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5 Fragen zum Thema Wandern an Dr. Nicolas Gumpert:

Wie ihr Wanderurlaub erholsam und unfallfrei abläuft

 

Herr Dr. Gumpert, Wandern gilt als eine relativ schonende Art der Bewegung. Stimmt das oder kann man da auch eine Menge falsch machen?

Grundsätzlich gilt das Wandern als gelenkschonende Sportart, die wir Orthopäden gerne empfehlen. Natürlich muss man aber auch beim Wandern immer auf die individuelle Konstitution der oder des Betroffenen schauen. Insbesondere für das Herz-Kreislauf-System ist Wandern im Regelfall sehr empfehlenswert, weil wir zumindest bei normalen Wanderstrecken im Flachland oder im Mittelgebirge eine hohe Ausdauerbelastung ohne größere Belastungsspitzen erreichen. Allerdings gibt es auch eine Situation, die für fast alle Wanderer kritisch ist: nämlich die Belastung auf die Kniescheiben während des längeren Wanderns bergab. Hierbei werden relativ große Bremskräfte freigesetzt, wobei wir die Kniescheibe quasi als Bremsklotz nutzen.

 

Zählt die Verletzung der Kniescheibe dann auch zu den typischen Wanderverletzungen?

Treten beim Wandern bergab Schmerzen auf, dann handelt es sich in der Regel nicht um eine Verletzung, sondern um eine klassische Überlastung. Hält diese Überlastung über mehrere Stunden an, können die Schmerzen aber schließlich so stark werden, dass Betroffene die letzten hundert Meter den Berg hinab rückwärts gehen – was dann natürlich schnell weitere Schmerzen nach sich ziehen kann, Stichwort: Stolperfalle. Denn die meisten Verletzungen resultieren aus einem Stolpern oder Umknicken, insbesondere im Geröll oder auf abschüssigem, steinigem Gelände. Oft sind diese Verletzungen dann noch mit Verletzungen der Hand gepaart, mit der man sich abzufangen versucht hat, zum Beispiel einer Verstauchung oder einem Handgelenksbruch.

 

Welche Rolle spielt die richtige Ausrüstung für das Wandern?

Um jetzt einfach mal ein, zwei Stündchen im Taunus oder im Hunsrück Wandern zu gehen, benötigt man keine große Ausrüstung. Da sieht man dann auch schon mal Wanderer in Turnschuhen, ohne Stöcke, mit dem Rucksack vom Turnverein auf dem Rücken. Für das gelegentliche Wandern ist das auch okay. Wer das Wandern allerdings etwas ambitionierter betreiben möchte, sollte auch auf eine entsprechende Ausrüstung achten. Damit meine ich insbesondere knöchelhohe Wanderstiefel, die ein Umknicken verhindern, einen richtig eingestellten Rucksack mit guter Auflagefläche und die vor allem bei den Männern eher unbeliebten Wanderstöcke.

 

Das müssen Sie uns bitte erklären. Warum mögen Männer keine Wanderstöcke?

Ich vermute, die Männer verwechseln die Wanderstöcke mit Krückstöcken. Sie glauben, dass sie mit Wanderstöcken in den Händen weniger maskulin, mutig und stark aussehen. Deshalb verzichten sie darauf. Fakt ist aber, dass Wanderstöcke extrem nützlich sind. Sie führen nämlich zu einer Kraftumleitung vom Fuß auf die Arme und Schultern, wodurch die unteren Extremitäten entlastet werden. Vor allem beim Wandern bergab können solche Wanderstöcke, natürlich immer richtig eingestellt, eine schmerzhafte Überlastung oder Unfälle verhindern.

 

Was würden Sie jemandem empfehlen, der das Wandern neuerdings als seine oder ihre Sportart entdeckt hat?

Ganz allgemein gesagt, sollte man sich langsam an das Wandern herantasten. Wer von Montagmorgen bis Freitagabend im Büro sitzt, und dann am Wochenende 20 oder 25 Kilometer läuft, der tut seinem Körper nichts Gutes. Kritisch wird es vor allem bei Personen, die von vornherein Fuß-, Knie- oder Hüftbeschwerden haben.

Hier sollte zunächst ein spezielles Stabilisationstraining absolviert werden, um die protektiven Muskelgruppen zu stärken. Vor allem leichte Beschwerden lassen sich oft schon mit einem solchen Aufbautraining in den Griff bekommen. Die richtigen Übungen hierfür kann einem ein Sportorthopäde oder auch ein Physiotherapeut zeigen. Dann kommt der Wandersmann, oder die Wandersfrau, auch wieder sicher zu Hause an.

 

Autor:
Dr. Nicolas Gumpert
Kaiserstraße 14
60311 Frankfurt am Main

Tel.: 069 24753120

 

 

 

 

 

 

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