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Myocarditis und Covid

Derzeit wird viel über eventuelle Folgeschäden einer Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus diskutiert. Auch wenn viele mögliche Zusammenhänge noch immer im Dunkeln bleiben, steht wohl fest, dass das Coronavirus durchaus auch das Herz angreifen kann. Selbst eine Impfung sehen manche Mediziner in diesem Zusammenhang kritisch. Zu Recht?

 

Bei einer Myokarditis handelt es sich um eine Herzmuskelentzündung, also eine entzündliche Erkrankung des Herzmuskels, auch Myokard genannt. Hierbei dringen die Erreger, typischerweise handelt es sich dabei um Viren, in das Muskelgewebe des Herzens ein und zerstören es. Wie lange diese Entzündung dauert und wie stark ausgeprägt sie ist, kann sich von Fall zu Fall deutlich unterscheiden. So kann eine Myokarditis manchmal völlig beschwerdefrei verlaufen, in anderen Fällen aber auch chronisch und mit einer deutlichen Beeinträchtigung der Herzfunktion einhergehen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) betont in diesem Zusammenhang jedoch, dass die bisherige Datenlage nahelege, dass der akute Verlauf einer Herzmuskelentzündung nach einer Covid-19-Impfung überwiegend mild sei.

 

Die Studienlage lässt derzeit noch keine eindeutige Aussage zu

Wie zuvor bereits erwähnt, handelt es sich bei den Erregern einer Myokarditis in der Regel um Viren. Auch das Covid-19-Virus besitzt bestimmte Rezeptoren, die nicht nur ein Eindringen in Lungenzellen ermöglichen, sondern auch in Herzzellen. Dennoch ist noch nicht abschließend geklärt, wie groß das Risiko für eine Myokarditis und bleibende kardiale Schäden durch Covid-19 tatsächlich ist. So haben US-amerikanische Forscher der Universität von Ohio zum Beispiel herausgefunden, dass bei auffallend vielen Genesenen einer Covid-Erkrankung ebenfalls Anzeichen einer Myokarditis vorlagen. Eine Studie des Universitätsklinikums in Frankfurt konnte diesen Zusammenhang durch eine kleinere Studie ebenfalls bestätigen. Ähnlich ausgerichtete Studien aus Dänemark und Deutschland kamen aber zu weitaus weniger deutlichen Ergebnissen – was es natürlich noch schwieriger macht, die Sachlage abschließend bewerten zu können.

 

Ist die Impfung mit einem mRNA-Impfstoff gefährlich für das Herz?

Während der letzten Monate gab es außerdem immer wieder Meldungen, die einen weiteren Verdacht schürten: Die Impfung mit einem mRNA-Impfstoff könne eine Myokarditis begünstigen oder sogar hervorrufen. Studien aus den USA und Israel haben dies mittlerweile bestätigt. Demnach tritt eine Herzmuskelentzündung vor allem bei männlichen Jugendlichen und jungen Männern bis 29 Jahren meist innerhalb weniger Tage nach der Impfung und häufiger nach der zweiten Dosis eines mRNA-Impfstoffs auf. Dies hat dazu geführt, dass eine Myokarditis mittlerweile als mögliche Nebenwirkung in die Gebrauchsinformationen beider mRNA-Impfstoffe, also Comirnaty von Biontech und Spikevax von Moderna, aufgenommen wurde. Dennoch kristallisiert sich langsam eine weitere, wohl mindestens ebenso wichtige Erkenntnis heraus: Das Risiko einer schweren Schädigung des Herzens aufgrund einer Infektion mit SARS-CoV-2 ist offenbar deutlich höher als bei einer Impfung mit einem mRNA-Impfstoff zum Schutz vor einer Corona-Infektion.

 

Eine Myokarditis ist oft schwer zu diagnostizieren – aber gut zu behandeln

Betroffene haben es insofern schwer, als die typischen Symptome einer Myokarditis, also Atemnot, Herzschmerzen, Herzrasen oder Rhythmusstörungen, Müdigkeit und Schwäche, häufig im akuten und allgemeinen Infektionsgeschehen untergehen. Sie werden schlicht nicht bemerkt oder in den richtigen Zusammenhang gebracht. Doch auch Mediziner haben es nicht leicht: Vor allem milde Verlaufsformen sind längst nicht immer offensichtlich und schnell diagnostiziert. Glücklicherweise stehen der modernen Medizin dennoch genügend Diagnosemöglichkeiten zur Verfügung, um eine Myokarditis zu verifizieren und auch zu behandeln. Und die Prognose ist gut: Etwa 70 % aller Betroffenen überstehen eine Myokarditis ohne bleibende Schäden – zumindest wenn nicht schon zuvor eine ausgeprägte Herzschwäche vorlag.

 

 

 

 

 

 

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