©Scie-Pro_AdobeStock

 

4 Fragen zum Thema Wirbelsäule an Dr. Nicolas Gumpert:

Rückgrat zeigen, aber flexibel bleiben!

Herr Dr. Gumpert, ist die Wirbelsäule der längste Knochen im menschlichen Körper? Immerhin geht sie ja einmal den Rücken rauf und runter?

Nein, nicht ganz. Die Wirbelsäule ist nämlich kein durchgängiger Knochen. Sie besteht aus 23 verschiedenen Wirbelkörpern und dazwischen liegenden Bandscheiben. Die Halswirbelsäule hat bei allen Säugetieren sieben Halswirbel, ob das nun eine Giraffe oder eine Maus ist. Dann haben wir noch weitere 12 Brustwirbel und fünf Lendenwirbel.

 

Danach kommt noch das sogenannte Kreuzbein, mehrere Wirbel, die zu einem einzigen Wirbel zusammenwachsen. Das Zusammenspiel dieser einzelnen Elemente ermöglicht schließlich die hohe Flexibilität der Wirbelsäule.

 

Gibt es im Körper denn noch eine vergleichbare Struktur? Oder steht die Wirbelsäule da für sich?

Die Struktur der Wirbelsäule ist tatsächlich einzigartig. Das liegt auch an der Vielzahl von Aufgaben, die sie erfüllen muss. Die Wirbelsäule ist zentral für unsere Statik, muss aber dennoch hoch beweglich sein und zusätzlich die Funktion eines Stoßdämpfers erfüllen. Und sie muss trotz dieser Belastungen möglichst noch hundert Jahre halten. Aber da liegt dann auch das Problem. Mit zunehmendem Alter erleben wir mehr Verschleiß, wodurch die Leistungsfähigkeit der Wirbelsäule allmählich nachlässt und sich schließlich Beschwerden einstellen.

 

In Gesprächen scheint es manchmal so, als würde die Wirbelsäule im Vergleich mit anderen Knochen viel häufiger Probleme machen. Ist das wirklich so?

Das kann man sogar ganz klar statistisch nachweisen: Der häufigste Grund für eine Krankschreibung in Deutschland sind Probleme mit den Bandscheiben der Lendenwirbelsäule. 85 Prozent aller Beschwerden haben dort ihren Ursprung, weil dieser Teil die größten Lasten trägt. An zweiter Stelle steht die Halswirbelsäule, die über eine besonders große Rotationsfähigkeit verfügen muss, aber häufig von Verspannungen geplagt wird. Die Brustwirbelsäule macht von allen Bereichen dagegen die wenigsten Probleme. Da liegt der Anteil bloß bei etwa 1%.

 

 

Kann man Wirbelsäulenbeschwerden dann einfach mit dem richtigen Maß an Bewegung vorbeugen?

Ja, wobei es darauf ankommt, frühzeitig mit dem Rückentraining zu beginnen. Wenn man wartet, bis man selbst und eben auch die Wirbelsäule schon in die Jahre gekommen ist, kann es beschwerlich werden. Also lieber früh etwas machen, als schließlich gezwungen zu sein, spät etwas machen zu müssen. Im Grunde gilt für die Wirbelsäule der alte Spruch: Wer rastet, der rostet.

 

Deshalb treibt man am besten regelmäßig leichten Sport, in den nächsten Monaten dann natürlich an der frischen Luft. Gern sieht der Orthopäde es auch immer, wenn die Patienten schwimmen. Denn so wird die Wirbelsäule bewegt, während der Auftrieb des Wassers die Belastung reduziert. Am Ende sollte aber der Spaßfaktor entscheidend sein.

 

Wer gerne fotografiert, kann auch jeden Tag eine Stunde auf Fotosafari gehen und zu Fuß oder mit dem Fahrrad etwas Strecke machen. Ein Hund ist auch immer toll, weil man mit dem definitiv mehrmals am Tag raus muss. Allerdings sollte das natürlich nicht der primäre Grund sein, sich einen Hund zuzulegen!

 

Autor:
Dr. Nicolas Gumpert
Kaiserstraße 14
60311 Frankfurt am Main

Tel.: 069 24753120

 

 

 

 

 

 

Startseite