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6 Fragen zum Thema Osteoporose an Dr. Nicolas Gumpert:

Wie die Stabilität der Knochen erhalten und gestärkt werden kann

Herr Dr. Gumpert, können Sie kurz erklären, was man unter Osteoporose versteht?

Da fange ich am besten erst einmal mit unseren Knochen an. Deren Struktur kann man sich wie Bienenwaben vorstellen, also quasi kleine Kammern, die von dünnen Knochenwänden begrenzt werden. Der Hauptbestandteil unserer Knochen ist eine komplexe Kalziumstruktur, das sogenannte Hydroxylapatit. Bei einer Osteoporose handelt es sich nun um eine messbare Minderung der Knochendichte (siehe Abbildung), typischerweise aufgrund eines Kalziummangels.

 

Warum ist eine Minderung der Knochendichte denn problematisch?

Ganz einfach: Weil mit einer Abnahme der Knochendichte letztlich Probleme wie Knochenfrakturen, Deformationen oder auch Haltungsschäden einhergehen. Allerdings spüren wir eine Osteoporose zunächst einmal nicht, weil sie erst im späteren Verlauf Beschwerden verursacht. Oder sie trifft uns völlig unerwartet, wenn ein Knochen zum Beispiel schon bei mäßiger Belastung plötzlich bricht.

Deshalb empfehlen wir auch gemäß den Leitlinien zur Osteoporose-Prävention jeder Frau ab 50 und jedem Mann ab dem 60. Lebensjahr eine einmalige Messung der Knochendichte, um herauszufinden, ob man zur Risikogruppe gehört oder nicht.

 

Warum ist die Altersschwelle bei Männern und Frauen so unterschiedlich?

Generell muss man sagen, dass Frauen einfach deutlich häufiger von einer Osteoporose betroffen sind als Männer. Das liegt vor allem am weiblichen Geschlechtshormon Östrogen. Dieses Hormon regt die Bildung neuer Knochenmasse an, versiegt im Laufe der Wechseljahre aber zusehends.

Vereinfacht könnte man sagen: Sinkt der Östrogenspiegel, werden auch die Knochen nicht mehr so gut gewartet. Zudem setzen die Wechseljahre bei Frauen deutlich abrupter ein als bei Männern, weshalb die Probleme auch unvermittelter auftreten. Bei Männern geht der Hormonspiegel dagegen eher in einen allmählichen Sinkflug über, weshalb auch die Beschwerden länger auf sich warten lassen.

 

Das klingt jetzt fast so, als wäre eine Osteoporose unausweichlich …

Nein, das stimmt glücklicherweise nicht. Zwar spielt die genetische Veranlagung eine sehr wichtige Rolle. So müssen Personen, von denen ein Elternteil oder auch beide an Osteoporose leiden oder litten, auch selbst damit rechnen, eine entsprechende Problematik zu entwickeln. Selbst das ist aber nicht in Stein gemeißelt.

Zudem kann man eine Osteoporose mithilfe von Vitamin-Supplementierung oder auch knochenstärkenden Präparaten gut behandeln, solange sie nicht zu weit fortgeschritten ist.

 

Kann ich einer Osteoporose vorbeugen, indem ich Übergewicht und andere typische Risikofaktoren für die Gesundheit vermeide?

Das können Sie tatsächlich! Allerdings muss man beim Thema Übergewicht etwas um die Ecke denken. So haben übergewichtige Menschen den Vorteil, dass sie in ihrem Fettgewebe weitaus mehr Vitamin D eingelagert haben als Normal- oder sogar Untergewichtige, die wiederum häufiger an einem Vitamin-D-Mangel leiden.

Und Vitamin D ist neben Kalzium nun einmal einer der wichtigsten chemischen Stoffe für unseren Knochenstoffwechsel. Die Situation ist hier also etwas kompliziert: Je mehr Belastung, desto schlechter für den Knochen. Aber je mehr Fettgewebe, desto seltener tritt ein Vitamin-D-Mangel auf.

 

Das bedeutet aber nicht, dass ich mir jetzt im Sinne der Osteoporose-Prävention Fettreserven anfuttern sollte, oder?

Nein, bitte nicht! Eigentlich ist sogar das genaue Gegenteil empfehlenswert: Achten Sie auf ausreichende, aber schonende Bewegung. Denn durch mäßige Belastung werden Knochenstruktur und Knochenstoffwechsel stimuliert. An der frischen Luft können Sie außerdem auch gleich Ihre Vitamin-D-Speicher auffüllen. Und ernähren Sie sich gesund. Vor allem Milch und Milchprodukte sind hervorragende Kalziumlieferanten – natürlich immer vorausgesetzt, dass Sie Laktose vertragen!

 

Autor:
Dr. Nicolas Gumpert
Kaiserstraße 14
60311 Frankfurt am Main

Tel.: 069 24753120

 

 

 

 

 

 

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