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Impfpass weg – und nun???

Während der Reisepass für die meisten von uns während der letzten Monate weitgehend bedeutungslos war, ist ein anderer Pass plötzlich umso wichtiger geworden: der Impfpass. Nicht wenige Bundesbürger haben in den letzten Wochen verzweifelt nach dem kleinen, gelben Heftchen gesucht, um ihre Corona-Impfung eintragen zu lassen. Aber was tun, wenn der partout nicht mehr auffindbar ist?

 

In einem Impfpass werden alle Impfungen samt Datum eingetragen, die jemand erhalten hat. Dazu gehören sowohl die Impfungen im Kindesalter, als auch Impfungen, die später verabreicht wurden. Zusätzlich werden auch spezielle Immunisierungen eingetragen, beispielsweise Reiseimpfungen. So ist jederzeit ersichtlich, welchen Impfschutz eine Person hat und wann welche Impfungen erneuert werden müssen. Ist der Impfpass aus irgendeinem Grund nicht mehr auffindbar, ist das zwar kein Drama, sehr wohl aber ein bisschen Extraarbeit.

 

Erste Anlaufstelle: Hausarzt

Nach der sogenannten Grundimmunisierung, bei der Kinder gegen Diphtherie, Hepatitis B, Hib, Keuchhusten, Kinderlähmung und Wundstarrkrampf geimpft werden, verabreicht im Normalfall der Hausarzt alle Impfungen. Diese Impfungen werden nicht nur im Impfausweis vermerkt, sondern auch in der Patientenakte. Ist der Impfpass verloren gegangen, kann man also immer zum Hausarzt gehen, der ein Ersatzdokument mit allen früheren Impfungen erstellen darf. Bezahlen muss man für diesen neuen Impfpass nicht. Etwas komplizierter wird es, wenn man zum Beispiel wegen häufiger Umzüge den Hausarzt mehrfach gewechselt hat.

 

Ein frischer Start

Ist die Rekonstruktion der Impfgeschichte aus irgendeinem Grund nicht möglich, müssen alle relevanten Impfungen nachgeholt werden. Ärzte müssen in diesem Fall davon ausgehen, dass keinerlei Impfschutz besteht – selbst wenn der oder die Betroffene beteuert, eine bestimmte Impfung bereits erhalten zu haben. Nicht dokumentiert heißt dann automatisch: nicht geschützt. Die gute Nachricht ist, dass Befürchtungen, eine mehrfache Impfung könnte gesundheitliche Schäden nach sich ziehen, in aller Regel unbegründet sind.

 

Möglichkeit der Blutuntersuchung

Theoretisch ist auch eine Blutuntersuchung möglich, um Antikörper festzustellen. Allerdings wird dies nur in Ausnahmefällen empfohlen, beispielsweise bei Patienten mit einem geschwächten Immunsystem oder für Frauen mit Kinderwunsch. Problematisch ist diese Untersuchung, weil Sie selbst bei nachgewiesenen Antikörpern nicht wissen, wie lange der Impfschutz noch besteht bzw. wann er aufgefrischt werden muss. Zudem ist man durch manche Impfungen zwar geschützt, ohne dass sich im Blut Antikörper finden ließen. Zuverlässig sind solche Blutuntersuchungen also nur bedingt.

 

In Zukunft digital?!

Am besten ist es also, den Impfpass gar nicht erst zu verlegen. Mögliche Aufbewahrungsorte sind zum Beispiel der Medikamentenschrank oder ein Ordner mit anderen wichtigen Unterlagen, wie Geburtsurkunde und Steuernummer. Auch die Anfertigung von Kopien oder Scans ist möglich. Kopien eignen sich zudem gut für Kinder, die ihren Impfpass auf Schulreisen oder auf Freizeiten mitnehmen müssen. In Zukunft könnte sich das Problem ohnehin erübrigen. Voraussichtlich ab 2022 soll es möglich sein, Impfnachweise in der elektronischen Patientenakte abzuspeichern. Damit wird dann wahrscheinlich auch die Ära des kleinen gelben Heftchens zu Ende gehen. Und wir haben eine Chipkarte mehr im Geldbeutel oder eine App auf dem Smartphone. 

 

 

 

 

 

 

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