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5 Fragen zum Thema Orthopädische Hilfssysteme an Dr. Nicolas Gumpert:

Immer hilfreich, aber nicht immer notwendig

 

 

Dr. Gumpert, welche Aufgabe haben orthopädische Hilfsmittel?

Orthopädische Stütz- und Hilfsmittel gehören zu den passiven Therapieansätzen. Grundsätzlich sollen sie die Funktion des Bewegungsapparates unterstützen. Das tun sie entweder, indem eine Fehlstellung kompensiert wird, zum Beispiel bei einer orthopädischen Schuheinlage, oder indem Belastungsspitzen um das Gelenk herumgeleitet werden, beispielsweise mithilfe einer Kniebandage.

 

Wie schätzen Sie den Nutzen solcher Hilfsmittel ein?

Grundsätzlich ist der Nutzen hoch, weil Patienten mit teilweise schweren Einschränkungen durch solche Hilfen mobil bleiben können. Aber nicht immer sind sie auch notwendig. In unserer Praxis machen wir zum Beispiel viel Sportorthopädie. Daher arbeiten wir relativ selten mit Stützsystemen, vielleicht bei jedem zehnten Patienten.

Stattdessen versuchen wir, Probleme zum Beispiel durch gezieltes Muskeltraining zu beheben. Das gilt natürlich insbesondere für junge Patienten. Je älter ein Patient, desto eher kommen auch Stütz- und Hilfsmittel ins Spiel. Generell prüfen wir in jedem einzelnen Fall, mit welcher Maßnahme wir den besten und nachhaltigsten Therapieerfolg erzielen können.

 

 

Müssen orthopädische Hilfssysteme immer angepasst werden oder sind Standardsysteme ausreichend?

Das kommt darauf an: Es gibt sowohl konfektionierte, also individuell angepasste Lösungen, als auch Standardlösungen. Beide haben ihre Berechtigung und ihren Nutzen. Ein Wirbelsäulenkorsett, mit dem eine Fehlstellung der Wirbelsäule korrigiert werden soll, ist zum Beispiel ein hochindividuelles System, das an den Träger angepasst werden muss. Eine einfache Kniebandage zur Entlastung kann man hingegen auch aus dem Regal nehmen, solange der Umfang von Ober- und Unterschenkel passt. Häufig gibt es aber auch Mischsysteme, die in bestimmten Bereichen individuell angepasst werden können.

 

Man hört ja immer wieder, dass man mehr barfuß laufen soll, weil das gesünder sei als das ständige Schuhetragen. Was halten Sie von dieser Forderung?

Die Idee des Barfußlaufens ist durchaus sinnig. Allerdings laufen wir eben auch schon seit Kindesbeinen mit Schuhen, sodass unsere Füße bis zu einem gewissen Maß degeneriert sind. Es fehlen einfach die entsprechenden Stimuli während der frühen Wachstumsjahre, sodass sich unsere Füße nicht so entwickeln, wie es von der Natur vorgesehen war.

Wenn wir jetzt trotzdem einfach anfangen, nur noch barfuß zu laufen, werden wir unsere Füße schnell überfordern. Wer dennoch auf Schuhe verzichten möchte, sollte die Füße langsam und behutsam an die neuen Belastungen gewöhnen.

 

Werden alle Geh- bzw. Stützhilfen von den Krankenkassen übernommen?

Alles, was wirklich notwendig und gut begründet ist, wird von den Krankenkassen auch übernommen. Probleme haben wir manchmal in den Grenzbereichen, wenn es für ein Problem zwei unterschiedlich teure, aber fast gleich gute Lösungen gibt.

Da geht dann schon einmal die Diskussion los, ob man immer das Beste nehmen muss oder ob das Befriedigende auch noch eine gute Lösung ist. Aber grundsätzlich muss man das deutsche Gesundheitssystem hier auch einmal loben: Im Großen und Ganzen werden Patienten mit orthopädischen Problemen hierzulande gut versorgt.

 

 

Autor:
Dr. Nicolas Gumpert
Kaiserstraße 14
60311 Frankfurt am Main

Tel.: 069 24753120

 

 

 

 

 

 

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