©yoshi5_AdobeStock

 

Kleine Wunde, großer Schreck

Wenn Kinder sich verletzen, heißt es immer genau hinsehen. Denn die Kleinen können nicht einschätzen, wie ernst eine Verletzung ist. Oft ist aber der Schreck größer als der Schmerz.

 

„Bei kleineren Verletzungen ist meist kein Arztbesuch notwendig“, sagt Dr. Marco Thiele, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in der Helios Klinik Jerichower Land.  „Eltern sollten vor allem ruhig bleiben, damit die Kinder nicht in Panik verfallen und die Angst die Schmerzreaktion steigert.“ Vor allem Schürf- und Schnittwunden verheilen meist schnell und ohne Narben. Trotzdem sollten Eltern darauf achten, dass die Wunden sauber verheilen, um Entzündungen zu vermeiden. Dazu sollten sie die Wunde nicht berühren und möglichst auch nicht auswaschen.

 

Ausnahme: Bei Schürfwunden, die keiner ärztlichen Versorgung bedürfen, aber etwa durch einen Sturz mit Sand, Erde oder Kies verunreinigt sind, kann der Schmutz unter fließendem Wasser abgespült werden. Kleinere Wunden sollten desinfiziert und anschließend mit einer Wundsalbe eingecremt und mit einem Pflaster oder Wundschnellverband keimfrei abgedeckt werden. Auch wenn hier viele Meinungen auseinander gehen, sollten Wunden mit einem Pflaster abgeklebt werden, erklärt Dr. Thiele. „Nur solange eine Wunde leicht feucht gehalten wird, heilt sie schnell. Die körpereigenen Enzyme und Wachstumsfaktoren sind im feuchten Milieu viel aktiver, und auch die Zahl der Entzündungszellen in der Wunde geht schneller zurück, wenn sie nicht der Luft ausgesetzt sind.“

 

Größere Wunden, die ärztlich versorgt werden müssen, sollten nicht desinfiziert werden. Lässt sich die Blutung nicht stillen, gilt es auf jeden Fall den (Not)Arzt zu kontaktieren.  Als Erstmaßnahme hilft ein blutstillender Druckverband. Die Wunde darf aber nicht so stark abgebunden werden, dass die Gliedmaßen blau anlaufen. Auch sehr große Wunden oder solche, die tiefer als einen halben Zentimeter sind, sollten vom Arzt begutachtet werden. Insbesondere bei tieferen Stichwunden sollte einen eventuellen Fremdkörper nur der Arzt herausziehen, denn es besteht die Gefahr, dass sich die Blutung durch das Herausziehen verstärkt. Splitter dagegen können entfernt werden. Bei allen Wunden sollten Eltern bedenken, dass ein vollständiger Tetanusschutz vorliegen muss.  Ohne Tetanusimpfung sollte das Kind in jedem Fall einem Arzt vorgestellt werden.

 

Auch in folgenden Fällen sollte die Wunde ärztlich versorgt werden: wenn ein Gelenk betroffen ist (Gefahr der Gelenkentzündung), Wunden an Handrücken und Fußrücken (Gefahr von Sehnenverletzungen), Bisswunden (hohe Infektionsgefahr), Augenverletzungen und Verletzungen an den Genitalien.

 

Und wenn’s sticht?

„Gefährlich sind Bienen- und Wespenstiche meist nur im Mund- und Rachenraum oder für Allergiker“, sagt DRK-Bundesarzt Prof. Peter Sefrin. „Dann aber ist schnelle Hilfe gefragt.“ Denn dann können Schleimhäute und Zunge anschwellen und die Atemwege verengen. Hier gilt es, sofort unter 112 den Rettungsdienst zu rufen, Betroffene wenn möglich Eiswürfel oder Speiseeis lutschen zu lassen und deren Hals auch von außen mit kalten Umschlägen oder Kühlpads abzukühlen, um der Schwellung entgegenzuwirken.

Auch ein allergischer Schock – erkennbar an starken Hautschwellungen, Zungenbrennen, Juckreiz, Atemnot, Schwindel, Herzrasen, Erbrechen oder gar Bewusstlosigkeit – ist ein Fall für den Notruf. Meist aber genügt es, den Stachel zu entfernen, die Einstichstelle mit Desinfektionsspray, Speichel, Zitronensaft oder gepresster Zwiebel zu desinfizieren und zu kühlen.

 

 

 

 

 

 

Startseite