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Wie Ohren und Augen gekoppelt sind

Wie oft hören wir im Alltag ein Geräusch, das wir erst zuordnen können, wenn wir auch seine Quelle identifiziert haben. Und nicht nur bei der Art des Geräusches spielt die Verknüpfung zwischen Gehörtem und Gesehenem eine Rolle. Auch den Inhalten von Gesprächen können wir besser folgen, wenn wir unser Gegenüber vor Augen haben.

 

Sowohl all das, was wir sehen, als auch die Geräusche, die wir hören, verursachen Aktivität in unserem Gehirn. Aber nicht nur das! In unseren grauen Zellen, genauer gesagt im oberen temporalen Sulcus (Sulcus temporalis superior), werden visuelle und auditive Informationen sogar miteinander verknüpft. Wahrscheinlich das beste Beispiel: unsere Fähigkeit, Gesprochenes von den Lippen abzulesen.

 

Schauen Sie den Leuten aufs Maul!

Sprache ist zwar primär ein akustisches Medium, aber in Schrift und eben auch in den Mundbewegungen und der Mimik „lesbar“. Das genaue Beobachten der Lippen ist vor allem für schwerhörige und taube Menschen wichtig, um Inhalte zu verstehen und wenn nötig sogar zu „rekonstruieren“. Eine Fähigkeit, die in Zeiten der Maskenpflicht leider oft ungenutzt bleiben musste.

 

Kombinierte Sinne verbessern Verständnis

Wenn unser Gehirn nun die Möglichkeit hat, Informationen aus verschiedenen Sinnesquellen zu verbinden, verbessert sich auch unser Verständnis des Gesagten – und sogar des vielleicht unterschwellig Gemeinten. Passt dagegen das Gesagte nicht zu den beobachteten Lippenbewegungen, zum Beispiel bei einer leichten Verzögerung des Fernsehsignals, nimmt unser Gehirn dies als eine Art „Fehler“ wahr und versucht, diesen zu beheben. Klafft die „Ton-Bild-Schere“ nicht zu weit auseinander, können wir die beobachtete Diskrepanz vielleicht ignorieren.

 

Doch nicht bloß alles eine Kopfsache?

Die Verknüpfung von Augen und Ohren basiert aber nicht nur auf einer kognitiven, also im Gehirn beheimateten Fähigkeit zur Kombination. Augen und Ohren arbeiten auch auf physischer Ebene Hand in Hand. Das konnten kürzlich Forscher der US-amerikanischen Duke University beweisen, die der Frage nachgingen, ob der Fokus unserer Augen auch der Fokus unserer Ohren werden kann. Nun sind unsere Ohren ja von Natur aus meist so geformt, dass unsere Ohrmuschel den von vorne auftreffenden Schall über die Ohrmuschel ins Innere des Ohrs leitet. Die Forscher der Duke University fanden aber noch zwei weitere Möglichkeiten, wie wir unser Hören fokussieren.

 

Zielgerichtetes Hören?

Zunächst einmal sind da die Sinneshaare in der Hörschnecke, auch Cochlea genannt. Diese Härchen richten wir unbewusst so aus, dass Schall von Orten, die wir mit unseren Augen fokussieren, besser wahrgenommen wird als der Umgebungsschall. Außerdem können wir mithilfe der winzigen Knochen in unserem Innenohr auch unser Trommelfell in beschränktem Maße „ausrichten“, in etwa so wie eine Satellitenschüssel an der Hauswand.

Die Forscher vermuten nun, dass es eine neurologische Verbindung zwischen Augen und Ohren gibt, um die Sinneswahrnehmung zu intensivieren – und Gefahren schneller erkennen zu können. Denn das war wohl der Grund, warum uns die Evolution ursprünglich mit dieser Fähigkeit gesegnet hat.

 

 

 

 

 

 

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