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3 Fragen zum Thema Rückengesundheit an Dr. Nicolas Gumpert:

Eher Alltags- als Altersbeschwerden!

Herr Dr. Gumpert, Rückenprobleme sind ja nicht gerade selten. Warum leiden so viele Menschen daran?

In Deutschland sind Rückenprobleme der häufigste Grund für eine Krankschreibung. Rund die Hälfte aller Patienten sucht ihren Orthopäden wegen solcher Beschwerden auf. Früher ging es dabei häufig um altersbedingte Abnutzungserscheinungen der Lendenwirbelsäule oder der Bandscheiben. Mittlerweile ist der Großteil meiner Patienten aber deutlich jünger.

Die Ursache für deren Probleme ist in fast allen Fällen das lange und konzentrierte Arbeiten am PC, eventuell auch im schlecht ausgestatteten Home Office, und die dadurch auftretende statische Belastung der Halswirbelsäule bzw. der rundherum liegenden Muskelpartien des Nackens und der Schultern.

Gerade während des Lockdowns hat sich diese Problematik noch einmal verschärft, weil die Heimarbeitsplätze aus orthopädischer Sicht meistens nur schlecht bis mittelmäßig eingerichtet sind.

 

Wie kann man solchen orthopädischen Problemen des Rückens vorbeugen?

Häufig schaffen schon kleine Lösungen eine erhebliche Verbesserung der Situation. Das kann beispielsweise das dicke Buch unterm Laptop sein, um den Neigungswinkel des Kopfes zu verbessern. Genauso kann auch eine extra Tastatur oder ein zusätzlicher Monitor helfen, die Haltung zu verbessern. Und mit einem Bügelbrett kann man, wenn denn unbedingt nötig, einen Stehschreibtisch improvisieren.

Ganz allgemein gibt es ein paar Grundregeln, die zwar sehr einfach sind, trotzdem aber überraschend häufig nicht befolgt werden. Sehr wichtig ist zum Beispiel der Bürostuhl, der über eine Luftdruckfederung und Armlehnen verfügen sollte. Letztere sollten auf dieselbe Höhe eingestellt sein wie die Tischplatte, meist also 72 Zentimeter. Die Tastatur sollte ungefähr 10 Zentimeter von der Tischkante entfernt und der Monitor so eingestellt sein, dass man ganz leicht nach unten guckend über die Oberkante des Monitors schauen kann. Das sind zwar bloß ganz grobe Richtlinien, aber wenn man den Arbeitsplatz so gestaltet, kann ein Großteil der Probleme schon vermieden bzw. behoben werden.

 

Welche Möglichkeiten der Therapie gibt es bei Rückenbeschwerden?

Bei degenerativen Erkrankungen älterer Patienten kommen häufig Physiotherapie, Osteopathie, Chirotherapie oder Akupunkturmaßnahmen zum Einsatz. Das Ziel dabei ist meist, eher die Symptome als die Ursachen zu behandeln, um damit die Lebensqualität zu verbessern.

Bei Problemen, die primär muskuläre Ursachen haben, steht die Lösung der Verspannungen im Vordergrund. Hierzu können wir zunächst oral oder lokal per Injektion Entzündungshemmer verabreichen. Die anschließende Therapie kann man dann in drei Phasen einteilen: In der ersten Phase arbeiten wir mit passiven Komponenten, wie Massagen oder auch einer Wärmetherapie, um die Muskelspannung abzubauen.

Dann gibt es den halbaktiven Anteil, beispielsweise progressive Muskelentspannung, fasziales Ausrollen und Dehnungsübungen. Und zuletzt gibt es noch die aktive Komponente, die erst bei einer Besserung der akuten Problematik Anwendung findet. Dabei handelt es sich meist um den gezielten Muskelaufbau. Diese Trainingstherapie ist vor allem bei jungen Patienten erfolgreich, die häufig nur ein paar Tipps und etwas Anleitung benötigen, um sich anschließend selbst zu helfen.

 

 

 

Autor:
Dr. Nicolas Gumpert
Kaiserstraße 14
60311 Frankfurt am Main

Tel.: 069 24753120

 

 

 

 

 

 

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