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5 Fragen zum Thema Knochengesundheit an Dr. Nicolas Gumpert:

Stabiles Skelett durch Sport und Ernährung

Herr Dr. Gumpert, Sie sind Fach- arzt für Orthopädie, Sportmedizin und Chirotherapie. Können Sie kurz erklären, welche Funktion unser Skelett und unsere Knochen haben?

 

Im menschlichen Körper gibt es über 200 Knochen. Eine ihrer Hauptaufgaben ist die Stützfunktion, weshalb sie auch in einer Art Leichtbauweise gebaut sind. Außerdem schützen sie unsere lebenswichtigen Organe, zum Beispiel im Brustraum. Darüber hinaus ist das im Inneren der Knochen liegende Mark an der Blutbildung beteiligt.

Gerade bei Leukämien oder Knochenkrebs rückt das Knochenmark in den Fokus, denn durch eine Veränderung des Knochenmarks kann in der Folge auch der Knochen beeinträchtigt werden.

 

Welche Beeinträchtigungen des Knochengerüsts sehen Sie in Ihrer Praxis besonders häufig?

Bei den älteren Patienten sind das zweifellos die Verschleiß- erscheinungen, zum Beispiel die Arthrose eines Gelenks. Durch Fehlstellungen oder Belastungen können dabei auch sogenannte Osteophyten entstehen, also Verknöcherungen, durch die ein geschädigtes Gelenk vergrößert und entlastet werden soll.

Gerade im Bereich der Wirbelsäule verursachen solche Osteophyten Probleme, beispielsweise wenn der Knochensporn den Rückenmarkskanal verengt und auf einen Nerv drückt. Bei den jüngeren Patienten dominieren hingegen die Frakturen, vor allem der Schlüsselbeinbruch, der Handgelenksbruch und der Rippenbruch, also typische Sportverletzungen.

 

Wie werden solche Beschwerden in der Regel behandelt?

In der konservativen Orthopädie versuchen wir zunächst einmal, problematische Gelenke oder Knochen zu entlasten. Dabei spielen vor allem die Muskeln eine wichtige Rolle. So können wir zum Beispiel eine Fehlstellung der Wirbelsäule durch ein Training der Bauchmuskulatur therapieren. Häufig reichen dafür schon zehn Minuten Bewegung am Morgen. Um akute Symptome zu lindern, nutzen wir hierbei auch entzündungshemmende und abschwellende Medikamente. Zum Einsatz kommen aber auch spezielle Bandagen oder Orthesen, also äußere mechanische Stützsysteme. Und letztlich bleibt natürlich auch die Operation. Gerade bei älteren Patienten versuchen wir aber immer, einen chirurgischen Eingriff nach Möglichkeit zu vermeiden.

 

Können wir unser Knochengerüst im Alltag aktiv stärken?

Grundsätzlich wird ein Knochen unter Belastung widerstandsfähiger. Das bedeutet, dass ein Marathonläufer im Normalfall eine belastbarere Knochenstruktur hat als ein Schachspieler, der seine Knochen weniger Reizen aussetzt. Außerdem müssen wir unseren Knochen aber auch gut ernähren.

Dafür brauchen wir vor allem Kalzium, das wir aber wiederum nur verwerten können, wenn wir auch einen ausreichend hohen Vitamin-D-Spiegel haben. Dabei dürfen wir es aber nicht übertreiben, denn ein Zuviel an Kalzium verursacht wiederum Nierensteine.

 

Durch welches Verhalten schaden wir unseren Knochen am meisten?

Im Prinzip durch Inaktivität. Wenn Menschen beispielsweise infolge einer Covid-Erkrankung lange bettlägerig waren, ist ihr Knochengerüst häufig komplett entkalkt, weil einfach kein Belastungsreiz vorhanden war. Darüber hinaus gibt es aber auch Nahrungsmittel, die die Knochenstruktur schwächen. Hierzu zählen vor allem colahaltige Limonaden, die einen relativ hohen Phosphatgehalt aufweisen.

Denn Phosphat scheidet der Körper immer in Verbindung mit Kalzium aus. Wenn Kinder und Jugendliche also schon in jungen Jahren viel Cola trinken, droht zumindest auf lange Sicht eine Osteoporose. Die Knochengesundheit ist also eng mit unserem Lebensstil verknüpft.

 

 

 

 

 

 

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