Dementsprechend optimistisch  äußern sich nun Experten und sehen in der Zulassung des Wirkstoffs Ocrelizumab eine neue Ära in der Behandlung von Menschen mit MS. Die Studienergebnisse sehen vielversprechend aus.

So verlangsamte der Wirkstoff in der Phase-III-Studie bei PPMS-Patienten signifikant das Fortschreiten der Behinderung und reduzierte die Zeichen der Krankheitsaktivität im Gehirn verglichen mit Placebo. Auch bei RMS zeigt sich der neue Wirkstoff vielversprechend: In zwei Phase-III-Studien senkte er die Schubrate innerhalb eines Jahres um nahezu die Hälfte und reduzierte die sichtbaren Nervenschädigungen im Gehirn im Vergleich zu einem Basismedikament.

Mit dem neuen Antikörper wurden bereits 30.000 Patienten in Südamerika behandelt, nun ist er auch in Europa zugelassen.

 

 

 

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