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Haut an Haut, ja bitte!

Klar, alle Kinder brauchen Berührung und Geborgenheit. Am wichtigsten sind sie aber für Frühchen. Die entwickeln sich umso besser, je inniger sie mit Mama oder Papa kuscheln können.

 

Rund 9% aller Kinder kommen in Deutschland nach Informationen des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte zu früh auf die Welt, Tendenz steigend. Ärzte sprechen von einer Frühgeburt, wenn das Baby zwischen der 24. und 37. Schwangerschaftswoche geboren wird und das Geburtsgewicht unter 2.500 g liegt. Frühchen können meist nur bedingt oder gar nicht selbst atmen, trinken oder ihre Körpertemperatur aufrechterhalten. Deshalb dienen Brutkästen (medizinisch: Inkubatoren) dazu, die Körpertemperatur der Kleinen zu stabilisieren und sie mit warmer, feuchter Luft zu versorgen. Wenn nötig, bekommt es über den Inkubator auch zusätzlich Sauerstoff zugeführt oder Infusionen gelegt. Dank der modernen Neugeborenen-Intensivmedizin sind die Überlebenschancen von Frühgeborenen immer besser geworden.

 

Auch wenn das Baby im Brutkasten liegt, können und sollten Mama und Papa so viel direkten Körperkontakt wie möglich zu ihm aufnehmen, raten Kinderärzte und Neonatologen. Denn Studien belegen, dass sich Frühgeborene besser entwickeln, schneller wachsen und weniger Hirnschäden erleiden, wenn sie von Anfang an viel Wärme und Zuwendung bekommen. Auch kräftigen sich dann Herz und Lunge rascher und die Kleinen können früher aus der Klinik entlassen werden.

 

Wie ein Känguru im Beutel …

Eine bewährte Methode für engen Körperkontakt ist das sogenannte „Känguruhen“. Der Name geht ganz bewusst auf das Känguru zurück, das sein Junges im Beutel am Bauch trägt. Das Frühgeborene wird beim Känguruhen für ein oder sogar mehrere Stunden nackt auf den entblößten Oberkörper eines Elternteils gelegt und dort gut zugedeckt. Die Körperwärme und die Geborgenheit spenden ihm neue Lebensenergie.

Für Eine Studie der Bar-Ilan-Universität bei Tel Aviv an 146 Müttern und ihren Babys auf der Frühgeborenenstation zeigte erstmals 2014 die positive Wirkung dieses frühen intensiven Körperkontakts. Die israelischen Wissenschaftler baten die Hälfte der Mütter, zwei Wochen lang für eine Stunde täglich mit ihrem Baby engen Körperkontakt zu haben. Parallel dazu beobachteten sie die andere Hälfte der frühgeborenen Babys, die die Standard-Behandlung im Brutkasten erhielten.

 

Bei beiden Gruppen erfassten die Forscher im Verlauf von zehn Jahren sieben Mal den Entwicklungsstand. Schon im ersten halben Jahr stellte das Team um Prof. Dr. Ruth Feldman fest, dass Mütter der Kängurugruppe sensibler auf ihre Babys reagierten und die Babys selbst bei Tests bessere geistige und körperliche Fähigkeiten an den Tag legten als die Babys der anderen Gruppe. Selbst nach zehn Jahren noch zeichneten sich die Känguru-Kinder durch eine bessere Funktion des Nervensystems und gute geistige Kontrolle aus.

 

Durch das „Känguruhen“ wird zudem das „Bindungshormon“ Oxytocin ausgeschüttet, das den frischgebackenen Eltern hilft, eine Bindung zu ihrem Baby aufzubauen und außerdem bei Müttern die Milchproduktion anregt.

 

 

 

 

 

 

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