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Angst – wenn ein Schutzreflex zum Problem wird

In unbekannten Situationen, die wir nicht einschätzen können, fürchten wir uns. Und das ist auch gut so, denn sonst wären wir Menschen vermutlich schon längst ausgestorben. Lähmende Angst, die zur Handlungsunfähigkeit führt, ist allerdings problematisch.

 

Es gibt den Satz „Angst verleiht Flügel“. Denn Angst ist ein Impuls, der unseren Körper in erhöhte Wachsamkeit versetzt und zur Vorsicht animiert. Einerseits wird so verhindert, dass wir unnötige Risiken eingehen. Andererseits sind wir so aufmerksam angespannt, dass wir jederzeit die Flucht ergreifen können. So gesehen ist Angst ein sehr nützlicher Reflex. Allerdings gibt es auch Ängste, die in keinem realistischen Verhältnis zur realen Situation stehen. Sie treten in vergleichsweise harmlosen Situationen unkontrollierbar auf und machen Betroffenen das Leben schwer. Manche sind ihrer Angst so ausgeliefert, dass sie ihre eigenen vier Wände nicht mehr verlassen können.

 

Ängste können sehr vielgestaltig sein

Sage und schreibe 650 anerkannte Phobien (Angststörungen) sind rund um den Globus bekannt. Sie werden in vier Kategorien eingeteilt. Da sind einmal die spezifischen Phobien. So werden Ängste vor bestimmten Situationen, Dingen oder Personen genannt. Vergleichsweise harmlos ist die weitverbreitete Angst vor Ungeziefer, beispielsweise Spinnen. In den Tropen macht das Sinn, dagegen ist die Gefahr, in Deutschland einer Giftspinne zum Opfer zu fallen, gering. Trotzdem werden alljährlich Tausende harmlose Achtbeiner gemeuchelt, weil Spinnenphobiker bei ihrem Anblick in Panik geraten und zum Pantoffel oder dem Staubsauger greifen.

 

Dann gibt es Panikstörungen, wie die Angst vor Menschenmengen, Flugzeugen oder Aufzügen. Viele Menschen leiden unter panischer Flugangst, steigen aber täglich in ihr Auto, obwohl das Risiko, bei einem Autounfall zu sterben, sehr viel größer ist als bei einem Flugzeugabsturz.

 

Bei der sozialen Phobie entsteht die Angst in bestimmten Situationen, beispielsweise wenn der Leistungsdruck besonders hoch ist, wie etwa Prüfungsangst. Menschen mit generalisierten Angststörungen befürchten generell und jederzeit das Schlimmste. Das Gefühl der Angst begleitet sie dauerhaft, sie sind permanent in Sorge.

 

Angst essen Seele auf

Der Titel des Fassbender-Films ist zu einem geflügelten Wort geworden, das man noch ergänzen könnte. Denn Angst belastet nicht nur die Psyche, sondern wirkt sich auf den gesamten Organismus negativ aus. So können Herzrasen, Schweißausbrüche, Kopfschmerzen, Benommenheit, Schwindel, Atemnot, Mundtrockenheit, Zittern, Harndrang, Magenschmerzen oder Durchfall auftreten. Bricht die Angst aus, können viele Betroffene nicht mehr klar denken.

 

Lassen Sie sich helfen

Niemand muss mit seiner Angst allein bleiben. Manche Ängste lassen sich durch Psychotraining und Gewöhnungstherapien gut in den Griff bekommen, wie beispielsweise Spinnen- oder Höhenangst. Je nach Art der Angststörungen wird mit einer Kombination aus Medikamenten und nicht medikamentösen Therapien behandelt. Das kann sowohl ambulant als auch stationär erfolgen. Dabei sind Geduld und oft auch Überwindung gefragt. Aber die gute Nachricht ist: Angststörungen sind therapierbar und können ein angstfreies Leben ermöglichen.

 

 

 

 

 

 

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