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Multiple Sklerose ist ein Chamäleon

Man nennt Multiple Sklerose (MS) auch die „Erkrankung der 1.000 Gesichter“. Denn ihre Symptome sind so verschiedenartig, dass es eine Weile dauern kann, bis sie erkannt wird.

 

Erste medizinische und pathologische Beschreibungen stammen aus dem 19. Jahrhundert. Doch obwohl seit dieser Zeit unglaubliche Fortschritte in Forschung, Diagnostik und Therapie zu verzeichnen sind und trotz unterschiedlichster Hypothesen, konnten die genauen Ursachen der MS bislang nicht geklärt werden. Fest steht, dass es sich bei Multipler Sklerose um eine chronisch-entzündliche neurologische Autoimmunerkrankung handelt. Eine Autoimmunerkrankung entsteht dann, wenn das Immunsystem, das normalerweise in der Lage ist, korrekt zwischen „selbst“ und „fremd“ zu unterscheiden, sich gegen körpereigene Strukturen wendet. Im Falle der MS greift es die isolierende Myelinschicht der Nervenzellen an.

 

Reizübertragung gestört

Nachrichten werden im Gehirn entweder chemisch oder elektrisch übermittelt. Entlang der faserartigen Nervenzellenfortsätze, der Axone, werden die Nachrichtenimpulse wie mit einem Kabel übertragen. Diese „Kabel“ sind mit einer Myelinschicht isoliert, die zwischendurch in Abständen kleine Lücken aufweist. Das ermöglicht eine „saltatorische Erregungsleitung“: Die Botschaft springt von Lücke zu Lücke, was die Nachrichtenübermittlung schneller und energiesparender macht. Bei MS wird diese isolierende Myelinschicht der Axone vom Immunsystem angegriffen und zerstört. Die Reizleitung von Lücke zu Lücke funktioniert nicht mehr richtig, die Nervenleitgeschwindigkeit wird langsamer oder funktioniert gar nicht mehr. Je nachdem, an welchen Nerven diese Demyelisierung stattfindet, kommt es zu den unterschiedlichsten Symptomen – der Grund für die 1.000 Gesichter der Erkrankung.

 

Unterschiedliche Verlaufsformen

Es gibt unterschiedliche Formen der Multiplen Sklerose. Bei der schubförmig-remittierenden Form wechseln sich Krankheitsschübe mit beschwerdefreien Phasen ab. Die Symptome bilden sich zwischen den Schüben teilweise oder ganz zurück. Bei der primär chronisch-progredienten Form schreitet die Erkrankung ohne Schübe zunehmend fort. Dazu gibt es den sekundär chronisch-progredienten Verlauf, der oft auf einen anfangs schubförmigen Verlauf folgt.

 

Die Diagnose kann dauern

Eine zentrale Methode sowohl für die Diagnose als auch für den Verlauf ist die Kernspintomografie (MRT) zur Untersuchung der Entzündungsherde im Gehirn. Für eine zuverlässige Diagnose werden Nervenwasseruntersuchungen (Lumbalpunktion) durchgeführt, aber auch neurophysiologische Untersuchungen können Hinweise geben. Eine MS-Diagnose wird dann gestellt, wenn eine Differenzialdiagnose alle anderen Erkrankungen ausschließt.

 

Therapie – so früh wie möglich

Da MS nicht heilbar ist, wird mit Basistherapien versucht, die das Immunsystem zu regulieren, um den Verlauf günstig zu beeinflussen. Lange mussten die Medikamente gespritzt werden, heute gibt es sie auch in Tablettenform. Bei akuten Schüben erhalten die Betroffenen entzündungshemmendes Kortison. Darüber hinaus können symptomatische Therapien dafür sorgen, dass Betroffene ihren Alltag so gut wie möglich meistern können.

 

 

 

 

 

 

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