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Keine Angst vorm Zahnarzt

„Prima, wir gehen zum Zahnarzt“, das sagen wahrscheinlich die wenigsten Eltern zu ihrem Kind, wenn ein Praxisbesuch ansteht. Sollten Sie aber ruhig, meint Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer.

 

„Die meisten Ängste werden von Erwachsenen auf die Kinder übertragen“, sagt der in Stavenhagen praktizierende Zahnarzt. „Zeigen die Eltern keine Vorbehalte gegenüber dem Zahnarzt, entwickeln wahrscheinlich auch die Kinder keine.“ Das fängt schon bei den Gesprächen an, die ein Dreikäsehoch so mitbekommt. Sagt die Mama zu ihrer Freundin: „Hmm, ich muss morgen zum Zahnarzt …“ Und antwortet die darauf: „O je, dann viel Glück. Ich müsste da auch mal wieder, aber ich schiebe das immer vor mir her …“ – dann kann das eigentlich nichts Gutes bedeuten. Ist die oder der Kleine dann selbst dran und versichern die Eltern auch noch, das Kind brauche „keine Angst“ zu haben oder solle gar „tapfer“ sein, erwacht das Misstrauen erst recht. Vor dem Einkaufen oder beim Gang zum Spielplatz sagt schließlich niemand derlei Dinge. Und eine Belohnung gibt es danach auch nicht!

 

Immerhin sind Kinder von Grund auf neugierig und eine Zahnerztpraxis ist ein hochinteressanter Techno-Park. Hier gibt es Stühle, die hoch- und runterfahren, Schläuche, aus denen Luft oder Wasser rauskommt, große Zahnmodelle mit riesigen Bürsten oder auch lustige Handpuppen, denen man in den Mund schauen kann. „Je früher der erste Zahnarztbesuch stattfindet, desto besser“, betont Dietmar Oesterreich. Mütter und Väter von Babys und sehr kleinen Kindern sollten mit dem Nachwuchs schon im ersten Lebensjahr den Zahnarzt aufsuchen. Dabei geht es nicht nur um die nötige Mundhygiene, sondern auch darum, ersten freundlichen Kontakt zum Kind aufzubauen. Das geht auch gut, wenn ein Elternteil selbst einen Termin hat. So bekommt das Kind mit, dass ein (Zahn)-Arztbesuch zum Alltag dazugehört und nichts Besonderes ist. „Irgendwann wollen die Kleinen dann automatisch auch mal drankommen, anfangs auf dem elterlichen Schoß und später auch alleine.“ Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen frühkindliche Zahnuntersuchungen übrigens schon ab dem 1. Lebensjahr. Gerade die ersten Besuche, bei denen nichts gemacht oder nur mal kurz in den Mund geschaut wird, sorgen für eine entspannte Stimmung und schaffen Vertrauen. Dazu trägt auch bei, wenn Praxisteam und auch Eltern nicht über, sondern mit dem Kind über das reden, was gemacht wird.

 

Neben der Situation in der Praxis spielt aber auch die häusliche Zahnhygiene eine wichtige Rolle dabei, wie Kinder einen Zahnarztpraxisbesuch erleben, betont die Bundeszahnärztekammer. Das „Putzen“ sollte mit dem allerersten Babyzahn beginnen, der mit einer weichen Baby- oder Kinderbürste geputzt wird. „Mundhygiene wird so zum Ritual entwickelt.“ Ist der Nachwuchs von Anfang an gewohnt, dass ihm die Eltern mit einer Bürste im Mund „herumwerkeln“, empfindet er auch die Behandlung durch eine Zahnärztin oder einen Zahnarzt als weniger außergewöhnlich. Auch dabei sollten die Eltern natürlich Vorbild sein: Regelmäßig Zähne putzen und kontrollieren lassen, das sollte zum Alltag gehören wie Essen und Trinken.

 

 

 

 

 

 

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