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Experteninterview zum Thema „Mangelernährung infolge chronischer Erkrankungen“

„MFA* können bei Mangelernährung aktiv unterstützen!“

Mangelernährung tritt nicht selten als Resultat von chronischen Erkrankungen auf: Die Patienten leiden häufig an entzündlichen Beschwerden, die die Nahrungsaufnahme erschweren oder Schmerzen verursachen. Darunter  leidet auch die Nährstoffzufuhr. Prof. Dr. med. Johann Ockenga, Facharzt für Gastroenterologie, Hepatologie & Ernährungsmedizin am Klinikum Bremen-Mitte, erklärt die alarmierenden Risikofaktoren.

 

Herr Dr. Ockenga, welche Risikogruppen sind besonders von Mangelernährung infolge von chronischen  Erkrankungen betroffen?

Mangelernährung infolge von chronischen Erkrankungen kann in jedem Alter auftreten. Allgemein lässt sich sagen: Immer, wenn eine chronische Entzündung besteht, dann ist das Risiko, dass dadurch körpereigene Vorräte, wie Muskeln für Eiweiß und Fett für Energie, abgebaut werden und Mangelernährungssituationen entstehen, besonders hoch. Besonders gefährdet sind Patienten mit einer chronisch entzündlichen Erkrankung, wie zum Beispiel eine entzündliche Darmerkrankung.

Gerade dabei kommt es oft zu einer zu geringen Zufuhr von Makro- und Mikro-Nährstoffen und der Körper gerät in eine Defizit-Situation. Auch andere chronische Erkrankungen sind prädestiniert für eine Mangelernährung. Eine chronische Herzinsuffizienz dazu führen, dass der Körper in einen katabolen Zustand gerät, in dem er vermehrt Muskeln und Fett abbaut und gleichzeitig der Appetit gehemmt wird.

 

An welchen Anzeichen äußert sich die Mangelernährung?

Die chronische Erkrankung und die damit einhergehende inadäquate Ernährung sind hohe Risikofaktoren für Mangelernährung. Wenn der Patient zu wenig Kalorien und zu wenig Eiweiß zu sich nimmt, ist das erste Anzeichen immer eine Reduzierung des Gewichts. Das macht sich oft darin bemerkbar, dass die Hose nicht mehr passt, dass sich das Aussehen verändert und dass den Patienten die Leistungsfähigkeit abhandenkommt, weil die Muskulatur weg ist.

Ihnen fehlen dann die Ausdauer und Kraft. Das hat bei verschiedenen Krankheiten verschiedene Gründe, aber es nimmt häufig dieselbe Endstrecke, nämlich, dass sich die Körperzusammensetzung ändert und damit die Funktionalität des Körpers beeinflusst wird.

 

Wie lässt sich der Mangelernährung am besten vorbeugen?

Daran denken und darauf achten, dabei können auch Angehörige helfen. Häufig reicht es schon, vernünftige Essenssituationen und -rituale zu schaffen. Gerade chronisch kranke Patienten sollten ein starkes Bewusstsein dafür haben, wie sich der Körper entwickelt. Liegt der Verdacht auf unzureichende Ernährung vor, kann erst einmal mit Nahrungsanreicherungen begonnen werden, zum Beispiel, indem Eiweißpulver in den Joghurt eingerührt wird.

Der nächste Schritt kann dann die Einnahme von Trinknahrung sein. Es gilt: Wenn man feststellt, dass der Patient Gewicht verliert, Muskeln abbaut oder wenn eine Krankheitssituation vorliegt, die zu einem Gewichtsverlust führen kann, sollte unbedingt der zuständige Arzt oder das medizinische Personal  darauf hingewiesen werden. Das gilt auch, wenn man weiß, dass der Patient zum Beispiel eine Chemotherapie bekommt und es im Rahmen davon zu Ernährungsstörungen kommen kann. Durch präventive Ernährungsberatung lässt sich ein Teil der Probleme frühzeitig abfangen.

 

Inwieweit können MFA denn betroffene Patienten unterstützen?

Dafür ausgebildete MFA assistieren dem behandelnden Arzt schon beim sogenannten Screening. Dabei wird zum einen nach dem absoluten, aber auch nach weiteren Indikatoren geschaut, die für die Gewichtsveränderungen in Betracht kommen.

Wichtig ist, den Zeitraum der Gewichtsabnahme zu beachten und ob dabei normal gegessen wurde. Und natürlich auch, ob eine Erkrankung vorliegt und wie schwer diese verläuft. Außerdem darf die Bewegung nicht vergessen werden. Gerade Muskelmasse und Eiweißspeicher sollten jetzt erhalten bleiben und auch weiter aufgebaut werden. Während der gesamten Therapie beobachten und kümmern sich die MFA aktiv um die Patienten, sodass sich diese nie allein- gelassen fühlen.

 

* MFA sind medizinische Fachangestellte

 

 

 

 

 

 

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