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Forschung aktuell:

Hören ist komplexer als bisher gedacht

Die Sprachverarbeitung im Gehirn ist kein serieller Vorgang, sondern ein zeitgleiches Zusammenspiel verschiedener Hirnregionen, wie Forscher der University of California jüngst bestätigten. Diese Erkenntnis deckt sich mit vorangegangenen Studien, nach denen Hören und Gedächtnisleistung unmittelbar zusammenhängen. Denn die Unterscheidung von Wichtigem und Unwichtigem in einer Geräuschkulisse aus Lärm, Musik und Sprache geschieht nicht allein im Ohr, sondern vor allem im Gehirn. Demnach bedeutet gutes Hören auch geistige Fitness.

 

Wissenschaftler gehen inzwischen davon aus, dass der Rückgang der kognitiven Fähigkeiten durch die rechtzeitige Versorgung mit Hörgeräten gemindert werden kann. Zwar ist noch unklar, wie Hörminderungen auf lange Sicht die Gehirnstrukturen und -funktionen beeinflussen. Bildgebende Verfahren zeigen aber in den entsprechenden Bereichen des Gehirns ausgeprägte Überlastungen, wenn Probanden sich auf Gehörtes konzentrieren, das durch Störgeräusche oder Hörminderungen beeinträchtigt ist. Die Betroffenen gehen dann dazu über, solche anstrengenden Hörsituationen zu meiden. Dadurch kommt es zu fortschreitender Unterforderung des Hörzentrums und einer Beschleunigung des Abbaus von Hirnstrukturen und -vernetzungen.

 

Gutes Hören fördert die geistige Fitness

Für die Hörgesundheit ist es deshalb wichtig, aktiv zu leben und akustischen Herausforderungen nicht aus dem Weg zu gehen. Denn wird das Gehör immer wieder mit neuen Höreindrücken konfrontiert, stellt es sich darauf ein und bleibt flexibel. Das geschieht bei allen Gesprächen und geselligen Unternehmungen in kleinen und großen Gruppen, sei es im Sportverein, mit Freunden oder mit der Familie, wie auch bei Konzerten, Theateraufführungen oder Vorträgen. Deshalb gilt: Wer sich

aktiv beteiligt und kommuniziert, hält sein Gehör im Training und kann auch sehr schnell selbst feststellen, wenn die Verständigung allmählich schlechter wird.

Die akustischen Anforderungen an das Gehör sorgen für den Erhalt der vernetzten Nervenbahnen im Hörzentrum des menschlichen Gehirns, wo das Gehörte entschlüsselt und verarbeitet wird. Je größer und vielfältiger die Bandbreite der akustischen Signale ist, desto leistungsfähiger bleiben die entsprechenden Vernetzungen im Gehirn. Umgekehrt gehen diese neuronalen Strukturen verloren, wenn wenige oder nur gleichförmige Signale aufgenommen werden. Werden unruhige Gesprächssituationen zunehmend als anstrengend empfunden, sollte man ihnen nicht aus dem Weg gehen, sondern auf jeden Fall Rat und Hörtest bei einem Hörakustiker in Betracht ziehen.

 

Der erste Schritt ist ein Hörtest

Immer mehr Menschen beginnen zwar, den Wert des guten Hörens für sich zu erkennen, die weitreichenden Auswirkungen bei der Prävention von Demenzerkrankungen und dem Erhalt der geistigen Fitness werden aber immer noch unterschätzt. Einen „Weckruf“ nannte deshalb der renommierte Hörforscher Frank Lin von der Johns Hopkins University in Baltimore die Studie aus dem Medizinjournal „The Lancet“, nach der Hörminderungen zu den häufigsten Risikofaktoren für alle Arten von Demenzerkrankungen zählen. Demnach tragen gutes Hören, Hörtests und die Versorgung mit Hörgräten neben Kommunikation, Teilhabe und Zusammenleben nachweislich dazu bei, auch im Alter geistig fit zu bleiben.

 

 

 

 

 

 

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