©Arcady_AdobeStock

 

Herzoperationen in Zeiten der Corona-Pandemie

Herr Dr. Hoffmann, kann sich eine Corona-Infektion dauerhaft oder auch zeitlich begrenzt auf die Herzgesundheit auswirken?

Während der letzten Jahre ist die Literatur bezüglich der Auswirkungen einer Corona-Erkrankung auf andere Organsysteme ja deutlich erweitert worden. Demnach gibt es tatsächlich Fälle, bei denen sich eine Corona-Infektion wohl auch in einer verminderten Herzgesundheit niedergeschlagen hat. Glücklicherweise betrifft diese Korrelation uns in der Herzchirurgie aber weniger. Kardiologen haben mit diesem Umstand mehr zu kämpfen. Allerdings ist eine Corona-Infektion aufgrund der Patientengruppe, die wir vornehmlich betreuen, also über 70-Jährige, die eine Bypass- oder Herzklappen-OP benötigen, trotzdem immer ein zusätzlicher Risikofaktor, den es mithilfe größter Sorgfalt zu vermeiden gilt.

 

Welche Vorsichtsmaßnahmen müssen Patienten treffen, bei denen eine Herz-OP ansteht, damit ihnen eine Corona-Erkrankung keinen Strich durch die Rechnung macht?

Patienten während der Phase der OP-Vorbereitung halten wir dazu an, sehr genau darauf zu achten, jegliche Infektionsgefahren zu meiden. Das bedeutet auch, dass sie Abstände einhalten, einen Mund-Nasen-Schutz tragen und möglichst vollständig geimpft sind. Außerdem sollten größere Menschenansammlungen gemieden und auch der direkte Kontakt zwischen den Generationen, beispielsweise zwischen den Großeltern und den Enkelkindern, möglichst ohne jegliche körperliche Nähe vonstattengehen. Denn vor allem in den Schulen und in den Kindertagesstätten ist das Infektionsgeschehen derzeit ja noch sehr präsent. Für solche Maßnahmen sind natürlich auch das Verständnis und die Mitarbeit der Angehörigen von großer Bedeutung!

 

Was bedeutet Ihrer umfangreichen Erfahrung nach eine Corona-Infektion für eine anstehende Operation am Herzen?

Ganz generell geht es darum, die Gefahren und Problematiken einer Corona-Infektion nicht mit den ebenfalls sehr belastenden Auswirkungen einer Herz-OP zu vermischen. Zudem müssen wir natürlich auch die Ärzte, Pflegekräfte und Mitpatienten vor einer möglichen Infektion schützen. Deshalb nutzen wir PCR-Tests, um den Corona-Status jedes Patienten zweifelsfrei zu bestimmen. Wird ein Patient dabei positiv getestet und sind die kardialen Beschwerden nicht akut lebensbedrohlich, wird der Patient in die häusliche Quarantäne geschickt, um sich dort auszukurieren. Wir sitzen die Infektion also erst einmal aus. Sind die Beschwerden hingegen so ernst, dass der Patient unter Beobachtung bleiben muss, kann er auf der Isolationsstation betreut werden, um schnellstmöglich auf eine mögliche Verschlechterung seiner Verfassung reagieren zu können. Die eigentliche Operation wird in diesen Fällen nach Möglichkeit aufgeschoben.

 

Aber manchmal kann eine OP doch gar nicht verschoben werden, oder?

Das ist korrekt. Bei manchen besonders schweren Herzerkrankungen darf Covid einfach keine Rolle spielen, weil es hierbei ganz akut um das Leben des oder der Patientin geht. Und dann operieren wir auch – natürlich mit umfassenden Schutzmaßnahmen für alle Beteiligten. Generell ist es derzeit einfach etwas schwieriger, aber auch umso wichtiger, den günstigsten Zeitpunkt für eine OP abzupassen – und bis dahin die Bedingungen zu schaffen und zu bewahren, um die OP unter bestmöglichen Voraussetzungen durchführen zu können und die Rekonvaleszenz nicht zu gefährden.

 

 

Prof. Dr. med. Rainer G. Leyh

Klinikdirektor der Herz-Thorax-Chirurgie am Universitätsklinikum Würzburg und geschäftsführender Vorstand des Deutschen Zentrums  für Herzinsuffizienz (DZHI)

 

 

Dr. med. Jörg Hoffmann

Oberarzt, leitender Konsiliararzt und Facharzt für Herzchirurgie der Klinik und Poliklinik für Thorax-, Herz- und Thorakale Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Würzburg

 

 

 

 

 

 

Startseite