©peterschreiber-media_AdobeStock

 

Viel mehr als Schein: Placebo-Effekt als Therapieansatz

Placebo-Effekte werden als positive körperliche und seelische Veränderungen nach der Einnahme von Medikamenten ohne spezifischen Wirkstoff oder nach Schein-Eingriffen definiert. Es geht dabei insbesondere um die positive Erwartung auf eine Verbesserung der Befindlichkeit nach der Behandlung, d.h. um die Erwartung, dass die Therapie helfen wird.

 

Zunehmend zeigt sich, dass der Placebo-Effekt maßgeblich zur Wirksamkeit von medizinischen Behandlungen beitragen und Verträglichkeit und das Einhalten anderer Therapiemaßnahmen optimieren kann. Daher wird der gezielte Einsatz von Placebo im klinischen Alltag immer häufiger diskutiert und nicht mehr als „Hokuspokus“ betrachtet – ganz im Gegenteil.

 

Placebo kommt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt „Ich werde gefallen“. Man unterscheidet Placebo-Medikamente und Placebo-Prozeduren. Placebo-Medikamente gibt es ebenso wie „normale“ Medikamente u.a. als Lösung, Sirup, Pulver, Kapsel, Tablette, Zäpfchen oder Spray. Beispiele für Placebo-Prozeduren sind Schein-Operationen oder Schein-Akupunktur. Der Placebo-Effekt ist also nicht nur auf den Einsatz von Medikamenten beschränkt, sondern kann auch das Ergebnis von Operationen günstig beeinflussen.

 

Mehr als eine „Zuckerpille“

Ein Placebo ist z.B. eine Zuckerpille oder Salzlösung und somit ohne aktiven pharmakologischen Wirkstoff. Damit kann im Grunde kein Leiden gelindert werden – dennoch wirkt Placebo: So reduziert ein Placebo-Medikament tatsächlich Schmerzen, was auf die Wirkungserwartung zurückgeführt wird. Als hilfreich für den Placebo-Effekt haben sich positive – aber dennoch realistische – Formulierungen durch den Arzt erwiesen, wie: „Ich wähle dieses Medikament für Sie aus, da ich damit gute Erfahrungen gemacht habe und dieses von der Mehrzahl der Patienten gut vertragen wird.“

 

Placebo-Effekt ist keine Einbildung

Grundsätzlich kann der Placebo-Effekt bei nahezu jeder Behandlung auftreten. Bekannt ist die Wirksamkeit von Placebo vor allem bei Schmerzen, Depressionen oder Angststörungen. So zeigt die angstlösende Wirkung eines Placebos eine ähnliche Veränderung im Gehirn wie die Gabe des bekannten Beruhigungsmittels Valium; darüber hinaus steigert die positive Therapieerwartung den angstlösenden Effekt noch zusätzlich.

Der Placebo-Effekt ist nicht nur eine rein subjektive Wahrnehmung und auch keine Einbildung, sondern bei verschiedenen Erkrankungen ein Ereignis im Gehirn, das über die Freisetzung verschiedener Botenstoffe in bestimmten Hirnregionen im ganzen Körper eine Wirkung auslösen und in Kernspintomografie-Bildern sogar sichtbar gemacht werden kann.

 

Neue Wege zur Behandlungsoptimierung mit Placebo

Die neueren Erkenntnisse zum besonderen Nutzen von Placebo-Behandlungen könnten künftig eine größere Bedeutung für medizinische Behandlungen haben, da es sich gezeigt hat, dass Erwartungseffekte erfolgreich als unterstützende Methode zur pharmakologischen Behandlung im klinischen Alltag eingesetzt werden können. Ziel ist die Reduktion der Medikamentendosen, der unerwünschten Nebenwirkungen und der Behandlungskosten. Gleichzeitig soll die Wirksamkeit der Therapie damit optimiert werden. Somit kann der Placebo-Effekt den Gesamterfolg einer Therapie maßgeblich beeinflussen.

 

 

 

 

 

 

Startseite