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Sich blind auf seinen Hund verlassen

Sich im wahrsten Sinne blind auf die Unterstützung eines Haustieres zu verlassen zu müssen, ist für viele Menschen ohne oder mit stark eingeschränkter Sehfähigkeit Teil des permanent erlebten Alltags.

 

Doch was gehört eigentlich dazu, dass aus einem ganz normalen Hund ein Blindenführhund wird, der seinem Frauchen oder Herrchen ein großes Stück mehr Selbstständigkeit gestattet?

 

Zunächst einmal ist das auch bei Hunden eine Frage des Charakters. Infrage kommen Tiere, die friedlich, nervenstark sowie arbeitsbelastbar sind und zudem kein hohes Aggressionspotenzial besitzen. Zudem muss ein Blindenführhund auch eine gewisse Schulterhöhe haben, die zwischen 50 und 65 cm liegen sollte. Verfügt das Tier dann noch über eine ausgezeichnete Gesundheit seiner Gelenke und Augen, kann die Ausbildung nach intensiver Vorauswahl beginnen – und zwar noch im Welpenalter. Denn weil es viel zu lernen gibt, dauert sie recht lange.

 

76 Hörzeichen muss ein ausgebildeter Blindenhund beispielsweise beherrschen, damit er seinen menschlichen Besitzer sicher durch die Herausforderungen des Alltags führen kann. Er findet in Bussen und Bahnen freie Sitzplätze, auf den Straßen Zebrastreifen und im Haus Treppen oder Türen. Zusätzlich assistiert er dabei, Hindernisse wie Straßenschilder, parkende Autos oder auch Menschen zu umgehen, und bewahrt Blinde davor, in Pfützen oder Schlaglöcher zu geraten. Schließlich kann er Höhenhindernisse erkennen und auch diese entsprechend umgehen.

 

Anschaffungskosten können von Krankenkassen übernommen werden

Dementsprechend teuer sind fertig ausgebildete Blindenführhunde, die zwischen 20.000 und 30.000 Euro kosten können. Unter bestimmten Bedingungen werden diese aber von den Krankenkassen übernommen. So muss die Sehschärfe der Antragsteller unter 5 % liegen und sie müssen außer ihrer Sehbehinderung körperlich fit sein. Es muss ausreichend Wohnraum zur Verfügung stehen und ein eventueller Vermieter muss der Tierhaltung zustimmen. Doch selbst dann ist noch nicht alles geregelt. Denn zwischen Mensch und Tier muss natürlich auch der Umgang stimmen. Dafür gibt es entsprechende Einweisungslehrgänge, die mit einer Prüfung enden. Erfolgreiche Absolventen können sich dann über einen neuen Wegbegleiter freuen.

 

Blindenführhundausweis empfohlen

Versicherungen empfehlen zusätzlich, einen Blindenführhundausweis zum Beispiel über den Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV) zu beantragen. Dieser besitzt zwar keine Rechtsgültigkeit, kann aber sehr hilfreich sein, wenn der Zutritt von Hunden in Geschäften oder anderen öffentlichen Räumen normalerweise verboten ist. Zudem verbleibt die Verantwortung für das Handeln des Tieres auch bei blinden Besitzern stets beim menschlichen Teil des neuen Teams.

Auch deshalb sind die vorherige genaue Überprüfung des Hunde-Charakters, die Fitness der Besitzer sowie der Einführungslehrgang von so großer Bedeutung. Denn die Blinden müssen stets dazu in der Lage sein, ihre Blindenhunde zu kontrollieren, ihnen die richtigen Anweisungen zu geben und ihren Manövern korrekt zu folgen. Dies      gelingt in der Regel aber recht gut. Daher steht neuen  Dream-Teams für mehr Selbstständigkeit normalerweise auch wenig im Wege.

 

 

 

 

 

 

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