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Kinder brauchen auch mal Frust!

Ermutigung und Lob wirken sich in der Erziehung positiver aus als Einschüchterung und Kritik, das hat sich zum Glück längst herumgesprochen. Das heißt aber nicht, dass Eltern alles, was für den Nachwuchs zum Problem werden könnte, aus dem Weg räumen sollten.

 

Der Begriff Helikopter-Eltern ist vielen Menschen bereits bekannt: Er bezeichnet überfürsorgliche Eltern, die einem Helikopter gleich immer über ihrem Nachwuchs schweben, um alles unter Beobachtung – oder sagen wir gleich: Kontrolle – zu haben. Die Bezeichnung Rasenmäher-Eltern ist dagegen (noch) weniger bekannt. Die so bezeichneten Mamas und Papas gehen noch einen Schritt weiter als ihre Vorgänger mit dem Helikopter: Sie machen ihren Kindern buchstäblich den Weg frei, indem sie ihnen jedes vermeintliche Hindernis aus dem Weg räumen.

 

Was erst mal ganz nett und harmlos klingt, weil das Leben für die lieben Kleinen schließlich noch schwer genug wird, ist es aber im Endeffekt überhaupt nicht, erläutert Franziska Kath, Psychologin bei der DAK-Gesundheit. „Kinder lernen auch und gerade aus Misserfolgen und Konflikten.“ Zum Beispiel daraus, dass auch mal zwei Sandkastenbäcker dieselbe Schaufel haben möchten, dass ein Meerschweinchen nicht gestreichelt werden will oder soll, oder dass es weh tut, wenn man von der ersten Sprosse der Rutschbahn purzelt. „Wenn wir die Kleinen vor diesen wichtigen Erfahrungen abschirmen, fehlt ihnen später die Fähigkeit, selbst Lösungen zu finden oder angemessen mit dem eigenen Scheitern umzugehen.“ Wer als Kind nie stolpere, weil die Eltern alle potenziellen Hindernisse entfernen, werde sich als Erwachsener schwerer mit dem Aufstehen tun, wenn er hingefallen ist.

 

Dabei lassen sich gesunde Bewältigungsmechanismen für Konflikte und Misserfolge am besten im Kindesalter ein-üben. Ungesunde Bewältigungsmechanismen – wie beispielsweise Sucht und ständige Schuldzuweisungen an die Umwelt – zeugten dagegen oft von fehlenden Möglichkeiten im Kindesalter, Probleme selbstständig zu lösen und eigenverantwortlich Entscheidungen zu treffen.

 

Spätestens in der Schule, wo keine Eltern in Reichweite sind, kann das zur Belastungsprobe werden. Dort müssen Kinder fähig sein, ihre Impulse und Emotionen gerade in stressigen Situationen zu kontrollieren. Sonst stören sie mit höherer Wahrscheinlichkeit den Unterricht, finden schwieriger Freunde und entwickeln eine stark ausgeprägte Angst vor dem Scheitern. Zu diesem Ergebnis kamen universitäre Langzeitstudien über die Auswirkungen eines überfürsorglichen Erziehungsstils. So belegt eine Studie der Universitäten in Minnesota, North Carolina und Zürich, dass Kinder mit überfürsorglichen Eltern Schwierigkeiten haben, ihre Emotionen zu kontrollieren – was dazu führt, dass sie oftmals Probleme haben, in der Gesellschaft zurechtzukommen.

 

 

Fünf Tipps für mehr Freiraum:

  1. Lassen Sie Ihre Kinder Fehler machen – dadurch lernen sie fürs Leben.
  2. Spielen Sie bei Streitigkeiten zwischen Kindern nicht den Schiedsrichter. Die meisten Konflikte können Kinder untereinander lösen.
  3. Überlegen Sie hin und wieder selbstkritisch, ob Sie Ihrem Kind im Alltag genug Freiraum lassen.
  4. Signalisieren Sie Ihrem Kind, dass Sie ihm vertrauen.
  5. Übertragen Sie nicht Ihre eigenen Ängste vor Ausgrenzung und Scheitern auf Ihr Kind.

 

 

 

 

 

 

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