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6 Fragen zum Thema „Sturzprävention“ an Dr. Nicolas Gumpert:

Wie lassen sich Sturzverletzungen in der kalten Jahreszeit vermeiden?“

Herr Dr. Gumpert, legen wir uns in der kalten Jahreszeit wirklich häufiger auf die Nase als im Sommer?

Ja, das kann man ganz klar so sagen. Ohne die genauen Zahlen zu kennen, würde ich aus den Erfahrungen in meiner Praxis sagen, dass die Fallzahlen im Winter wohl um rund das Zehnfache erhöht sind. 

Natürlich haben wir auch im Sommer eine ganze Reihe von Sturzverletzungen. Dabei handelt es sich aber häufig um die klassischen Sportverletzungen, wie Stürze beim Fußball oder ähnliches. Im Winter sehen wir stattdessen eine Kombination aus Alltags- und Urlaubsverletzungen.

Können Sie ausführen, um welche Arten von Verletzungen es sich dabei handelt?

Wenn es nasskalt oder sogar glatt wird, nehmen die klassischen Sturzverletzungen stark zu. Das sind vor allem Handgelenksfrakturen, weil versucht wurde, einen Sturz abzufangen. Solche Frakturen sehen wir in den Wintermonaten in einer Woche etwa so oft wie sonst im ganzen Jahr. Ebenfalls sehr häufig sind Sprunggelenksverletzungen, vor allem Frakturen des Wadenbeins aufgrund eines Umknickens. Zu diesen Alltagsverletzungen gesellen sich dann noch die typischen Urlaubsverletzungen, die meist von Knieverletzungen angeführt werden.

Warum zieht man sich im Urlaub ausgerechnet eine Knieverletzung zu? Im Winterurlaub fahren einfach viele Menschen Ski. Wenn man jetzt aber an den Fuß, der rund 30 Zentimeter misst, einen Ski von einem Meter fünfzig Länge montiert, dann entsteht da ein sehr langer Hebel. Vor allem, wenn das Sprunggelenk durch den Skischuh komplett abgestützt und geschützt ist, entlädt sich dann bei einem Unfall die gesamte Kraft in den Bändern des Kniegelenks. Ganz typisch ist da der Seitenbandriss. Gefürchtet ist aber auch der seltenere, vordere Kreuzbandriss. Solche Bänderverletzungen sehen wir übrigens auch viel häufiger als die tatsächlichen Frakturen.

 

Wie oft kommt es vor, dass einzig und allein das falsche Schuhwerk schuld an einem Unfall ist?

Das richtige Schuhwerk spielt im Winter natürlich eine besonders große Rolle. Und ehrlich gesagt, gehören Verletzungen aufgrund des falschen Schuhwerks deshalb auch zu den absoluten Klassikern. Dazu muss man vielleicht kurz erklären, dass die Sturzgefahr umso mehr zunimmt, je kleiner und glatter die Auflagefläche ist. Wer also auch im Winter in Schuhen mit hohen Absätzen oder Businessschuhen mit glatten Ledersohlen unterwegs ist, sollte besonders vorsichtig sein – oder diese Schuhe bitte nur im Büro anziehen.

 

 

 

 

 

 

Kann man Sturzverletzungen denn irgendwie vorbeugen, zum Beispiel durch Gleichgewichtsübungen?

Ja, das geht tatsächlich! Viele Stürze resultieren aus einem Mangel an Koordination. Diese Koordinationsfähigkeit können wir aber trainieren, vor allem in speziellen Kursen zur Sturzprävention bzw. Sturzprophylaxe.

 

Dabei wird insbesondere das Gleichgewichtsorgan trainiert, zum Beispiel durch einbeiniges Stehen auf einem instabilen Untergrund wie Balance Pads. Man lernt aber auch, wie man richtig stürzt, wenn ein Sturz eben nicht mehr zu vermeiden ist. Das Ziel dabei ist, die Fliehkraft des Sturzes in eine Drehkraft umzuwandeln, indem man sich richtig abrollt.

 

Das klingt so simpel wie sinnvoll. Was muss man bei diesen Kursen beachten?

Glücklicherweise nicht besonders viel. Teilnehmen können sowohl Jüngere als auch Ältere. Angeboten werden die Kurse vor allem von Physiotherapeuten, aber auch von manchen Hochschulen oder Sportvereinen. Außerdem werden sie häufig gefördert, sodass man sie völlig kostenlos oder gegen kleines Geld besuchen kann – lohnen tun sie sich aber allemal!

 

 

Autor:
Dr. Nicolas Gumpert
Kaiserstraße 14
60311 Frankfurt am Main

Tel.: 069 24753120

 

 

 

 

 

 

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